Verborgenes Feuer (1997)

Anfang des neunzehnten Jahrhunderts: Elisabeth Laurier (Sophie Marceau), eine junge Frau aus der Schweiz, opfert sich für ihren Vater, der wegen Schulden im Gefängnis sitzt, um das nötige Geld zu beschaffen, indem sie sich einem englischen Aristokraten (Stephen Dillane) hingibt, und dessen Identität sie auch nicht erfahren soll, um für ihn ein Kind auszutragen. Drei Nächte verbringen die beiden miteinander, und es entsteht nach anfänglicher – und verständlicher – Abneigung und Distanz, so etwas wie Nähe und Leidenschaft. Doch die beiden halten sich an die Abmachungen und trennen sich wieder. Wie nicht anders zu erwarten, ändert sich die Einstellung von Elisabeth natürlich nach der Geburt ihrer Tochter, welche ihr wegen der Vereinbarung sofort weggenommen wird. Dieses Ereignis bringt sie dazu, nach ihrem Kind zu suchen, welches sie nach sieben Jahren wiederfindet. Als sie Louisa (Dominique Belcourt), so der Name des Mädchens, und den dazugehörigen Vater endlich findet, lässt sie sich – in Abwesenheit des Hausherrn – als Gouvernante ihrer eigenen Tochter einstellen. Als dieser davon erfährt, beginnen die Schwierigkeiten, denn wie sich herausstellt, umgibt den vermeintlichen Adoptivvater ein trauriges Familienereignis…

Ich hoffe, dass diese bescheidene Inhaltsangabe reicht, um auf den Geschmack zu kommen. Und wer meint, das klingt alles sehr kitschig, dem sage ich, ja, es stimmt. Der Film ist trotzdem gut, auch wenn der deutsche Titel dem Originaltitel “Firelight” nicht sonderlich gerecht wird, denn “Verborgenes Feuer” klingt ein wenig nach Rosamunde Pilcher. ^^ Und dennoch: die Darsteller sind überzeugend, es gibt eine fantastische Filmmusik und schöne Aufnahmen.

Sophie Marceau als Gouvernante aus der Schweiz – in der deutschen Synchronisation mit einem leichten französischem Akzent versehen – ist einfach Weltkasse. Die männliche Hauptrolle ist mit Stephen Dillane ebenfalls höchst ordentlich besetzt. Die Atmosphäre, die hier geschaffen wird, ist einzigartig. Regisseur William Nicholson weist Kameramann Nic Morris offensichtlich an, wann immer es möglich ist, Gemälde zu zeichnen, an denen Kunstkenner ganz bestimmt ihre helle Freude haben können. Diese Gemälde werden aber nicht nur durch das Bild gezeichnet, sondern auch durch die traumhafte und geniale Musik von Chrisopher Gunning. Sie trägt erheblich dazu bei, dass aus Verborgenes Feuer ein Gesamtkunstwerk wird, wie es kaum ein zweites gibt. Dabei ist die Story nicht unbedingt außergewöhnlich. Diese wird recht angenehm und wortkarg erzählt, ohne irgendwelche Ablenkungen. Der Film nimmt sich Zeit, so dass der Zuschauer die Möglichkeit hat, mitzudenken und die Geschichte mitzuerleben. Es wird nichts künstlich erklärt, alles spricht für sich. Man kann sich auf die Gesichter konzentrieren, auf die Gesten, auf die Bewegungen – auf das Feuer in den Personen.

Trotzdem hat auch dieser Filmen einen kleinen Schwachpunkt: Was bei nur 100 Minuten Spielzeit manchmal auf der Strecke bleibt, sind logische Übergänge in der Handlung. Hat Elisabeth sieben Jahre nach ihrer Tochter gesucht oder ist sie durch Zufall ihre Gouvernante geworden? Das wird leider nicht ergründet, und zum Schluss hin wird der Handlungsbogen sehr eilig aufgelöst. Trotz alledem: wer Kostüme, englische Landschaftaufnahmen und Liebesgeschichten mag, wird voll auf seine Kosten kommen.

 Die beiden Hauptdarsteller harmonieren gut, Stephen Dillane ist vielleicht auf den ersten Blick nicht das, was man sich unter einem leidenschaftlichen Liebhaber vorstellt. Der Eindruck verflüchtigt sich aber im laufe des Films, und die „unvermeidlichen“ Liebesszenen sind äußerst geschmackvoll. Auch Sophie Marceau überzeugt sowohl als junge zweiundzwanzigjährige und als neunundzwanzigjährige Frau. Als der Film entstand, war sie 31 Jahre alt.

Der Höhepunkt des Films ist aber die Konfrontationen zwischen Tochter und Mutter / Gouvernante. Sie sorgt für die größte Spannung. Hier überzeugt die junge Darstellerin Dominique Belcourt. Mit ihrer Darbietung als wortkarges, aber dennoch aufmüpfiges Mädchen, das jahrelang ohne Mutter auskommen musste, spielt sie die beiden Hauptdarsteller regelrecht an die Wand. Leider habe ich nicht herausfinden können, wie alt sie beim Dreh des Films war, noch, was sie heute macht, denn sie hat nur noch in zwei weiteren Filmproduktionen aus dem gleichen Jahr mitgespielt. Zu sehen war sie noch in „Jane Eyre“ (1997) und „The Mill on the Floss“ (1997). Tatsache ist, dass gerade sie der Grund war, mir diesen Film ein zweites Mal anzusehen, diesmal natürlich im Originalton, wie es sich gehört. 😉

Verborgenes Feuer gibt es als VHS und DVD. Im Fernsehen sieht man ihn leider sehr selten.

 

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