Manche mögen´s heiß (1959)

Inhalt:

In Chicago des Jahres 1929 beobachten die beiden Jazzmusiker Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon) wie eine Gruppe Gangster eine andere Gruppe erschießt. Sie verstecken sich zwar, werden aber entdeckt und fliehen. Dabei kommen sie auf die Idee, sich als Musikerinnen auszugeben. Hierbei heuern sie bei einer Frauenkapelle an. Und die Verwirrungen nehmen ihren Lauf. Joe verliebt sich in Sugar (Marylin Monroe) und Jerry wird vom Millionäre Osgood (Joe E. Brown) angemacht.

Filmisches Feedback:

Ein ganz Wilder Cocktail…

….der übertreibenden Zutaten. Dieser Film ist nicht nur die Mutter der US-amerikanischen Travestie und Verwechslungskomödien (Regisseur Billy Wilder hat extra einen Travestiekünstler aus Berlin einfliegen lassen) sondern auch die inszenatorische Basis sämtlicher folgender Komödien. Auch wenn Wilder den Humor und die Komödie nicht neu erfunden hat, so hat er doch eins ganz bewusst und gezielt geschafft mit diesen Film: er hat dem prüden, konservativen, verlogenen US-Bürger geschickt bewusst unterbewusst in seine moralischen Schranken gewiesen.

Wie er das gemacht hat ist Hauptbestandteil dieses Films und das macht die große Wichtigkeit dieses Werkes aus. Filme müssen, wenn sie die Jahre überdauern wollen, dem Menschen etwas mitteilen. Und das schaffen sie durch Emotionalisierung. Wilder erreicht das durch den Humor. Und durch seinen speziellen Humor schafft er es ein Werk zu schaffen, welches in seiner unterschwelligen Botschaft gekonnt den zynischen Finger auf die Wunde der Prüderie legt. Zur Entstehungszeit gab es den sogenannten „Hays-Code“. Zur genauen Bestimmung hier folgende interessante Links:

www.filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=198

www.historymatters.gmu.edu/d/5099/

www.wikipedia.org/wiki/Hays_Code

Dieser war einer der meines Erachtens nach schlimmsten Eingriffe in die Kunst und dem menschlichen Empfinden überhaupt. Anscheinend sah das Wilder ebenso. Zu einer Zeit, wo die Doppelmoral enorm hoch war (selbstredend auch heute noch) umging Wilder dies sehr geschickt. Er zeigte die Monroe in knallengen Klamotten von hinten, im heißem Dampf stehen, Männer hauen Männer auf den Hintern, die Ausschnitte der Kleider von der Monroe waren von so unglaublicher Tiefe, dass man was ins Dekolleté fällt, die Gewalt ist brutal, die Parodien auf totalitäre Führer (Mussolini-Parodie) sitzen, selbst Bi- und Homosexualität kommen hier drin vor. Man nehme nur das ausschweifende Loblied von Jack Lemmon an Osgood nach dem nächtlichen Tanzen. All das und noch viel mehr umgeht Wilder hier indem er der Doppelmoral und der falschen Ethik durch Humor einen Strich durch die Rechnung macht.

Dieser Film ist der Beweis, dass humoristische Filme etwas verändern können. Sei es in der Filmdramaturgie, im Leben der Zuschauer, in der Politik oder in der Neuschaffung von Inszenierungen. Denn auch das tat Wilder hier. Durch neue Techniken verwirrte und faszinierte er zugleich das Publikum. Und zwar so sehr, dass es die Herren von den Moralikern nicht erfassten, dass Wilder sich über sie lustig machte. Auch wenn nicht jeder Gag zündet (auch heute nicht) und auch wenn man manchmal den Anschein hat (wie gesagt aus heutiger Sicht) das die Nostalgie hier Bonuspunkte bekommen müsste, so lässt sich dennoch eins feststellen: Wilder schuf hier einen herrlichen, kritisch-humoristischen Film der zwar manchmal hakt aber dennoch zur Weltspitze gehört.