Lionel Stander – Der politisch-verfolgte Butler

Lionel Stander – Geboren am  11.01.1908 in Bronx, New York City, New York, USA; Gestorben am 30.11.1994 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Lionel Stander in “Spiel mir das Lied vom Tod”

Lionel Jay Standers Leben ist selbst ein Riesen-Biopic wert. Der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer war das älteste von drei Kindern.  Laut seinen Aussagen war sein erster Auftritt im Stummfilm „Man of Steel“ von 1926 (obwohl er nie gelistet wurde im Abspann). Nach der Schule ging er zur University of North Carolina in  Chapel Hill. Bereits mit 19 Jahren stand er auf der Theaterbühne und wollte Schauspieler werden. Dank seiner tiefen sonoren Stimme arbeitet er zu der Zeit auch viel fürs Radio. Seine Stimme setzte er auch für den Zeichentrickbereich ein. So sprach er einige Rollen in der Zeichentrickserie „Wood Woodpecker“. 1932 ging er nach New York zurück und begann Kurzfilme zu drehen. 3 Jahre später ging er nach Hollywood. 1936 spielte er im Klassiker „Mr. Deeds geht in die Stadt“ neben Gary Cooper. In den 1930 – 1950er Jahren spielte er in fast 50 Filmen mit

Stander engagierte sich schon vor seiner Schauspielkarrire im politischen Metier. Als er eine Rede des Drehbuchautoren John Howard Lawsons hörte, war er beeindruckt. Lawsons war Kulturkommissar der kommunistischen Partei in Hollywood. Und diese inspirierte ihn anscheinend. Als er im Film „No Time to Marry“ mitwirkte pfiff er die „Internationale“. Diese Szene blieb im Film, da Hollywood noch nicht so politisch war. Von 1936 bis 1939 war er Mitglied der „Popular Front“, eine Vereinigung der linken sozialen Bewegung. Stander unterstützte den Kampf gegen die Beeinflussung der Mafia in Filmen (Conference of Studio Unions in its fight against the Mob-influenced International Alliance of Theatrical Stage Employees (IATSE)) und wurde deswegen von Ivan F. Cox im Jahre 1937 neben Schauspieler Frederic March, Humphrey Bogart oder Regisseur William Dieterle angeklagt. Die Anklage lautete schon damals, dass diese Herrschaften den Kommunismus ins Land bringen. 1938 nannte der Chef von Columbia Pictures Harry Cohn, Stander einen „roten Hurensohn“ und drohte jeden Studio mit einer Strafe von 100.000 US-Dollar, wenn er in einen Film mitwirkte. Dies hatte zur Folge, dass Stander in sehr wenigen Filmen tatsächlich mitspielte (zwischen 1944 -45 zum Beispiel in gar keinen). Die meisten waren unabhängige Studios und keine großen. Stander stellte sich offen gegen die Reaktionen in Amerika gegen Andersdenkende und kämpfte gegen den Faschismus in Europa. Er sah daran einen Angriff auf die Demokratie. 1939 kam der „Hitler-Stalin-Pakt“ und brachte kommunistisch Denkende in Bedrängnis. Viele traten aus der Kommunistischen Partei aus. Die die blieben wurden zu Stalinisten ernannt.

Es wurde das „Komitee gegen unamerikanische Aktivitäten“ vom texanischen Abgeordneten Martin Dies jr.  Gegründet. Kurz danach wurden viele Schaffende der Hollywoodindustrie angehört. Basierend auf Unterlagen, die ein Spion innerhalb der kommunistischen Partei weitergab, wurden viele Schauspieler (nicht nur die) angehört. So auch neben James Cagney oder Bogart Lionel Stander. Die Beklagten hatten die Möglichkeit sich dem Kommunismus, bzw. den Beschuldigten Kommunismus, abzuwenden und sich zu rehabilitieren, wenn sie kooperieren und Menschen verraten. Stander wurde als einziger nicht vom Verdacht des Kommunismus freigesprochen und seine Produktionsfirma entließ ihn. Ihm bleib es erspart (nicht so wie der oben genannte John Howard Lawsons) in die Liste der „Zehn von Hollywood“ zu gehören, die zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Obwohl er angeblich vom Regisseur Melvyn Douglas verraten wurde. Aber er machte weiter. Er galt als Anführer der progressiven Fraktion in Hollywood, im Gegensatz zu der konservativen Fraktion, dessen Anführer kein geringerer als der damalige Schauspieler Ronald Reagan war. Die konservativen waren in der Mehrheit, sodass Stander immer weniger Unterstützung bekam. Viele Kontroversen führten dazu, dass Stander 1950 auf die „schwarze Liste“ kam. In etwa gleichzusetzen mit einen Berufsverbot. Bis 1965 stand er darauf. Dies hatte Folgen. Er arbeitete nunmehr als Broker an der Wall Street, als reisender Theaterschauspieler oder als Sprecher von Firmen.

Lionel Stander als Max in “Hart aber herzlich”

Er kehrte zum großen Teil Amerika den Rücken und drehte vornehmlich in Europa. Hauptsächlich Spaghetti-Western und Erotikfilme. Sein größter Film hier war der Sergio Leone western „Spiel mir das Lied vom Tod“. In Rom traf er Robert Wagner, der ihn für einen gastauftritt in einer Serie engagierte. Der Kontakt brach nie ab. So bekam Stander die Rolle die ihn am meisten bekannt machte: als Max in der TV-Serie „hart aber herzlich“ spielte er sich von 1979 bis 1984 in die Herzen der Zuschauer und bekam 1983 einen Golden Globe hierfür. Auch trat er in Filmen auf wie „1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood“, „Cassandra Crossing“ oder „New York New York“.

Er war eines der Gründungsmitglieder der SAG, der Screen Actors Guild of America.

Stander war von 1932 bis 1972 sechs Mal verheiratet. Bis auf die letzte Ehe wurden alle geschieden. Insgesamt hatte er sechs Kinder.  Er starb am 30. 11. 1994 an Lungenkrebs und wurde in Glendale beigesetzt.

Stander war eines der Gesichter, die man vorzugsweise aus den fernsehen kennt und schätzt. Das aber solch ein Mann nicht nur in Klassikern mitwirkte, sondern auch ein bewegtes Leben hatte, ist weniger bekannt.

Möge er in Frieden ruhen und möge es nie wieder solche Verfolgung geben.