Leserreview von Olli Versum: Quiet Earth – Das letzte Experiment (1985)

Am Morgen des 5. Juli in der Nähe von Auckland, Neuseeland, verändern sich plötzlich die Farben der Sonne und des Himmels – wenige Sekunden später ist alles wieder normal. Zac Hobson (Bruno Lawrence) ist ein Wissenschaftler, der am internationalen Projekt „Flashlight“ mitarbeitet; ein ambitioniertes Experiment, das zum Ziel hat, ein Energienetz um die Erde zu legen, das überall angezapft werden kann. Verwirrt wacht er in seinem Schlafzimmer auf und bemerkt, dass sein Radio keine Sendungen empfängt. Er fährt in die Stadt und findet heraus, das alle Menschen verschwunden sind. Er entdeckt ein brennendes Flugzeugwrack, in dem jedoch keine Opfer zu finden sind, nur leere Sitze mit geschlossenen Sicherheitsgurten. An seinem Arbeitsplatz, einem unterirdischen Labor, versucht er mit anderen Stationen des Projekts „Flashlight“ Kontakt aufzunehmen, diese antworten jedoch weder telefonisch, noch über das Computernetzwerk. Protokollen entnimmt er, dass die Operation „Flashlight“ wie geplant stattgefunden hat, aber mit verheerenden Folgen fehlgeschlagen ist. Er ist davon überzeugt, der einzige Überlebende zu sein. Nach mehreren Tagen erfolgloser Suche nach Menschen beginnt sich sein geistiger Zustand immer mehr zu verschlechtern. Er zieht sich ein Frauennachthemd an und hält von einem Balkon aus eine Rede an Pappkameraden verschiedener berühmter Persönlichkeiten, in der er sich selbst zum „Präsidenten dieser stillen Erde“ ernennt. Er wandert ziellos umher. Auf der Suche nach Gott zerschießt er in einer Kirche das Kruzifix mit einer Schrotflinte. Er hält sich selbst für Gott. In seiner Hoffnungslosigkeit steckt er sich schließlich den Gewehrlauf in den Mund, drückt dann aber doch nicht ab, sondern beschließt, das Beste aus seinem Leben als letzter Mensch auf Erden zu machen. Als er sich in einer Villa am Meer eingerichtet hat und seine Lebensfreude zurückkehrt, überrascht ihn dort die junge Joanne (Alison Routledge), die zuerst zu seiner Freundin und dann zu seiner Geliebten wird. Gemeinsam beschließen sie, weiter nach Überlebenden zu suchen und finden so den Maori Api (Pete Smith). Gemeinsam finden die drei heraus, dass sie sich alle zum Zeitpunkt des Effekts an der Grenze zum Tod befunden haben: Api wurde in einem Kampf von einem Mann ertränkt, Joanne bekam einen elektrischen Schlag und Zac nahm eine Überdosis Tabletten, um sich das Leben zu nehmen. Er hatte erhebliche Bedenken bezüglich der Sicherheit des Experiments und fühlte sich schuldig, weil er sie für sich behielt. Während sich eine Dreiecksbeziehung entwickelt, macht Zac sich große Sorgen über die weiteren Folgen des Experiments: Er misst Veränderungen fundamentaler Naturkonstanten; die Elektronenladung oszilliert, was katastrophale Auswirkungen auf das ganze Universum hat. Zac befürchtet, dass sich der Effekt wiederholt und beschließt, die „Flashlight“-Anlage zu zerstören…

Endlich allein auf der Welt! Alle Menschen – einfach so weg. All die Arschlöcher, mit denen man sich immer so abgeben muss, sind fort! Das ist der lang gehegte und gewünschte Traum des Autors dieser Rezension (also mir ^^). Aber leider ist es eben nur ein Traum, bzw. ein Film. Und ihm ist auch bewusst, dass so was sehr wahrscheinlich niemals stattfinden wird. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diesen Film so toll finde. Okay, man muss auch Abstriche machen bei so einer Situation, sind doch sehr wahrscheinlich auch die Menschen, die man liebt und gern hat, ebenfalls verschwunden. Aber das sind bei mir sowieso nicht viele, und auf die paar kann ich bestimmt auch verzichten. Wie sagt man so schön? Aus den Augen, aus dem Sinn. ^^

