Kritik: Zoning (1986)

Zwei ehemalige Bauarbeiter bei einem Hochhausprojekt machen sich nach ihrer Entlassung und Fertigstellung des Gebäudes ihre Kenntnisse über die räumliche Aufteilung dieser Gebäudefestung zunutze und suchen Schutz in Zwischenräumen und Luftschächten, von wo aus sie Raubzüge ins Innere des Gebäudes organisieren. Doch schon bald reagiert der Organismus des Gebäudes und Inspektoren sind bemüht, die Eindringlinge aufzuspüren, die nach einigen erfolgreichen Raubzügen langsam unvorsichtig werden.

 

 

ZONING ist ein deutscher Thriller vom Regisseur Ulrich Krenkel, dies war und ist auch sein einzigster Film, er wurde 1986 gedreht. Der Titel des Films hat auch eine Bedeutung die sich dahinter verbirgt. In vielen Hochhäusern gibt es Ecken und Räume, meist auch nur kleine Nischen, die von den Überwachungssystemen schlecht oder gar nicht überwacht werden können, diese Zonen nennt man Umgangssprachlich ZONING. Diese Zonen kommen durch Planungsfehler oder nachträgliche Veränderungen in den Bauplänen zustande, und sind in fast jedem Hochhaus vorzufinden.

Das so einen Schwachpunkt sich auch mal Gauner und Ganoven zu Nutze machen, wird hier filmisch aufgegriffen und ganz interessant dargestellt. Hier erlebt der Zuschauer wie sich Verbrecher durch Gänge, Lüftungsschächte Zugang zum fremden Eigentum verschaffen. Durch eine Art Katz und Mausspiel mit dem Sicherheitsdienst des Hauses, vor allem durch Manipulation der Kameras entsteht eine gewisse Spannung. Der Zuschauer erlebt beide Seiten zum Gleichen Teil, man begleitet die Diebesbande auf ihren Raubzügen und wird auch Begleiter des Sicherheitsdienstes die alles daran setzen den Ganoven das Handwerk zu legen. Doch eine interessante Idee / Konzept bringt noch keinen hohen Unterhaltungswert, das Tempo sofern welches vorhanden ist, denn zumeist geht es sehr ruhig und gelassen zu Werke, wird oft durch viele und lange Dialoge arg gebremst, und mindert den Spannungsaufbau doch sehr.

Der moderne Wolkenkratzer vermittelt ein beklemmendes Gefühl, von Überwachung und Kontrolle, der Mensch ist ein Kontrollfreak. Doch der Sprung zu einem Klassiker ist daneben gegangen. Wenn man sich die Kameraführung so genauer anschaut, so fallen einem doch viele Schwachpunkte auf, auch die Schnitttechnik des Films lässt etwas zu wünschen übrig und lenkt den Zuschauer vom eigentlichen Geschehen ab. Ein wenig mehr Feingefühl für gewisse Details und auch mal andere Einstellungen mit der Kamera austesten, hätten dem Film sicher gut getan und würden ihn in einem anderen Licht dastehen lassen. Wenn man schon bei dem Thema Licht ist, so kann man sagen, das sich der Hauptteil des Films im dunklen abspielt, lange Hausgänge, der Kontrollraum des Sicherheitsdienstes oder auch die engen und stickigen Lüftungsschächte des Hauses, dieses Spiel mit dem wenigen Licht verstärkt das Gefühl der Beklemmenheit sehr.

Schauspielerisch gesehen gibt es hier nur wenig zu sagen, alle Darsteller liefern ganz brauchbare Resultate ab, aber das Zeug für eine Toopbesetzung sucht man hier leider vergebens, fast alle Darsteller sind eher unbekannt und haben nur wenige weitere Rollen nach ZONING gehabt. Ein dickes Plus geht an den Soundtrack des Films, er stammt von der Band TANGERINE DREAM und versüsst uns den Filmgenuss mit wohlklingenden Synthesizerklängen, auch wenn manche Melodien sich etwas zu sehr häufen, so wirken sie kaum Penetrant und unterstützen den Film bei den richtigen Stellen und Handlungssträngen. Wer allerdings mit solchen teilweise sensiblen Klänger sich eher unwohl fühlt, sollte den Ton abschalten.

ZONING ist ganz interessant, aber zu einem hohen Wiedersehenswert fehlt es doch an vielen Ecken und Kanten. Es gibt den Film auch schon für wenig Geld bei vielen Warenhäusern zu bekommen, auch wird dieser Film gelegentlich im Free TV ausgestrahlt. Netter Versuch, aber Regisseur Krenkler hätte in der Schauspielschule etwas besser aufpassen sollen, dann hätte es vielleicht auch mit einem Geheimtipp gereicht!

 

Drehort des Films, die die in der Öffentlichkeit und im Eingangsbereich des Wolkenkratzers spielen, war das Illinois State Centre in Chicago.  Das Gebäude wurde 1985, kurz vor Beginn der Dreharbeiten, eröffnet, und ist kein Wolkenkratzer, die anderen Aufnahmen entstanden im Studio in München.