Kritik: Orgie des Todes (1978)

Die Leiche einer Schülerin wird gefunden. Was auf dem ersten Blick wie Routine ausschaut entpuppt sich für Inspektor Di Salvo (F. Testi) als schwieriger Mordfall. Massive Unterleibsverletzung mittels stumpfen Gegenstandes war die Todesfolge. Den Ermittlungen zufolge wurde das junge Mädchen Opfer eines illegalen Prostitutionsrings...

 

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung vom Label
Eyecatcher Movies!

Alberto Negrins Krimi mit dem reißerischen Titel “Orgie des Todes”
wurde in Deutschland auch als “Das Phantom im Mädchenpensionat”
veröffentlicht und war unter diesem Titel auch eine der Perlen, die
RTL zu Anfangszeiten noch in seinem Mitternachtsprogramm ausstrahlte.

“Orgie des Todes” ist aber auch der Abschluss einer dreiteiligen
Giallo-Reihe, die den Fans des Genre auch als die “Schulmädchen in
Angst”-Trilogie bekannt sein dürfte, zu der die 1972 entstandene
Verfilmung “Das Geheimnis der grünen Stecknadel” und auch der drei
Jahre später inszenierte “Der Tod trägt schwarzes Leder” zählen.

Von der Handlung her unterscheiden sich die drei Produktionen nicht
wesentlich: hier wie da stehen frühreife Schulmädchen im Zentrum
polizeilicher Ermittlungen im Rahmen einer Mordserie, die Spuren
führen meist über Prostitutionsringe zu ehrenwerten Mitgliedern der
Gesellschaft. Während sich die Polizei durch den Sumpf aus Sex und
Mord kämpft, schlägt der Killer (Markenzeichen in allen drei Filmen:
schwarze Lederhandschuhe) immer wieder zu.

Qualitativ fallen dem Betrachter da schon mehr Unterschiede auf und
so zählt “Orgie des Todes” von allen Filmen der Reihe als der
schlechteste, was dem durchaus vorhandenen Unterhaltungswert jedoch
keinen Abbruch tut.

Massimo Dallamano, der die ersten beiden Teile inszeniert hatte und
aufgrund seines frühen Todes für den Abschluss der Reihe nicht mehr
zur Verfügung stand, inszenierte mit “Das Geheimnis der grünen
Stecknadel” einen reinrassigen Giallo, der in Deutschland als
offizieller Teil der “Edgar Wallace”-Reihe vermarktet wurde und
kombinierte mit “Der Tod trägt schwarzes Leder” Elemente des Giallo
als auch des Poliziotti und legte unter Hinweis auf Polizeiakten im
fast dokumentarischen Stil die polizei- und staatsanwaltschaftlichen
Ermittlungen in den Vordergrund.

Fabio Testi, der bei “Stecknadel” noch in bester Giallo-Manier den zu
Unrecht Verdächtigen spielte und seine Unschuld zu beweisen versuchte,
darf in “Orgie des Todes” den Trenchcoat überziehen und in die Rolle
des Polizeikommissars schlüpfen, der es am Ende sogar mit zwei Tätern
zu tun hat.

Leider ist die altbekannte Story um Sex mit Minderjährigen,
Erpressung und Mord so dünn gestrickt, dass der geübte Zuschauer schon
lange vor Testi die Täter ausgemacht hat.
Die Überführung derer wurde auch dem Zufallsprinzip überlassen, denn
außer Indizien hat der Kommissar nichts vorzuweisen, kann den Fall
aber Dank zweier Geständnisse abschließen und zu den Akten legen.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Teilen wird hier weniger Wert auf
eine sinnvolle und schlüssige Handlung gelegt, als vielmehr darauf,
dass bestimmte Versatzstücke des Genre auf der Liste des Regisseurs
brav abgehakt werden:
Dazu zählen der draufgängerische Ermittler genauso wie unzählige
nackte Mädchen unter der Dusche, beobachtet vom obligatorischen Blick
eines Spanners, sowie diverse Sexszenen und mehr oder weniger blutige
Morde. Im direkten Vergleich erweist sich “Orgie des Todes” noch
unblutiger und weniger erotisch als “Das Geheimnis der grünen
Stecknadel”.

Die ohnehin sehr kurze Handlung wird mit einer vollkommen unsinnigen
Nebenhandlung mit Christine Kaufmann als kleptomanische Freundin des
Kommissars auf eine vertretbare Länge von 81 Minuten gestreckt.
Trotz der kurzen Laufzeit fehlt es dem Thriller an Tempo und Spannung.
Auch Riz Ortolanis Soundtrack lässt die nötige Dynamik vermissen.
Zwischen nackten Mädchen und den Morden machen sich auch immer wieder
Längen bemerkbar, die den Zuschauer arg strapazieren.

Wer die komplette Trilogie kennt, weiß, dass dem Zuschauer bei “Orgie
des Todes” zum dritten Mal eine leicht abgeänderte Variante einer
bereits mehrfach verfilmten Story aufgetischt wird, die durchaus ihre
Reize hat, aber weder das Genre an sich neu erfindet noch im Rahmen
der Reihe Innovationen zu bieten hat.

Insgesamt gesehen ganz knapp über dem Durchschnitt, was vor allem dem
Schauspiel des immer wieder sympathisch auftretenden Fabio Testi zu
verdanken ist.

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