Kritik: Superstau (1991)

Für die Pacholkes, die Stockers und die Pippigs endet der Urlaub, bevor er beginnt – im Autobahn-Stau. Dabei sind sie extra mitten in der Nacht losgefahren, um freie Bahn zu haben. Doch jetzt stecken sie drin mit allem, was dazu gehört: Durst, Hunger, Hitze und nervenden Mitmenschen. Nur einer steht über den Dingen: Ludwig Stocker, aber der hat ja auch gut lachen. Sein Camping-Bus ist vollgestopft mit Getränken und Fressalien. Für Mustang und Commander, zwei coole Typen, steht fest: auch in einem Stau muß das Leben organisiert sein. Also ernennen sie sich selbst zu Stauleitern, teilen den Autos für alle Eventualitäten des Lebens Parzellen zu.

Wer mit dem Auto in den Ferien in den Urlaub fahren möchte, sollte sich eines bewusst sein, es kann zu Verzögerungen kommen, auch Stau oder Superstau genannt, und dieses Erlebnis was viele Reisende durchleben wurde 1991 auf humorvolle Art und Weise in einem Film dargestellt, die Rede ist von SUPERSTAU unter der Regie von Manfred Stelzer, der auch später einige Episoden von TATORT und POLIZEIRUF 110 drehte.

Der Film handelt von den verschiedensten Menschen aus Deutschland die alle zur gleichen Zeit in den Süden möchten, um ihren wohlverdienten Urlaub zu geniessen, doch ein Stau wo der Verursacher nur erahnt werden kann, vermiest allen die Freude auf die Erholung. Da macht es keinen Unterschied ob man aus Bayern kommt, oder als Ostdeutscher frisch nach der Wende oder ein schmieriger Halsabschneider ist, Bundesland und Beruf sind hier vollkommen zweitrangig, denn jeder kann das Pech oder Glück haben in einen Stau zu geraten. Die deutsche Komödie SUPERSTAU bietet so ziemlich jedes Klischee was man kennt. Der Ossi im Trabant, der Bayer in seiner Tracht und seinem Bier oder der Ruhrpottarbeiter aus dem Bergwerk, um hier nur einige zu nennen.

Vieles ist zwar sehr übertrieben dargestellt, aber dennoch sehr unterhaltsam und die Überzeichnung wirkt sich keinesfalls negativ auf den Unterhaltungswert der Komödie aus. Vor allem ist es sehr schön anzusehen, wieviele bekannte deutsche Schauspieler an diesem Film beteiligt waren, die Rollenbesetzung funktioniert einwandfrei auf die passenden Rollen, sei es Ralf Richter als Ruhrpottler oder auch Ottfried Fischer als typischer Bayer, noch dazu gesellen sich Namen wie Monika Baumgartner, Hildegard Kuhlenberg oder auch Jan Fedder, den manche noch aus der TV – Serie GROSSSTADTREVIER als Polizisten kennen dürften.

Die Humorschiene in SUPERSTAU ist amüsant und beinhaltet viele Gags am laufenden Band, bei manchen Charakteren sollte man aber etwas genauer hinhören, denn durch ihren Dialekt sind manche Gags schwer zu verstehen, aber lustig sind sie alle. Vor allem ein Running Gag schlängelt sich gekonnt durch die Story des Films, der Mann der im Stau sein Gelbes Auto vergeblich sucht, erheitert immer wieder den Zuschauer aufs neue. Klar sind manche Handlungen der Charaktere vielleicht schwer nachzuvollziehen, sei es der Bayer der erstmal sein Lager mit seinem Wohnmobil aufschlägt, aber man sollte den Film auch nicht zu ernst nehmen, denn er soll in erster Linie unterhalten, und das tut er vollkommen.

Am Anfang der Komödie bekommt man einen passenden Song zu hören, denn man auch als Hintergrundmusik im Menu der DVD vernehmen kann, dieser Song ist auch auf der beiliegenden Soundtrack CD enthalten, vorausgesetzt man hat den Film SUPERSTAU vom Label MORE / UNIVERSAL gekauft, denn es existiert auch eine Bootlegvariante vom Label DMC, dieses kam deshalb in den Umlauf, weil es SUPERSTAU lange nicht auf DVD gab, sondern lediglich im Kino, auf VHS oder im Free TV zu sehen war.

Die Komödie ist sehr unterhaltsam, und bietet viele Gags, sei es durch Sprüche, oder auch kurze Momente, da fällt mir vor allem der Nackedei ein, der aus seinem Auto steigt, und meint: Sie können ruhig die Freundin hier von meinem Besten Freund fragen! Herrlich überzeichnet, aber driftet nicht ins Lächerliche ab, man kann ruhigen Gewissens behaupten, das SUPERSTAU mit einer der besten deutschen Komödien ist. Viele namenhafte Darsteller liefern excellente Leistungen ab und hatten sichtlich Spaß am Dreh des Films.

Auf der DVD befindet sich noch ein kleines Interview mit dem Regisseur, was sehr aufschlussreich ist und einen kleinen Einblick in die Dreharbeiten bietet. Jedoch gibt es einen kleinen Fehler im Film, wenn man sich die Bäume anschaut, dürfte jedem Autobahnfahrer auffallen, das die Äste sehr weit über die Fahrbahn ragen, das würde es aus Gründen der Sicherheit nie in Deutschland geben, zumindest nicht auf der Autobahn. Aber dennoch bleibt viel Gutes vom Film im Gedächtnis haften und erinnert ein immer wieder gerne an diesen Film, und selbst wenn man nur eine Caprisonne trinkt!