Kritik: Kaliber 38 – Genau zwischen die Augen (1976)

Die Verbrechen in und um Turin nehmen immer mehr zu. Die Polizei ist fast machtlos. Die konventionellen Bekämpfungsmethoden reichen nicht aus. Unter dem Druck der Ereignisse entschließt sich die Polizeiführung zur aufstellung einer kleinen Sondertruppe, die eine Spezialausbildung erhält und die bis dahin bei der Polizei nicht verwendete Pistole Kaliber 38. Leiter dieser kleinen Gardetruppe wird ein sehr guter Mann, der Polizeiinspektor Vanni.
Vannis Truppe wird schnell der Schrecken der Gangster, denn sie ist unauffällig uns schnell. Auf frisierten Motorrädern braust sie hinter jedem Verdächtigen her, kaltblütiger und frecher wie jeder Rocker oder Held auf seinem Feuerstuhl. Jeder Mann beherrscht die Kunst der Eastern – Selbstverteidigung. Beide Seiten liefern sich spannende und harte Auseinandersetzungen.

 

“Kaliber 38 – Genau zwischen die Augen” ist ein tempo- und
actionreicher Thriller, der dem Genre des Poliziotti zuzuordnen ist.

Regisseur Massimo Dallamano (“Der Tod trägt schwarzes Leder” und “Das
Geheimnis der grünen Stecknadel”) gelang Dank eines guten Drehbuchs
ein Klassiker des Genre, der weitestgehend auf die klischeehafte
Handlung anderer Beiträge des Genre verzichtet.
“Kaliber 38” handelt zwar auch von einer Gangsterbande, doch deren
Taten beschränken sich weniger auf Vergewaltigungen und Raubüberfälle
wie sie Umberto Lenzis Filme “Die Viper” oder “Camorra” dominieren.

Ivan Rassimov, kongenial besetzt als skrupelloser Bandenchef und
bekannt aus Werken wie “Die Farben der Nacht”, “Spasmo” oder “Lebendig
gefressen”, zieht über Turin eine blutige Spur, wobei er
Sprengstoffanschläge an dicht besiedelten Schauplätzen verübt. Der
terroristische Hintergrund der Taten verleiht dem Film eine ganz
besondere Brisanz und eine realistische Grundlage. Rassimov gegenüber
steht der, ebenfalls wie gewohnt glaubwürdig agierende, Marcel
Bozzuffi (bekannt als “Der Marseiller” aus “Das Syndikat des Grauens”)
in der Rolle des besessenen Leiters einer Spezialeinheit gegen das
organisierte Verbrechen.
Neben der spannenden Handlung und den schauspielerischen Leistungen
der beiden Hauptdarsteller, ist vor allem Stelvio Ciprianis genialer
Score hervorzuheben – der “Kaliber 38” adäquat mit atmosphärischen
Kompositionen untermalt.

Insgesamt ist Dallamanos Werk um Längen besser als die bereits
erwähnten Filme von Umberto Lenzi, da er sich vor allem durch seine
geradlinige Handlung und einen besseren Inszenierungsstil eindeutig
von ihnen unterscheidet und hinsichtlich des Verbrechens und seines
Antagonisten für Abwechslung im üblichen Verbrechenssumpf aus mafiösen
Verstrickungen und Kleinkriminalität bietet.

Schreibe einen Kommentar