Christine (1983)

Ihre üppigen Rundungen provozieren begehrliche Blicke. Ihre knallrote Farbe signalisiert Sex. Sie hört auf den Namen Christine – und sie hat den Teufel im Chassis. Sie gehorcht nur dem, den sie in ihr kaltes Blechherz geschlossen hat. Und wehe denen, die sich ihr in den Weg stellen. Arnie, kurzsichtig und verklemmt, liebt nur seinen 58er Plymouth Fury – seine Christine – und sie macht aus ihm einen arroganten Schnösel. Eine Kette unerklärlicher Todesfälle ruft bald die Polizei auf den Plan. Doch erst Dennis und Leigh erkennen, daß Christine hinter allem steckt. Werden sie Christine zur Strecke bringen oder ist Christine schneller?

 

Arnie hat es nicht leicht. Zwar hat er einen anerkannten und beliebten Football-Kollegen in der Highschool, aber ansonsten ist er ein ziemlicher Loser. Seine Eltern halten den nerdigen Brillenträger an der kurzen Leine und bei den Mädels hat er auch keine Schnitte. Das ändert sich schlagartig, als Arnie sich im wahrsten Sinne des Wortes in einen alten abgewrackten Plymouth verliebt, der in einem verranzten Vorgarten vor sich hingammelt. Nachdem er 250 Dollar in seine neue “Flamme” investiert hat und die Karre lecker aufpimpt, beginnt eine merkwürdige und todbringende Beziehung zu der Blechperle.

Klipp und klar: Manchmal ist ein Film wie ein guter Wein: er muss reifen. Als ich ihn in den 80ern das erste mal sichtete, war ich nicht sehr angetan von dem Horror-Drama. Das Hauptproblem, so glaube ich, war, dass man seiner Zeit von einer King-Vorlage stets den puren Horror erwartet hat. Dies ist hier nicht der Fall. Losgelöst von dieser Erwartungshaltung glaube ich jedoch mittlerweile sein Potenzial erkannt zu haben, denn Carpenter liefert letzten Endes, unter Einbeziehung aller Fakten, eine der besten King-Adaptionen ab.
Es geht um Werte, Freundschaft, Liebe, Rebellion, Pubertät und gute Musik. Eine Erklärung für das merkwürdige und eifersüchtige “Verhalten” von CHRISTINE wird nicht geliefert. Alleine das bietet schon interessanten Diskussionsstoff. So etwas mag ich. In wunderbaren Bildern (jenseits aller Wackelkameras) lässt Carpenter seine Hauptdarstellerin auf ihre Feinde los & die Mischung aus 50er-Jahre Rock ‘n’ Roll und pulsierend minimalistischem Carpenter-Sound legt sich wie eine stimmungsvolle Decke über dieses kleine Meisterwerk. Keith Gordon (obwohl ich nicht wirklich einen perfekten emotionalen Draht zu seiner Rolle aufbauen konnte) und Harry Dean Stanton wissen weitestgehend solide zu überzeugen, die restlichen Charaktere sind austauschbar. Wäre man hier noch ein wenig mehr in die Tiefe gegangen, es wäre ein perfekter Film geworden. Abgesehen davon, ist die deutsche Synchro volle Kanne verkackt.
Was mir jedoch wirklich wieder mal bewusst geworden ist: Carpenter ist ein unfassbar guter Regisseur. Seine Filme wirken stets wie eine audiovisuelle Komposition.
Und, meine Fresse, was für eine geile Karre!