Kritik: Misery (1990)

Der Autor Paul Sheldon (James Caan) hatte jahrelangen Erfolg mit den Liebesromanen über seine Figur Misery Chastaine. Doch jetzt hat er die Nase voll und will andere Bücher schreiben. Als er jedoch im Schnee einen Autounfall hat, findet ihn ausgerechnet Annie Wilkes (Kathy Bates), der wohl größte lebende Misery-Fan. Annie, die ihn erkennt, pflegt ihn auf eigene Gefahr gesund, obwohl Paul schwer verletzt ist. Denn Annie ist im stillen schon eine Psychopathin, die ihre Misery auf jeden Fall zurückhaben will. Also zwingt sie Paul, einen neuen Misery-Roman zu schreiben, so wie sie ihn haben will. Und wenn er nicht spurt, schreckt sie auch vor körperlicher Gewalt nicht zurück.

Stephen King gehört bei vielen zweifellos zu den besten Horrorbuchauoren auf der Welt, somit ist es nicht verwunderlich das auch Hollywood ein sehr grosses Interesse an der Verfilmung seiner Bücher hat, doch King hielt auch für MISERY die Rechte lange zurück, später entschied er sich doch dafür das das Werk auf die Leinwand gebracht wird, doch unter der Bedingung das Rob Reiner daran beteiligt ist, er hatte schon zuvor den Film STAND BY ME – DAS GEHEIMNIS EINES SOMMERS auf die Leinwand gebracht und konnte damit das Publikum und auch King begeistern. Der Regisseur Rob Reiner drehte auch Filme wie HARRY UND SALLY 1989 und EINE FRAGE DER EHRE im Jahr 1992 und konnte sich mit diesen Erfolgen einen Namen in Hollywood machen.

MISERY ist eher als Psychothriller anzusehen, und verzichtet fast vollkommen auf Schockeffekte und wirren Masken und Kostümen, stattdessen hat er mehr einen Bezug zur Realität, alles dargebotene kann sich ohne weiteres in der Realität so zutragen, ohne das jemand auf die Idee kommen würde, das vieles davon nur ausgedacht und das Resultat einer blühenden Fantasie sei.

MISERY handelt von dem Autor Paul Sheldon, der sein nächstes Manuskript fertig gestellt hat, und auf dem Weg nach New York zu seiner Verlegerin ist, um ihr sein neuestes Werk vorzustellen, doch der Winter auf dem Land ist tückisch und Paul erleidet einen Autounfall, was in der einsamen Waldgegend den Tod bedeuten kann, doch er hat Glück im Unglück, und die arbeitslose Krankenschwester Annie Wilkes findet ihn und nimmt ihn zu sich nach Hause, hinzu kommt noch das sie ein vernarrter Fan seiner Werke ist, und ihn auf ihre ganz besondere Art und Weise abgöttisch liebt. Sie hegt und pflegt ihn, und peppelt ihn auf, doch Annie hat mehr vor, als nur ihrem Idol wieder auf die Beine zu helfen, so nach und nach zeigt sie ihre wahre Identität und Ihre verborgenen Absichten, denen Paul wohl aussichtslos unterlegen ist, doch das Katz und Mausspiel beider Parteien nimmt seltsame Wege.

Wenn man sich die Story so durchliest, bekommt man sofort den Eindruck eines Stalkers, wie man es bei vielen Prominenten her aus den Medien kennt, somit ist der Realismus vorhanden und die Neugier des Zuschauers geweckt, denn der voyeuristische Zuschauer möchte mehr von den beiden Protagonisten erfahren und an deren Leben teilhaben. Regisseur Reiner schaffte es eine sehr bedrückende, beklemmende Atmosphäre zu erschaffen, das sich der Hauptteil des Films im Haus von Annie Wilkes abspielt unterstreicht diesen Effekt noch mehr, somit ist der Zuschauer ebenfalls mitgefangen und ist Teil der Story geworden, ohne das er es bemerkt hat.

Für die Rolle von Annie war von Anfang die Theater und Schauspielerin Kathy Bates vorgesehen, King und Reiner waren von ihren Leistungen und Talent sehr überzeugt, diese Wahl wurde auch später mit einem Oscar für Bates belohnt, als erste Schauspielerin in einem Horrorfilm wurde sie mit dem begehrten Oscar ausgezeichnet. Doch die Wahl für die Rolle vom Autor Sheldon war weitaus komplizierter, zunächst waren folgende Schauspieler im Gerede, die sich allerdings alle zurückzogen, weil sie der Meinung waren das der Film MISERY zu krass wäre, vor allem wegen einer Szene mit dem Hammer und den Beinen von Sheldon, William Hurt, Kevin Kline, Michael Douglas, Harrison Ford, Dustin Hoffmann, Robert De Niro, Al Pacino, Gene Hackman und Robert Redford waren alle im Gerede, selbst Warren Beatty war eine Idee, der sich allerdings ebenfalls zurückzog und lieber sich den Dreharbeiten zu DICK TRACY annahm. Da fiel die Wahl auf James Caan, den man noch aus ROLLERBALL aus dem Jahr 1975 kennen dürfte, er war in den Medien in den 90er Jahren allerdings eher negativ mit seinem Drogenproblem aufgefallen, und konnte keine weiteren Kinoerfolge in seiner Filmlaufbahn verzeichnen.

Und schliesslich erwies sich der letzte Strohhalm noch als wichtige und entscheidene Aufgabe, Caan und Bates harmonierten absolut zusammen auf der Leinwand und bewiesen ihr Talent für die Rollen und hauchten ihnen wahre Gefühle und Emotionen ein, die dem Zuschauer mehr als deutlich den Realismus nahe brachten. Die Rollen von Annie und Paul treiben ein bizares Katz und Mausspiel, nachdem Paul feststellen muss, das die Liebe von der Krankenschwester Annie eher als vernarrte Liebe zu ihm und seinen Werken ist, schliesslich besitzt sie jedes Werk von ihm, und kann eine Menge Textauszüge aus dem Gedächtnis wiedergeben, und welches Geheimnis verbirgt sich in der Vergangenheit von Annie?!

Der Spannungsaufbau von dem Spiel beider Parteien lenkt den Zuschauer zu einem fesselnden Finale, ohne dabei Längen im Film aufkommen zu lassen, zwar sind viele Szenen und Dialoge sehr ruhig und entspannend dargestellt, doch der Fesselungseffekt und Unterhaltungswert wird sehr hoch angesetzt und vor allem gehalten, eine innerliche Spannung ist zu verspüren, wie geht der Kampf beider Geschlechter aus, was bewegt Annie dazu sich Paul gegenüber so zu verhalten und wie kommt Paul mit gebrochenen Beinen aus dieser Falle im Haus heraus um wieder in sein eigenes Leben zurück zufinden.

Wer dies herausfinden möchte und noch nicht dieses Meisterwerk kennt der sollte dies schleunigst nachholen, er kann dies entweder auf dem Medium VHS, DVD oder Blu-ray tun, oder verpasst nicht eine von den vielen Free TV Ausstrahlungen. Wer sich einen realistischen Psychothriller öffnet wird mit MISERY seine wahre Freude haben und nach dem Ende des Films nicht enttäuscht sein.