Kritik: Kinder des Zorns (1984)

Ein junges Pärchen gerät mitten in einer landwirtschaftlichen Einöde Amerikas nach dem Fund eines ermordeten Teenagers in das kleine Städtchen Gatlin, wo vor Jahren sämtliche Kinder des Ortes die Erwachsenen niedergemetzelt haben. Die Kinder gehören alle dem Kult dessen “der hinter den Reihen wandelt” an und ermorden jeden Flüchtling. Der Ort wird für die beiden zu einer Todesfalle, denn nach allem Anschein gibt es tatsächlich ein monströses Wesen in den umgebenden Maisfeldern..

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung, erschienen als Trilogie von KINOWELT! Das Tripple-Feature im Digi-Pack ist mittlerweile sehr selten und bis zur geplanten Neuauflage NOCH ein teures Vergnügen!

Und einmal mehr findet sich der Zuschauer bei einer Kingschen Romanverfilmung im Idyll einer ländlichen Kleinstadt wieder, hinter deren biederer Fassade der Schrecken in Form einer Schar religiös geblendeter Kinder lauert, die unter dem Einfluss ihres diabolischen Anführers Isaac stehen und auf dessen Anweisung hin ein unfassbares Blutbad in dem beschaulichen Kaff anrichten, bei dem alle erwachsenen Einwohner bestialisch massakriert werden.

In der von mir gesichteten Uncut-Fassung geizt “Kinder des Zorns” zwar nicht mit blutigen Effekten, doch einen bluttriefenden Horrorfilm darf man, trotz Indizierung und entsprechendem Freigabe-Siegel, nicht erwarten. 
Die Verfilmung einer Kingschen Kurzgeschichte hält sich weitestgehend bedeckt und setzt Blut sparsam und dezent ein, ohne dabei explizit ins Detail zu gehen. Szenen, in denen beispielsweise eine Hand in einen Mixer gepresst wird, werden frühzeitig abgeblendet.
Der Film setzt vielmehr auf vordergründige Schocks, die streckenweise vorhersehbar sind, und überzeugt dabei vor allem durch den stimmungsvollen choralen Score von Jonathan Elias.
“Kinder des Zorns” ist die ökologisch-religiös angehauchte Variante von “Das Dorf der Verdammten” – ohne dabei auch nur die unheimliche Intensität oder den subtilen Spannungsaufbau dieses Klassikers zu erreichen.
Die Verfilmung des No-Name-Regisseurs Fritz Kiersch ist, wie viele andere Kingschen Verfilmungen, weit überschätzt – ebenso wie die literarische Vorlage.
Es gibt unzählige King-Verfilmungen, doch nur sehr wenige haben das Prädikat “Besonders wertvoll und gelungen” verdient.
“Kinder des Zorns” zählt sicherlich nicht dazu und, abgesehen von einem vielversprechenden Beginn und einem soliden Finale, bietet der Film über weite Strecken nicht mehr als pure Langeweile.
Das durchaus vorhandene Potential der literarischen Vorlage, die Story um die religiös fanatischen Kinder und das Geheimnis um eine nicht näher definierte Gestalt, die “zwischen den Reihen wandelt” – das alles erschöpft sich schon nach sehr kurzer Zeit. Die Handlung wird ohne jeglichen Höhepunkt oder einen passablen Spannungsaufbau während des gesamten Mittelteils lieblos vorangetrieben, wodurch das Finale – das sich über insgesamt 20 Minuten erstreckt – viel zu früh eingeläutet wird, während der eigentliche Showdown im Maisfeld zu abrupt einsetzt und zugunsten eines preiswert getricksten Effektspektakels riesige Löcher in das ohnehin dünn gestrickte Handlungsmuster frisst.

Eine Überdosis an übersinnlichen Hokuspokus ist es dann auch, die den Spannungsbogen innerhalb der Schlussphase ausbremst und verhindert, dass “Kinder des Zorns” immerhin noch die Durchschnittsmarke erreicht.
Unterm Strich – mögen mich die Kinder des Zorns nicht strafen – eine der schlechtesten King-Adaptionen! 4/10

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