You are not alone (Du er ikke alene) (1978)

Der zwölfjährige Kim (Peter Bjerg) lebt mit seinen Eltern auf dem Gelände einer Fortbildungsschule. Die Siebzigerjahre neigen sich gerade dem Ende zu und Kims Vater (Ove Spogøe) führt als Rektor die Schule mit strenger und konservativer Hand. Anstatt die Zeit mit gleichaltrigen Jungs und Schulkollegen zu verbringen, ist Kim lieber mit den Jungs aus der Fortbildungsschule unterwegs. Die sind alle bereits älter und haben die aufregenderen Dinge im Sinn. Mädchen, Sex und Alkohol und der tägliche Kampf gegen eine verfeindete Dorfclique – alles unendlich spannend für den Jungen. Besonders der fünfzehnjährige Bo (Anders Agensø) wird zu einem guten Freund. Gemeinsam erleben sie spannende Dinge, und im Gegensatz zu seiner Familie fühlt sich Kim in der Gegenwart von Bo frei und glücklich…

Gleichzeitig soll der Schüler Ole (Ole Meyer) von Kims Vater der Schule verwiesen werden, weil er einen Raum mit Pornobilder voll gekleistert hat, woraufhin einige Mitschüler unter der Vorherrschaft des politisch engagierten Aske (Aske Jacoby) spontan eine kleine, aber wirkungsvolle Rebellion gegen die Erwachsenen und ihre strengen Regeln starten, die so überhaupt nicht auf die Bedürfnisse von Jugendlichen Rücksicht nimmt. In einer Vertrauenslehrerin finden sie die notwendige Unterstützung, um ihren Protest wirksam auszuführen. Aske überzeugt die anderen, dass es wichtig ist, gemeinsam um eine Sache zu kämpfen, da man allein nur wenig Chancen hat, etwas zu bewegen…

Eigentlich möchte ich hier nicht haarklein beschrieben, um was es in diesem Film geht und all das. Ich möchte mit meiner kleinen Rezension auf diesen Film hinweisen und euch Lesern da draußen mitteilen, dass es diesen Film gibt und das man ihn sich ansehen sollte, wenn man ihn noch nicht kennt. Alles andere würde dazu führen, diesen Film zu verderben. Und das möchte ich nicht. Geht hin und schaut You are not alone aus dem Jahr 1978. Ihr sollt diesen Film „entdecken“. Denn genauso war es bei mir. Ich wusste nichts von diesen Film, bis im letzten Jahr das Label CMV-Laservision auf seiner Facebook-Seite damit geworden hat, dass You are not alone zum ersten Mal mit einer deutschen Synchronisation veröffentlicht wird. Und da ich einen speziellen Tick habe, was skandinavische Filme betrifft, war für mich sofort klar, dass ich mir den zulegen werde, ganz egal, um was für eine Art Film es sich handelt. Kenn’ ich nicht, will ich aber unbedingt kennen lernen, das war der erste Gedanke. Punkt.

Regisseur Lasse Nielsen gelingt es in seinen kleinen Film mit minimalen Gesten und einfachen Dialogen große Wirkung zu erzielen. Seine jungen und unverbrauchten Akteure sind herrlich unverkrampft und absolut cool, und das, obwohl sie keine Filmerfahrung hatten. Dennoch schaffen sie es mit ihrer Darstellung absolut glaubwürdig und authentisch zu sein, obwohl die Geschichte, die in You are not alone erzählt wird, gar nicht so einfach ist, als man glauben mag. Es geht um Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Solidarität und Liebe. Quasi all das, was das Menschsein ausmacht. You are not alone sieht an manchen Stellen aus wie ein Dokumentarfilm, weil die Kamera immer nah am Geschehen ist, und ja, manchmal hatte ich das Gefühlt, dass einige Situationen improvisiert waren. Und das ist es auch, was den Film so besonders macht in meinen Augen.

Wenn man diesen Film besser vermarktet hätte, dann hätte man ihn hierzulande bestimmt in die Archive der Landesbildstellen aufgenommen, um ihn an Schulen zu zeigen, aber so, wie es aussieht, war dieser Film bis 2007 in Deutschland vollkommen unbekannt. SCHADE! Vielleicht war er auch einfach nur zu freizügig fürs deutsche Publikum; zumindest zur damaligen Zeit.

Ein kleiner negativer Punkt ist ein bestimmtes Musik-Thema, was immer wieder erklingt, wenn Kim und Bo gemeinsame Szenen haben. Dieses Gitarren-Riff hört man für meinen Geschmack zu oft zu kurz hintereinander, sodass man den Eindruck hat, es gäbe nur dieses eine Musikstück für den gesamten Film.

Als Rektor sehen wir in You are not alone den dänischen Schauspieler Ove Spogøe, der hierzulande als Egon aus den Olsen-Bande-Filmen bekannt ist. Und ja, trotz dieser komödiantischen Filme, schafft er es in seiner Rolle als autoritäre Person glaubwürdig zu sein. Ove Spogøe verstarb leider 2004 mit 84 Jahren. In über 150 Filmen und 12 Serien hat er mitgespielt.

Die beiden eigentlichen Hauptdarsteller Peter Bjerg und Anders Agensø haben in keinen weiteren Film mehr mitgespielt und führen heute ein bürgerliches Leben. Peter Bjerg (Kim) hat bis Ende 1989 als Modell für einige größere Agenturen gearbeitet. Heute wohnt er in Kopenhagen und arbeitet im sozialen Bereich, gibt u.a. Seminare. Anders Agensø (Bo) arbeitet als Fahrradmechaniker in Kopenhagen, er war unter anderem auch 3 Jahre in El Salvador an einem sozialen Projekt beteiligt. Er hat 2 Kinder.


Aske Jacoby (Aske) ist ein sehr bekannter dänischer Studiomusiker geworden. Hier sein Künstler-Profil auf Facebook:

https://www.facebook.com/AskeJacobyMusic?ref=profile

You are not alone gibt es als DVD und BluRay von CMV-Laservision und ist ab 12 Jahren freigegeben. 2007 wurde er zum ersten Mal auf DVD im Originalton mit deutschen Untertiteln veröffentlicht. 2014 wurde You are not alone ein weiteres Mal veröffentlicht, diesmal auch auf BluRay, zusätzlich mit einer deutschen Tonspur, die für dieses Release extra angefertigt wurde. Auch wenn ich ein Verfechter des Originaltons bin, muss man erwähnen, dass diese aktuelle Synchronisation recht gelungen ist; vermischen sich die Stimmen der deutschen Sprecher doch recht gut mit den Originalgeräuschen aus dem Film, sodass man den Eindruck hat, es handelt sich tatsächlich um eine „klassische“ TV-Synchronisation aus den Siebzigerjahren. Auch was die Wortwahl betrifft, haben die Verantwortlichen der deutschen Fassung gute Arbeit geleistet.