Entdeckt habe ich Quiet Earth natürlich mal wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Und das ist eigentlich nicht verwunderlich, hatten wir damals, in der tiefsten Provinz, TV-Empfang nur über die Hausantenne und empfingen die damals üblichen 3 ½ Programme. Kabelanschluss gab es damals nur in Großstädten, und für Satellitenempfang benötigte man als Mieter das Einverständnis des Vermieters und der anderen Mieter, was wir aber nicht bekommen hätten, wenn wir denn danach gefragt hätten. ^^ Also blieb nur die Hausantenne, zumindest solange, bis auch bei uns der Kabelanschluss ein paar Jahre später einzog. Nun gut. Wo war ich? Ach ja: Der Film Quiet Earth lief so Ende der achtziger Jahre im ZDF, mitten in der Woche im Nachtprogramm. Damals war ich noch jung und unverbraucht und ging noch zur Schule. Aber irgendwie ist es mir  gelungen, diesen Film anzusehen, und ich mochte ihn sofort, erfüllt er doch die oben aufgeführten Fantasien, die ich schon damals hatte. Leider hatte ich keine Gelegenheit gehabt, ihn auf das damals übliche Heimmedium VHS aufzeichnen zu lassen und Wiederholungen waren damals noch rar im deutschen Fernsehen – zumindest was teuer eingekaufte Filme betrifft. Aber irgendwann lief er mal wieder im ZDF, und da nutzte ich die Gelegenheit und konservierte ihn auf VHS. Und diese Aufnahme blieb auch so lange, bis bei mir filmtechnisch alles digital wurde. Quiet Earth gehört zu den Filmen, die man sich öfter ansehen kann, und es ist auch nicht verwunderlich, dass er sehr schnell nach deutscher Kinoveröffentlichung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen war, hat er doch einen sehr hohen künstlerischen Wert und ist für einen Science-Fiction-Film sehr anspruchsvoll.

Bei Quiet Earth zählt die Story, und nicht pompöse Spezialeffekte. Aber die gibt es natürlich auch,  nur etwas dezenter und sie sind an den entscheidenden Stellen gut ein- und umgesetzt. Ich halte Quiet Earth für einen gelungenen und runden Film und er fasziniert mich immer wieder auf’s Neue, auch wenn in der ersten Hälfte so gut wie gar nicht gesprochen wird. Man sieht Hauptdarsteller Bruno Lawrence durch die leeren Straßen irren, auf der Suche nach der Ursache und nach Überlebenden dieser Katastrophe, und dabei verliert er anscheinend immer mehr den Verstand – glaubt er doch am Ende sogar, dass die beiden Menschen, die er irgendwann findet, letztendlich ein Trugbild sind…

Quiet Earth basiert auf dem Roman „The quieth earth“ des neuseeländischen Schriftstellers Craig Harrison. Quiet Earth war seinerzeit der finanziell erfolgreichste Film aus Neuseeland und der fünfte Spielfilm des neuseeländischen Regisseurs Geoff Murphy, der auch später die zweifelhafte Ehre hatte, in Hollywood Filme drehen zu dürfen. In den Jahren in Hollywood entstanden unter seiner Regie unter anderem „Young Guns 2“, „Freejack“ und „Alarmstufe Rot 2“. Und all diese Filme sind in meinen Augen sehr, sehr mäßig. Seine letzte Regiearbeit war ein Fernsehfilm mit dem Titel „Allein gegen den Tod“  und entstand 2000. Seit dem hat er leider keinen Film mehr gemacht. Er war aber unter anderen auch der zweite Regisseur für die Herr der Ringe Trilogie von Peter Jackson.

Hauptdarsteller Bruno Lawrence war eigentlich Musiker und arbeitete insgesamt viermal mit Regisseur Geoff Murphy zusammen. Es entstanden vor Quiet Earth noch die Filme „Wildman“ (1977), Mach’s gut, Pork Pie“ (1981) und „Utu“ (1983). Alle Filme entstanden in Neuseeland. Leider starb Bruno Lawrence viel zu früh im Juni 1995 im Alter von 54 Jahren an Lungenkrebs.

Quiet Earth – Das letzte Experiment gibt es als VHS, DVD und BluRay, und wenn an Glück hat, entdeckt man ihn mal wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. In den letzten Jahren lief er aber nur auf kleineren Privatsendern (Tele 5 und so ^^).  Eine kurze Bewertung der BluRay erlaube ich mir an dieser Stelle (das ist auch die einzige digitale Auswertung, die ich von Quiet Earth kenne): Was das Bild betrifft, ist es ausreichend, es ist klar und kontrastreich, der Film wurde aber auf 25 Bilder pro Sekunde abgetastet und nicht, wie im HD-Bereich bei Kinofilmen üblich, auf 24 Bilder pro Sekunde. Ist mir persönlich aber egal, kannte ich den Film bis dahin doch eh nur als PAL-Speedup-Dingsbums-Version, wo 25 Bilder pro Sekunde normal sind. ^^ NUR (!): Der Filmtransfer hat wohl nicht so einwandfrei geklappt, ist der Bildstand doch an manchen Stellen sehr verheerend, sodass man manchmal das Gefühlt hat, man guckt statt einer BluRay eigentlich eine 16mm Version des Films, die gerade durch einen altersschwachen Filmprojektor läuft. Anscheinend hatte der Filmstreifen an einigen Stellen Perforationsschäden. Da sollten sich die Herrschaften bei Atlas mal nach einer besseren Kopie umsehen! 🙂

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