Kritik: Lucky Luke (1991)

Daisy Town sollte eigentlich ein ganz ruhiges, durchschnittliches Wildwest-Nest sein. Wäre da nicht eine Handvoll Desperados, die im Städtchen Angst und Schrecken verbreiten. Zum Glück taucht da jemand auf, der nicht lange braucht, um die Finsterlinge weichzuklopfen: Lucky Luke. Der Mann, der schneller zieht als sein Schatten, kam genau zur richtigen Zeit, denn die Verbrecherbande der Daltons plant gemeinsam mit von ihnen aufgehetzten Indianern, Daisy Town zu überfallen.

Comics sind bei vielen Filmfans sehr beliebt und geniessen oft einen hohen Stellenwert. Da ist es nicht verwunderlich das es oft Comic – Verfilmungen gibt. Besonders Zeichentrick – Serien bedienen sich oft einen befremdlichen Aufwand um dem Resultat gerechtfertigt zu werden. Die allseits beliebte Serie „Lucky Luke“ stellt da keine Ausnahme dar. Es war nur eine Frage der Zeit bis sich Filmemacher an diesen Stoff heranwagten und es auf Zelloloid zu bannen. Lucky Luke ist die Titelfigur eines Comics das seit 1946 erscheint. Der belgische Comic – Zeichner Morris schuf diese Figur, die bei verschiedenen Verlagen gedruckt und veröffentlicht wurden. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1958, der letzte Band von Morris wurde im Jahr 2002 veröffentlicht.
In den 80er Jahren wurde die Figur Lucky Luke ein wenig überarbeitet, besonders das er Raucher war wurde nach und nach verändert, man gewöhnt es ihm ab und ersetzte die Zigarette durch einen Grashalm. Die Geschichten von Lucky Luke sind an vielen Geschichtsereignissen angelehnt, sei es die Postkutschen der West Cargo, oder aber der Telegraphenmastausbau. Man trifft auf die Kavallerie, Indianer und viele Gauner, die ebenfalls an vielen Persönlichkeiten sich orientieren. Billy The Kid, Jesse James sind nur ein paar Beispiele von vielen. Die Persönlichkeiten des Wilden Westens, die einander in Wirklichkeit wahrscheinlich sich nie kennengelernt hätten, treffen in den Geschichten aufeinander und erleben gemeinsame Abenteuer.
1991 war es dann endlich soweit, Lucky Luck widerfuhr eine Real – Verfilmung unter der Regie von Terence Hill, der sich auch für die Titelrolle entschied. Aber erst durch Drängen seiner Familie entschloss er sich für dieses Werk, denn kurz zuvor erlebte er einen Niederschlag innerhalb der Familie, sein Sohn Ross verstarb. Seinen Sohn konnte man auch in dem Film „RENEGADE“ erleben. Der Film pendelt sich gut in das Genre Komödie mit Anlehnung an den Western ein. Die Kulissen besonders die von Daisy Town sehen sehr vielversprechend und realistisch aus. Besonders bekommt man den Entstehungszeitraum und Aufbau der Stadt gezeigt. Der Mann der schneller zieht als sein Schatten wird zufriedenstellend von Hill verkörpert, auch wenn die Optik ein wenig verändert wurde, im Comic hat er schwarze Haare und eine Haartolle, ebenso sein auffallendes Outfit von blauer Jeans und Weste wurde schlichtweg nicht beachtet. Die Dialoge zwischen Hill und seinem Pferd Jolly Jumper erfüllen ihren Zweck und birgen so manche Pointen, wobei andere Gags leider an der falschen Stelle zünden und somit ihre Wirkung vollkommen verlieren. Man merkt jedoch Hill an das er mit seinem anderen Filmpartner als Bud Spencer nicht so richtig grün wird.
Was einem besonders in der Real – Verfilmung auffällt, ist das viele Szenen sich wiederholen und mehrmals im Laufe des Films eingespielt wurden, entweder geschah dies aus Kostengründen oder man musste die Spielzeit etwas strecken. Die anderen Charaktere wirken optisch wie auch deren Verhaltensweise, wie man es aus den Comics gewöhnt ist. Die Story plätschert allerdings leise vor sich hin und birgt kaum Überraschungen. Man erlebt halt den typischen Wilden Westen Alltag, gewürzt mit ein wenig Humor und Slapstick. Ein wenig wurden auch diverse Gruppen (zb. Die Indianer) politisch falsch dargestellt. In Lucky Luke darf auch eine Schlägerei im Saloon nicht fehlen, doch leider sind hier auch ein paar Schwachpunkte klar erkennbar. Die Prügeleien wirken etwas lustlos, und sind schlecht choreographiert. Revolverduelle fallen meist einfallslos aus und wirken etwas deplaziert. Trotz diverser Schwachpunkte bietet der Film eine angenehme Unterhaltung, ob er eine würdige Filmumsetzung des Comics ist, sei jedem selbst überlassen.
Ich schaue weiterhin lieber die alte Zeichentrick – Serie die es immerhin in zwei Staffeln gibt, und auch auf DVD erhältlich sind. Doch die erste Real-Verfilmung von und mit Terence Hill war in den 90er Jahren ein Erfolg an den Kassen und nur ein Jahr später gab es einen zweiten Teil mit dem Titelzusatz: Der neue Film. Was zugleich ein Pilotfilm für eine kleine TV – Serie war, ebenfalls mit Hill in der Hauptrolle. Später folgten noch diverse andere Verfilmungen des Comics, die aber zumeist mäßig bis gar keinen Erfolg hatten! Auch wenn man bei diesem Streifen das schon hohe erreichte Alter von Hill spürt, so kann er dennoch seine Qualitäten ausspielen und einige Zuschauer immer noch unterhalten. Den Film LUCKY LUKE bekommt man auf VHS vom Label „marketing“ und „United Video“, auf DVD ist er von „EMS“ veröffentlicht worden, sei es als Einzel-DVD oder in einer Filmbox.

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