Überleben! (1993)

Eine wahre Geschichte: Im Oktober 1972 fliegt eine Rugby-Manschaft aus Uruguay zu einem Spiel nach Chile. Auf dem Flug dorthin verschlechtert sich über den Anden plötzlich die Sicht. Das Flugzeug streift einen Berg und stürzt ab. Es gibt nur wenige Überlebende und die Hoffnung auf Rettung erlischt bereits nach einigen Tagen. Für die letzten Überlebenden beginnt nun ein Kampf gegen die Kälte und den Hunger. Die Überlebenden geraten in einen schweren Gewissenskonflikt: Sollen sie, um ihren Hunger zu stillen und zu überleben, die Toten essen?

 

Es gibt zahlreiche Filme die „angeblich“ auf wahren Ereignissen beruhen, bei vielen ist es einfach nur eine Promotionmasche um noch mehr Menschen auf den Film aufmerksam zu machen, doch was ist mit denen wo es Dokumente, Aufzeichnungen und Zeitzeugen gibt? Die gehen meist unter und denen werden oft weniger Beachtung geschenkt, so auch in diesem Fall. „ÜBERLEBEN“ aus dem Jahr 1993, es handelt sich zwar um ein Remake von dem gleichnamigen Film von 1976, aber Regisseur Frank Marschall schaffte es damit auf die große Leinwand und konnte somit mit seinem Werk noch mehr Menschen auf dieses Ereignis der Vergangenheit aufmerksam machen.

Es handelt sich um ein Abenteuer, jedoch mit einem Hauch Drama und einer dokumentarischen Erzählstruktur, die ihr Hauptaugenmerk auf die wesentlichen Dinge beschränkt und unnötige Spielereien außer Acht lässt. Marschall kann aber noch mit weiteren Werken aus seiner Filmlaufbahn die Massen begeistern, zwar dürften nun viele sagen – MAINSTREAMKINO, aber bei ÜBERLEBEN ist dies eine besondere Ausnahme. Zu seinen weiteren Werken zählen Filme wie „ARACHNOPHOBIA“ von 1990, nichts für Menschen mit einer Spinnenphobie, „CONGO“ von 1994, eine Expedition zu einer Affenrasse die der Mensch so noch nicht erlebt hat und 2005 entstand ein weiterer Film der auf wahren Ereignissen beruht „ANTARTICA – GEFANGEN IM EIS“ mit dem mittlerweile verstorbenen Paul Walker in der Hauptrolle.

ÜBERLEBEN lässt den Zuschauer nicht viel Zeit um gleich im vollen Geschehen dabei zu sein, nur eine kurze Einleitung und leichte Vorstellung der einzelnen Charaktere findet statt, und schon ist die Katastrophe präsent, das Flugzeug stürzt ab und lässt den Zuschauer mit den Überlebenden in den Anden alleine. Hier wurde bewusst auf Charakterzeichnung geachtet, die einzelnen Rollen werden Stück für Stück dem Zuschauer erläutert und näher gebracht, die Effekte der Bruchlandung sind dezent und nicht sehr aufwendig inszeniert worden, dies muss auch nicht sein, denn es handelt sich um ein Abenteuer – Drama Mix und nicht um einen reinen Katastrophenstreifen.

Dem Zuschauer widerfährt, wie die Protagonisten selbst, die Strapazen und Qualen, das Leid und die Gedanken des Aufgebens in so einer missligen Lage und sie sind mehr als nachvollziehbar und authentisch auf die Leinwand gebracht worden. Wer möchte nun schon gerne mit den Rollen tauschen? ÜBERLEBEN bietet eine Kühlheit und doch sehr starke Tiefe der Rollen, der Spannungsaufbau vermittelt einen hohen Unterhaltungswert, denn „fast“ jeder möchte nun wissen, wie die Menschen es geschafft haben sich aus dieser Lage zu befreien, oder besser gesagt diese zu ÜBERLEBEN. Zwar gibt es ein paar Längen, und Wiederholungen, besonders die Szenen in denen gebetet wird, sind recht häufig präsent, doch man sollte bedenken das die „wahren“ ÜBERLEBENDEN streng katholisch erzogen waren, dies ist auch auf ihr Heimatland zurückzuführen, und somit gehört dies zur realistischen Darbietung der einzelnen Charaktere. Wie weit geht ein Mensch wenn er am Ende seiner Kraft und vor allem Nerven ist, auch wenn der Hunger die Macht über ihn genommen hat, diese Frage oder besser gesagt eine passende Antwort liefert der Film dem Zuschauer auf eine nicht sonderlich angenehme Art und Weise, in kritischen Situationen ist der Mensch zu allem fähig, auch wenn er seine Freunde und fremde Menschen verspeisen muss, um nicht selbst dort als Toter zu enden, der Überlebenswille des Menschen beherbergt viele Möglichkeiten und Einfallsreichtum, um gewisse Situationen zu meistern, doch wenn dieser Wille gebrochen ist, geht er förmlich den Bach runter.

Dieses brisante und unterhaltsame Abenteuer, was kameratechnisch wie eine Dokumentation aufgebaut wurde, was keinesfalls schlecht für diese Story ist, gibt es in Deutschland auf VHS und DVD und hat eine Freigabe von 12 bekommen, die Laufzeit von 121 Min. klingt recht lang, doch diese Zeit vergeht wie im Fluge, und es kommt nur wenig Langeweile und Durststrecken auf, hier ist Frank Marschall ein wirklich beeindruckendes Werk gelungen.

Ich selbst habe diesen Film damals im Kino gesehen und kann mich noch genau dran erinnern, wie voll es im Saal war, viele wollten diese Geschichte miterleben, doch ich denke das die meisten ihn schon nach kurzer Zeit wieder vergessen haben und nicht viele Gedanken an der Geschichte und die Hintergründe verschwendet haben, er ist wie viele andere in Vergessenheit geraten, was hinsichtlich der Ereignisse sehr schade und traurig ist, für mich bleibt ÜBERLEBEN ein unvergessliches Filmereignis.

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