Luzie, der Schrecken der Straße

 

Nachdem Luzie die Ferien bei ihrem Opa verbracht hat, langweilt sie sich nun schrecklich allein zu Hause. Es sind nur noch wenige Tage bis zu ihrem ersten Schultag, aber niemand hat Zeit für sie. Ihre Eltern müssen arbeiten und ihre besten Freundinnen sind verreist. So kommt es, dass der Nachbarsjunge Oswald auf Luzie aufpassen soll. Luzie wäre so gern Mitglied in seiner gefürchteten Bande, aber dazu muss sie eine Mutprobe bestehen: Sie soll im Kaufhaus etwas stehlen. Zu ihrem großen Entsetzen wird Luzie erwischt, doch die Packung Knete, die sie genommen hat, ist plötzlich verschwunden. Das liegt daran, dass es keine normale Knete ist: Friedrich & Friedrich, die beiden Knetmännchen, können jede beliebige Form annehmen und sind meistens sehr hungrig. Die beiden vertreiben mit ihren verrückten Ideen Luzies Einsamkeit und sorgen für jede Menge Aufregung und Spaß. Leider geht dabei auch das eine oder andere zu Bruch. Aber wer wird sich schon beschweren, wenn sich die eigene Wohnung in die sieben Weltmeere oder – mitten im Sommer – in eine tolle Eisbahn verwandelt? Auch Oswald lässt Luzie mit Hilfe von Friedrich & Friedrich ganz schön alt aussehen…

Ganz ehrlich? Nachdem ich in einem dreistündigen 16mm-Film-und-DVD-Marathon die Serie Luzie, der Schrecken der Straße nach gefühlten hundert Jahren wiedergesehen habe, fühlte ich mich irgendwie … naja … melancholisch. Begründen kann und will ich das nicht. Vielleicht fühlte ich mich auch einfach nur alt (naja, das bin ich ja auch). 🙁 Tatsache ist, dass ich diese Serie seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe, und das ist eine verdammt lange Zeit. Der Grund, warum es nun hier bei Retro-Film.info eine kleine Rezension zu Luzie, der Schrecken der Straße von mir gibt, ist der, dass ich die ersten drei Folgen als 16mm Film-Anfertigung bei ebay entdeckt und ersteigert habe. Die restlichen drei Folgen sah ich auf DVD, die ich mir nach dem Kauf der 16mm Filme zugelegt habe. 🙂

Trotz vieler Albernheiten, die man in Luzie, der Schrecken der Straße sieht, kann man sagen, dass diese Serie immer noch funktioniert. Sicherlich ist man geneigt zu sagen, dass einige Szenen in Luzie, der Schrecken der Straße zu arg konstruiert wirken, aber das hat sicherlich damit was zu tun, dass man in all den Jahren sehr viele andere Serien und Filme gesehen hat und nicht drumherum kommt, Vergleiche zu ziehen. Hätte man besser machen können, dachte ich mir bei machen Szenen, wirkten sie doch an manchen Stellen etwas dilettantisch in meinen Augen. Aber hey! Luzie, der Schrecken der Straße ist schließlich auch für Kinder im Vorschulalter gedacht, und da sollte man so was nicht zu kritisch sehen.

Die tschechische Kinderserie Luzie, der Schrecken der Straße entstand 1979 in Köln (!) und in den Filmstudios Barrandov in Prag. Die Filmstudios Barrandov sind eines der größten und ältesten Filmstudios Europas. Zur damaligen Zeit war die Tschechoslowakei eine sozialistische Republik. Ende 1992 zerfiel das Land in die eigenständigen Republiken Tschechien und Slowakei. Gedreht wurde Luzie, der Schrecken der Straße auf tschechisch. Die Idee zu Luzie, der Schrecken der Straße lieferte der tschechische Autor Ota Hofman, der auch Pan Tau erfand. Zusammen mit Regisseur Jindřich Polák entstanden später noch die Sciencefiction-Serie „Die Besucher“ und „Die Tintenfische aus dem zweiten Stock“, worin wieder Knetfiguren die Hauptattraktion sind. Mitproduziert wurde Luzie, der Schrecken der Straße unter anderem auch vom WDR, dessen damaliger Chefredakteur für das Kinderprogramm Gert Kaspar Müntefering ein paar kleine Auftritte im Fernsehen hat, und das sind wohl auch die einzigen Szenen, die tatsächlich auf deutsch gedreht wurden. 🙂

Die „Heldin“ Luzie wird von der damals erst siebenjährigen Žaneta Fuchsová äußerst lebhaft und herrlich verspielt verkörpert. In den Achtzigerjahren sah man sie noch in diversen anderen tschechischen Kinderserien, zum Beispiel auch in „Der fliegende Ferdinand“ von 1983. Heute ist sie Regieassistentin und inzwischen zum zweiten mal verheiratet. Ihr jetziger Name ist Žaneta Tomášková.

Luzie, der Schrecken der Straße besteht aus insgesamt sechs Folgen und es gibt diese Serie schon seit einigen Jahren auf DVD. Leider hat man es versäumt, den Originalton auf die DVD draufzupacken und deutsche Untertitel dafür zu schreiben. Eigentlich ein Grund für mich, diese DVD zu meiden, weil ich nun mal ein Freund des Originaltons bin, auch wenn ich die Sprache nicht verstehe. Aber weil ich nun die ersten drei Folgen von Luzie, der Schrecken der Straße, wie schon bereits erwähnt, auf 16mm Film ersteigern konnte, hab ich mir die DVD letztendlich doch zugelegt. Ich selbst habe diese Serie in den letzten Jahren nicht im TV erblicken können, da ich auch nicht danach gesucht habe, aber es ist sehr gut möglich, dass sie mit aller Regelmäßigkeit im KIKA zu sehen ist, und diesen Kanal schau ich so gut wie gar nicht, warum auch immer…

Schreibe einen Kommentar