Kritik: Rock Baby (1982)

1958 im ländlichen Amerika: Richie ist ein 19-jähriger Rebell und ein echter Mädchenschwarm, die junge Laura verknallt sich in ihn und die beiden werden unzertrennlich.
Innerhalb von zwei Tagen töten sie 10 Menschen, ohne Sinn und Reue. Unter anderem Lauras Stiefvater und einen alten Freund von Richie, der das Killer-Pärchen entlarvt.
Ihre Flucht beginnt.

ROCK BABY ist ein Thriller von 1982 unter der Regie von George F. Hood, dies war sein Regiedebut und auch sein letzter Film, wieso dies, darüber ist leider nichts verzeichnet, was sehr schade ist, denn hätte er seine Karriere weiter geführt, so wären uns bestimmt noch einige Streifen ins Haus geweht, die es verdient haben das man über sie schreibt. Wer die Geschichte von Bonny und Clyde oder auch von NATURAL BORN KILLERS kennt und mag, der wird sich mit ROCK BABY sicher anfreunden können, denn die Story ist ähnlich gestrickt, auch wenn sie etwas blutarmer daherkommt, so kann er dennoch mit schauspielerischen Geschick und der Darstellung punkten und überzeugen.

Für die Rollen des jungen Pärchens was sich auf der Flucht vor der Polizei und Justiz befindet, wurden Russel Fast und Marcie Severson engagiert, beide waren noch komplette Neulinge in der Schauspielwelt, lediglich Severson konnte schon ein wenig Erfahrung in einem anderen Film gewinnen und diese gekonnt wiedergeben um die Rolle des jungen Mädchens Laura überzeugend darzustellen. Die Story von ROCK BABY ist relativ einfach gestrickt worden und überraschende Wendungen fanden keinen Platz im Drehbuch, was den Film an diversen Stellen doch recht einfallslos und langweilig wirken lässt, doch man sollte sich Zeit für die Charaktere nehmen um sie besser kennen zu lernen, und diese Zeit gewährt uns auch der Regisseur ausgiebig.

Man bekommt recht schnell mit, das Richie ein Draufgänger und Macho schlechthin ist, auch wenn er nur einen miesen Job bei der Städtischen Müllabfuhr als Hilfsarbeiter hat, so lässt er gerne den dicken Macker raushängen, und ist gegenüber Flirts mit jüngeren Mädchen nicht abgeneigt. Auch das er mit seiner Art und seinem Auftreten bei anderen Menschen auf Widerstand trifft und recht schnell als Aussenseiter dahingestellt wird, bekommt man eindrucksvoll und ausführlich mitgeteilt. Richie ist gefrustet, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Grenze erreicht ist, bis er sozusagen explodiert und Rache an der Gesellschaft nimmt. ROCK BABY ist ruhig und sachlich, ab und zu nimmt der Film an Fahrt auf, und man erwartet dann die pure Gewalt, doch gerade die Darstellung der Gewalt geschieht nur im OFF, und der Zuschauer kann nur erahnen wie das Opfer wohl nun ausschaut, doch Ritchie nutzt die Gewalt der Waffen, entweder Revolver oder Schrottflinte, die härteren Szenen fehlen komplett im Film, was eine Freigabe ab 18 nur schwer gerechtfertigt, kann aber durchaus auch an der Thematik des Films liegen.

Der Zuschauer erlebt Stück für Stück eine Verwandlung des Pärchens, Ritchie wird von Mord zu Mord kaltblütiger und skrupelloser und selbst Laura verändert sich, das Wesen von einem Teenager wird zu einer extrem ängstlichen Person, die aber irgendwie von Ritchie fasziniert ist, und nur schwer von ihm loskommt, egal was er anstellt und tut, sie hält zu ihm, aber wie lange? Diese Frage bekommt der Zuschauer erst am Ende des Films beantwortet, ihr gelingt die Abkopselung nur mit Hilfe der örtlichen Polizei. ROCK BABY bringt gute und ansprechende Unterhaltung dem Zuschauer ins Wohnzimmer, ein ruhiger Thriller mit Dramaelementen, diese Mischung ist oft mehr als realistisch, denn wer weiss wie lange man selber in so einer Lage wie Ritchie ausflippen würde, schliesslich sind die Medien immer voll von solchen Medien.

Was man dem Film sehr zusprechen kann, ist der Soundtrack, hier wurde passend zum Jahr in dem sich die Geschichte wiederspiegelt, wohlklingende Songs aus dem Rock´n Roll und Rockabilly Ära eingespielt, viele Songs kennt man aus anderen bekannteren Filmen wie unter anderem die Eis am Stiel Filmreihe!

Den Streifen gibt es in Deutschland auf VHS und DVD, und hat eine ungerechtfertigte Freigabe von 18 erhalten. Die DVD ist meist schon für wenige Euro im Handel zu bekommen. Wer auf Thriller mit packenden realistischen Geschichten wie Bonny und Clyde oder Natural Born Killers ein Faible hat, sollte in ROCK BABY mal einen Blick hineinwerfen. In diesem Film wurde mehr auf die Story und die Charaktere geachtet, anstatt es nur auf die rauhe und harte Gewalt zu kompensieren. Doch ein Mako gibt es noch zu erwähnen, das Ende des Films ist recht kurz und schnell vorbei, hier wäre ein wenig Action und mehr Dramatik angebracht gewesen, schliesslich wartete man geduldig auf das Ende um zu erfahren wie diese Tortur des Pärchens ausgeht.