Kritik: Nemesis (1992)

Los Angeles im Jahr 2027: Die Wissenschaft hat ihre Kenntnisse der Cybergenetik perfektioniert. Statt Organtransplantationen werden Teile der menschlichen Anatomie durch elektronisch optimierte ersetzt. Nach dem nuklearen Holocaust bricht eine neue Ära an, in der Cyborg-Terroristen das System bedrohen. Der Undercover-Agent Alex Rain, selbst kaum noch aus Fleisch und Blut bestehend, soll die Verbrecher stoppen. Eine implantierte Bombe macht den Auftrag zu einem Rennen gegen die Zeit, denn nach drei Tagen soll der Sprengsatz explodieren.

 

Wenn manche den Namen Albert Pyun hören oder lesen, schlagen sehr viele ihre Hände über den Kopf und sagen: „Oh nein, nicht der!“. Sein Ruf eilt ihm mächtig voraus, denn einige seiner Werke aus seiner umfangreichen Filmlaufbahn sind eher im unteren Level anzutreffen als das sie es wert sindm namentlich erwähnt zu werden. Dabei sind einige seiner Werke noch heute bei vielen Filmfans im Gedächtnis haften geblieben und geniessen einen geheimen und feinen Kultstatus. Zu seinen bekanntesten Streifen zählt zweifellos CYBORG von 1989 mit Jean-Claude van Damme in der Hauptrolle, der die Thematik der Endzeit und mit Roboterwesen sehr deutlich und auch recht brutal in Szene gesetzt hat. Doch ein ganz Resultat seiner filmischen Ergüsse ist Bestandteil seiner Karriere, wo es sogar noch insgesamt drei Fortsetzungen mit sich brachte, die Rede ist von NEMESIS.

Hier sind verschiedene Genre vereint in einer Story und wissen den Zuschauer auf eine ganz besondere Art und Weise zu unterhalten. Science-Fiction gemischt mit Action und das Genre Thriller fand auch seinen festen Platz im Drehbuch, was übrigens von Rebecca Charles kam. Im Jahr 1993 war es soweit und der erste Teil der vierteiligen Filmreihe hatte sein Debüt auf VHS. Dies war verhältnismäßig recht spät, denn die DVD hatte schon ihren Einzug in die heimischen Wohnzimmer begonnen. Wenn man sich NEMESIS so anschaut, lässt sich nicht verleugnen an wessen anderen Produktionen sich Pyun orientiert hat, sei es TERMINATOR und BLADE RUNNER, gewisse Ideen und Konzepte wurden auf ihre Art kopiert und anders interpretiert um nicht als einfache Kopie darzustehen. Der Konflikt zwischen Mensch und Maschine wird ausgiebig dem Zuschauer unter die Nase gerieben, wobei viele Aspekte etwas zu plump und einfach dargestellt werden, aber die Stärken von NEMESIS liegen ganz woanders und sollten ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden.

Was dem Film sehr gut zuzusprechen ist, ist die dichte Atmosphäre, durch die verschiedenen Sets, sei es ein Wüstendorf, eine alte Fabrik und allerlei andere Schauplätze wird es dem Zuschauer nur recht selten langweilig, das Auge wird bestens belohnt und die wenigen ruhigen Passagen mindern den Film nur sehr wenig. Fast die ganze Spielzeit des Films ist das Bild mit einem roten Farbfilter versehen worden, diese einfache und doch sehr wirksame Art des Drehens wirkt sich positiv auf die düstere beklemmende Atmosphäre aus. Sie verleiht dem Film NEMESIS zu einem Art Endzeitlichen Touch und bringt so den SciFi Faktor etwas höher. Aber der wichtigste Aspekt eines B-Movies aus diesem Genre ist die Action, und die ist sehr aufwendig und handwerklich geschickt in Szene gesetzt worden.

Offensichtlich war Pyun von den asiatischen Filmen sehr beeinflusst worden, was vor allem an den beidhändigen Schießen der Protagonisten deutlich zu erkennen ist, abgerundet wird die Action noch mit gut gewählten Kameraeinstellungen und Kamerafahrten, was Jahre später zum Standard von Actionstreifen wurde, nutze Pyun sehr ausgiebig und setzte somit einen AHA Effekt beim Zuschauer ein. Man verfolgt schon mal ein Geschoss auf den Weg ins Ziel um nur eine Sache zu erwähnen. Pyun machte vieles bei NEMESIS richtig, was leider in manchen späteren Produktionen wieder stark vernachlässigt wurde. Die Actionsequenzen sind gut auf die Lauflänge des Films verteilt und sind in einem gesunden Maß vorhanden, und wirken nicht überzogen.

Schauspielerisch betrachtet kann man bei NEMESIS auch nicht viel bemängeln, der französische Darsteller Olivier Gruner ist solide und wirkt in seiner Rolle als Polizist mehr als passend, zwar sind nicht allzu viele Emotionsbewegungen zu erkennen, dies tut seiner Rolle und seinem Ausdruck und Verkörperung keinen Abbruch und passt wahrlich wie die Faust aufs Auge. In den Fortsetzungen übernahm die Bodybuilderin / Schauspielerin Sue Price die Rolle des Alex und so wurde der männliche Actionstar durch einen weiblichen ersetzt, man setzte mehr auf Muskeln und eine gewisse Fraulichkeit in der Inszenierung. NEMESIS ist wahrlich gesprochen ein Klassiker und geniesst zurecht sein Dasein als KULTSTREIFEN der 90er Jahre. Mit diesem Film bewies Pyun das er Filme machen kann, wenn man ihn nur lässt und ihn auch die Möglichkeiten und ein gewisses Budget überlässt.

Mir lag die DVD Version vom Label LASER PARADISE vor, sie hat eine Freigabe von 18 und ist ungeschnitten. Das Bild ist etwas besser als die VHS Version vom Label VPS, die diesen Film nur geschnitten in den Handel brachte. Vom Label DIGIDREAMS wird NEMESIS, vor allem die komplette Filmreihe in der PLATINUM CULT EDITION veröffentlicht. Sie beinhaltet massig Bonusmaterial und verschiedene Schnittfassungen des Streifens, eine klare Empfehlung ist NEMESIS sowieso für SciFi-Action Fans.