Tenebrae (1982)

Der amerikanische Bestsellerautor Peter Neal kommt nach Rom um sein neuestes Buch Tenebre zu promoten. Noch während seiner Ankunft wird in Rom eine junge Ladendiebin, die sein Buch geklaut hatte, bestialisch ermordet – auf eine Weise, wie sie im Buch beschrieben ist: in ihren Mund steckt der Mörder Seiten aus dem Buch. Kurz darauf erhält Neal Drohbriefe, die mit Zitaten aus seinem Buch versehen sind. Damit nicht genug, schlägt der Mörder ein weiteres Mal zu. Diesmal sind die Opfer zwei Lesben. Auch an diesem Tatort werden Seiten aus Tenebre gefunden. Als der Killer auch noch die Freundin von Neal’s Assistentin Gianni ermordet, beschliessen beide selbst den Täter zu suchen. Alle Indizien deuten auf den Fernsehmoderator Bruni. Doch noch während die beiden ihn in seinem Haus beobachten, wird Bruni mit einer Axt erschlagen. in seinem Haus findet die Polizei Hinweise, daß er für die ersten Morde verantwortlich war. Doch wer hat dann Bruni ermordet? Und wieso geht das Morden nach Brunis Tod noch weiter?

Mit “Tenebrae” aus dem Jahr 1982 kehrte Dario Argento nach seinen zwei übersinnlichen Horrorfilmen, “Suspiria” und “Inferno”, zurück zu seinen Wurzeln und inszenierte einen harten Giallo, der zweifellos zu seinen besten Beiträgen innerhalb dieses Genre gezählt werden darf.
Der amerikanische Autor Peter Neal reist nach Rom um Verträge für ein neues Buch abzuschließen. Sein letzter Roman “Tenebrae”, der von einem geisteskranken Serienkiller handelte, steht seit Wochen an der Spitze der Bestseller-Listen. Kaum angekommen, sieht er sich mit einem realen Frauenmörder konfrontiert, der offensichtlich das Buch als Vorlage für seine Taten benutzt. 
Peter ist nicht nur zwischen seinem Ehrgeiz den Fall zu klären und der Angst um sein eigenes Leben hin- und hergerissen, auch die Zuneigung zu seiner langjährigen Assistentin Anne und das Auftauchen seiner labilen Verlobten Jane sorgen für Unruhe. 
Der Mörder zieht sein Netz immer enger um Peter, als aber der Hauptverdächtige ebenfalls brutal ermordet wird, scheinen die Karten neu gemischt…

Mit “Tenebrae” schuf Argento nicht nur einen Giallo, sondern verbeugt sich mit seiner Handlung vor den großen Schriftstellern der Kriminalliteratur – angefangen von den klassischen Detektivgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie, bis hin zu den Werken von Raymond Chandler und Mickey Spillane. Vor allem eines der berühmtesten Zitate des Sherlock Holmes aus “Der Hund von Baskerville” kommt hier zur Anwendung, die den ermittelnden Polizeibeamten zur alles entscheidenden Frage nach dem Täter führt: 

“Wenn Du das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist.” 

Von diesem Zitat einmal abgesehen, liefert der von Italowestern-Star Giuliano Gemma dargestellte Polizist immer wieder Hinweise darauf, das er ein eifriger Leser von Kriminalromanen ist, und offenbart die Lösung des komplizierten Falls ganz im Stil eines Hercule Poirot (einem belgischen Privatdetektiv und Agatha Christies Pendant zu Sherlock Holmes), indem er alle Stücke des Puzzles zu einem Gesamtbild fügt und … als den wahren Täter entlarvt.

Mit der intensiven musikalischen Untermalung von Goblin schuf Argento mit “Tenebrae” ein alptraumhaftes Szenario, das von dem Werk eines Schriftstellers handelt, dessen beschriebener Wahnsinn von einem kaltblütigen Killer in der Realität umgesetzt wird, der mit unvorstellbarer Grausamkeit Frauen mit einem Rasiermesser tötet. 
Wie bei Argento üblich, sind auch hier die rauschartig wirkenden Inszenierungen spektakulärer Morde Höhepunkte der spannenden Handlung. “Tenerbrae” ist im Vergleich zu späteren Filmen wie “Phenomena” oder “Opera”, logisch aufeinander aufgebaut und bietet dem Zuschauer eine nachvollziehbare Entlarvung des Täters, wobei auch hier unter anderem eine psychosexuelle Pathologie des Täters im Vordergrund steht, auf die in bewährt traumähnlichen Rückblenden hingewiesen wird.
Von der psychologischen Charakterisierung des Täters ausgehend, zähle ich “Tenebrae” im Rahmen von Argentos Giallo-Verfilmungen zu seinem ausgereiftesten und glaubwürdigsten Werk.
Abgesehen von den unzähligen Stilelementen des Genre, die Argento maßgeblich geprägt und somit auch den modernen Horror- und Slasherfilm stark beeinflusst hat, setzt der Regisseur auch hier auf langsame, endlos wirkende Kamerafahrten, die zusammen mit dem nervenaufreibenden Soundtrack nicht nur für eine unheimliche Atmosphäre, sondern auch für atemberaubende Spannung sorgen.
Nicht zuletzt legt Argento viele falsche Fährten um den Zuschauer geschickt in die Irre zu führen und sorgt für einige überraschende Wendungen, wobei das, was der Zuschauer zu sehen bekommt, nicht immer das ist, wonach es anfangs den Anschein hat.

Mit seinem fünften Giallo hat sich Dario Argento endgültig zum ungekrönten König des Genre erhoben und inszeniert ein fintenreiches, blutiges Verwirrspiel mit einem furiosen Finale, das einem Inferno aus Blut und Wahnsinn gleicht. 
Die ungeheure Wirkung des finalen Plottwists funktioniert nur beim ersten Zuschauen, ansonsten verliert “Tenebrae” auch bei der dritten Wiederholung nichts von seiner beeindruckenden Intensität und bietet spannende Unterhaltung auf höchstem Niveau.

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