Lautlos im Weltraum (1972)

Inhalt:

Der Astronaut und Botaniker Freeman Lowell (Bruce Dern) befindet sich zusammen mit drei weiteren Kollegen und drei Robotern in naher Zukunft auf einen großen Raumschiff in der Nähe des Saturns.  An Bord dieses Frachters (und weiterer) befinden sich die letzten Pflanzen der Erde. Sie sollen dort kultiviert und gepflegt werden. Denn durch die Zerstörung der Erde wächst dort nichts mehr. Eines Tages bekommt die Crew den Auftrag mittels nuklearer Sprengköpfe alles zu vernichten und zur Erde zurückzukehren, da man die Raumfrachter für kommerzielle Zwecke gebrauchen möchte. Lowell rebelliert gegen den Befehl und stellt sich auch gegen seine Kollegen…….

Filmisches Feedback:

Auf „Schleichfahrt“ (`Silent Running´) ins Verderben

Die 70er Jahre. Wie ich sie (der geneigte Leser weiß es ja bereits) liebe. Hier wurde viel Neues gezeigt, Erzählstrukturen gebrochen, technische Neuigkeiten ausprobiert und inhaltliche Intentionen dem breiten Publikum vermittelt. Hier hatten Filme noch eine Art Botschaft. Sie wollten etwas sagen, wollten die Menschen nicht nur emotional berühren, sondern auch Themen dem Zuschauer näherbringen, um etwas zu bewegen. Es muss nicht immer weltverändernd sein, aber wenn, dann bitte so wie in diesem Film.

Douglas Trumbulls Regiedebüt ist einzigartig. Rein technisch gibt es absolut nichts auszusetzen an diesem Werk, bei dem viele Freunde von Trumbull mitwirkten (da das Budget knapp war). So John Dykstra, der spätere Oscarpreisträger (für STAR WARS, 1977 und SPIDERMAN 2, 2004 + Technikoscar) oder Richard Yurircich (UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART, 1977). Die Endsequenz sollte eigentlich für den SF-Film 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) verwendet werden, aber die Technik war noch nicht soweit (obwohl der Kubrick-Klassiker nur 4 Jahre vorher entstand). Trumbull, der ja auch für 2001 verantwortlich war, zeigt hier das Weltall und alles rundherum in technischer Brillanz. Modelle, Matte Painting, Animatronics und vieles mehr kommt hier effektiv zum einsazu un d wird gut in Szene gesetzt. Dabei geht es Trumbull nicht nur darum, zu zeigen was technisch geht. Er verpackt diese Technik auch in einer intelligenten Geschichte.

Es geht hier nicht nur um das menschliche Überleben und das stille Nachdenken über den Sinn des Daseins (gewisse Ähnlichkeiten mit dem 2013 erschienenen GRAVITY diesbezüglich gibt es, aber auf anderer Ebene). Sondern vor allem um die Zerstörung der Umwelt zugunsten der kapitalistischen Ausbeutung. Die letzten Pflanzen der Erde sind im Weltall. Und sollen zerstört werden, weil man die Raumschiffe zu kommerziellen Zwecken benötigt. Eine Grundproblematik, die das eigentliche Dilemma der Menschheit nicht aufdringlich, sondern spirituell intensiv bearbeitet: Ist es wert Leben zu zerstören um Leben zu erhalten? Dabei wird hier nicht nur menschliches Leben gemeint. Es geht hier um das Leben im Allgemeinen.

Auch das der Flora und Fauna. Sind wir eins mit der Natur oder sind wir Auswüchse der Natur, die zerstört werden müssen damit die Natur überlebt? Und ist künstliches Leben sogar fähiger unser Überleben zu sichern (siehe letzte Sequenz im Film)? Dies alles und viel mehr verpackt Trumbull in einem fast meditativ anmutenden Film, der so unglaublich ruhig daherkommt, aber umso intensiver wirkt. Eben weil er nicht aufdringlich ist. Er verpackt seine Message in gezielt eingesetzten Bildern ohne belehrend zu wirken. Der Zuschauer soll selbst entscheiden was er sieht.

 

Dass Joan Baez zwei Lieder zum Soundtrack extra zusteuerte macht nochmals deutlich wie wichtig dieser Film in der Zeit war. Bruce Dern spielt den innerlich verzweifelten Raumfahrer wunderbar melancholisch. Dass die drei Roboter so heißen wie die original Donald Duck-Neffen ist ebenfalls eine kleine humoristische Anspielung auf den Kapitalismus.
Wer intelligente 70er Jahre Unterhaltung mit einer wichtigen ökologischen Botschaft sehen möchte ist hier sehr gut aufgehoben.