Tesis – Der Snuff Film (1996)

Warum sind Tod und Gewalt im Film so faszinierend? Diese Frage will die Studentin Angela im Rahmen ihrer Diplomarbeit beantworten. Mit Ekel und Neugier sichtet sie nicht nur Splatterfilme und Gewaltpornos aus der Sammlung eines Kommilitonen, sondern auch Videos aus dem Archiv ihrer Uni. Dann der Schock: Auf einer unbeschrifteten Kassette ist die bestialische Hinrichtung einer seit drei Jahren vermißten Studentin festgehalten. Anstatt die Polizei einzuschalten, sucht Angela den kameraverliebten Killer im Alleingang.

 

Es gibt Regisseure die sich nicht nur mit der Regiearbeit begnügen, nein, sie spendieren noch das Drehbuch, Produzieren ihn und geben noch obendrein den Soundtrack dazu, so auch in diesem Fall, TESIS – DER SNUFF FILM aus dem Jahr 1996 unter der Leitung vom spanischen Regisseur Alejandro Amenabar entstanden. Doch das ein Mann sich soviel Arbeit annimmt, muss nicht immer negativ ausgelegt werden, dieser Streifen ist vor allem ein guter Beweis dafür, hier könnte man das Sprichwort „Zuviele Köche verderben den Brei“ durchaus anwenden.

Wenn man an Snuff Filme denkt und hört, da fallen den meisten der Hollywoodstreifen „8MM“ mit Nicolas Cage ein, denn TESIS – DER SNUFF FILM tristet ein relativ Unbekanntes Dasein, und das obwohl er um Längen besser als das Massenprodukt ist. Schon nach den ersten Minuten bekommt der Zuschauer den Eindruck als handelt es sich um einen Film der weitaus älter ist, doch statt dessen stammt er aus den 90er Jahren, dies merkt man vor allem an den Settings, besonders die Wohnung von Chema ist ein Palast für Horrorfreaks, da hängen Filmposter an den Wänden, ein Schrank voller krassen Filme und komische Gestalten baumeln von der Decke herab, und die Wohnung sieht aus wie eine typische Junggesellen Bude ala Studentenzeit.

Doch was macht TESIS zu etwas besonderem? – Das erste was man dazu sagen sollte, ist das brisante Thema, nur allzu oft von den Medien totgesagt und dementiert, doch gibt es wirklich diese Filme? Es scheint ja einen gewissen Absatzmarkt für solche Streifen zu geben, doch nicht nur das Thema an sich ist brisant, auch die filmische Umsetzung um sich mit diesem Thema auseinander zusetzen ist mehr als fragwürdig und schwierig. Regisseur Amenabar schuf auch Filme wie „VIRTUAL NIGHTMARE – OPEN YOUR EYES“ von 1997 und 2001 gelang ihm der Durchbruch in Hollywood mit „THE OTHERS“ mit Nicole Kidman in der Hauptrolle. Die Mischung aus Horror und Thriller ist dem Regisseur sehr gut gelungen, hier wird kontinuierlich eine Spannung und bedrückende Atmosphäre aufgebaut, doch eingebaute Wendungen wird diese wieder in eine ganz andere Richtung gelenkt und schafft somit das der Zuschauer sehr gespannt auf die Mattscheibe schaut und geduldig wartet bis das nächste passiert, im Film wurde mit Absicht auf dargestellte Gewalt verzichtet, die meisten Geschehnisse geschehen im OFF oder Hintergrund, den Rest erledigt der Kopf des Zuschauers, zwar sind auch ein paar Szenen der härteren Gangart zu sehen, doch die beschränken sich zumeist auf das Finale im Film, wovon ehe die meisten nicht das erwartet hätten was sie zu sehen bekommen.

Der Wechsel der möglichen Hintermänner und Opfer wurde abwechslungsreich inszeniert, und somit dem Thrilleranteil sehr hoch zugesprochen. Das Land Spanien hatte schon in den 90er Jahren Filme produziert die mit Hollywoodstreifen locker mithalten können, doch erst ab dem Jahr 2000 wurde diesem Land mehr Aufmerksamkeit geschenkt, was ich persönlich sehr schade finde, denn dadurch ist TESIS in Vergessenheit geraten. Alle Darsteller agieren komplett nachvollziehbar und authentisch, nur ein paar Klischees und Logikfehler schlichen sich ins Drehbuch, die aber dem Unterhaltungswert keinesfalls mindern, das Aussehen von Chema dem Horrorfreak wurde das Klischee der langen Haare und ungepflegt sein zugeteilt, nun dies mag vielleicht auf ein paar Nerds zutreffen, aber der Hauptteil dieser Genrefans sieht doch normal aus, mich mit eingeschlossen!

Desweiteren die Logik, hier wäre es im Film wohl besser gewesen wenn man die Polizei etwas früher eingeschaltet hätte, dies hätte dem Streifen noch mehr Realität zugesprochen. Die Darsteller von Angela und Chema harmonieren zusammen sehr, auch wenn zwei verschiedene Schichten aufeinander treffen, so vermitteln sie das es auch Freundschaft über den Schichten hinaus geben kann, irgendwann sitzen wir alle in demselben Boot. Für deren Rollen wurden Fele Martinez als Chema und Ana Torrent als Angela gecastet, die beide in anderen Produktionen auch ihre Rollen bekamen, doch die meisten Werke wo sie zu sehen waren, sind in Deutschland nicht erhältlich.

Wenn man TESIS mit 8MM vergleicht, so muss ich TESIS eindeutig mehr Spannung und Atmosphäre zuteilen, hier wurde mehr auf das Thema eingegangen und ein Thriller daraus entwickelt, wobei 8MM nicht übel ist, aber doch sehr oberflächlich und flach gehalten wurde, dies ist halt ein Film für die Masse, und die Filmemacher machen das was die Masse sehen will, so wie auch bei Snuff Filmen, wird in beiden Filmen ausreichend erklärt und dem Zuschauer näher gebracht.

Den Streifen TESIS gibt es in Deutschland auf VHS und DVD und hat eine Freigabe von 18 bekommen und ist komplett ungeschnitten, dadurch das auf Darstellung von expliziter Gewalt verzichtet wurde, ist dieser Film nicht auf den Index gelangt, was ihm wahrscheinlich sonst widerfahren wäre. Horror und Thriller in einem Film, noch dazu mit einem realem Thema, klasse Spannung und Atmosphäre, wer jetzt neugierig geworden ist, sollte sich diesen Streifen besorgen und anschauen, auch wenn man das Ende nach dem Schauen kennen mag, so ist dies ein Film den man sich sicher mehr als nur einmal anschaut.

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