Matinée (1993)

Inhalt:

Sommer des Jahres 1962 in Florida. Die Bedrohung durch nukleare Bomben ist allgegenwärtig. Die beiden Jungen Gene und Dennis leben auf einer US-Militärbasis. Ihr Vater ist auf einen U-Boot der US-Navy. Die beiden sind große Filmnarren. Umso mehr freuen sie sich, dass Produzent Lawrence Woolsey die Premiere seines Films „Mant!“ bei ihnen in der Nähe abhalten wird. Woolseys Plan: Er nutzt die Angst der Amerikaner vor dem Atomkrieg um seinen Film zu promoten.

Filmisches Feedback:

Ein vergessener Joe Dante

Joe Dante war (und ist immer noch) ein Genreregisseur, der in seinen Filmen allerlei Zutaten verschiedener, ihm liebgewordener Genres vereint. Er liebt die guten alten 50er – 60er Jahre Grusel- und Horrorfilme und zeigt dies auch. Immer wieder kommt das in den “Monster”-Filmen zum Vorschein die ihn bekannt gemacht haben. Sei es “Das Tier” (eine wunderbare Persiflage auf den Werwolfmythos), “Piranha” (wohl die beste unterschwellige Parodie zum Subgenre des Tierhorrorfilms und gleichzeitig eiskalter Horror) oder natürlich seine “Gremlins” (die ohne Umschweife und unverkennbar eine Mixtur sind aus Hommage an den Gruselfilms der 50er Jahre und modernen Horror). Immer wieder vermischt Dante popkulturelle Phänomene mit gut gemachten Horror und einer gehörigen Portion ganz eigenen Humors und gestaltet so erfrischend andere Grusel- Horrorfilme. “Die Reise ins Ich” ist eine eigenwillige Neuinterpretation von “Die phantastische Reise” und so gar kein Remake sondern eine erstklassige Neufassung.

Auch wenn es in den letzten Jahren ruhig um ihn geworden ist, er hat sich unsterblich gemacht, weil er seinem Genre stets Tribut sollt. Und eingefleischte Fans der Genres danken es ihn. Sein wirklich letzter guter großer Film war eine astreine Satire auf Militarismuswahn, Kommerz, Parodie auf Kriegsfilme und der letzte anarchistische Film des letzten Jahrtausends; “Small Soldiers”.


Dieser Film verbindet eben genau diese Elemente (die Hommage an die Filmvorführungen der 50er – 60er Jahre), dem Erlebnis “Kino” und der liebevollen geistigen Umarmung von “Monstern” (hier “Mant”). Nebenbei parodiert er auch das Kriegsgebahren in der Zeit. John Goodman ist der tragende Pfeiler der Geschichte und erlebt alles als wahnsinniger Filmexzentriker. Ich muss gestehen, dass ich damals ein Auge auf Lisa Jakub hatte. Schließlich fast dasselbe Alter und in “Mrs. Doubtfire” hatte sie mir auch gefallen. ein weiterer Pluspunkt.

Dante liebt die Zeit der 50er und 60er Jahre Horrorfilme. Das merkt man dem Film an jeder Ecke an. Allein die Tatsache, dass beim Film-im-Film „Mant! (Half Man – Half Ant!“) Schauspieler mitwirken, die ihre Spuren im Genrefilm der 50er & 60er Jahre hinterlassen haben. Kevin McCarthy (DIE DÄMONISCHEN), William Schallert (DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MISTER C) oder Robert Cornthwaite (DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT, KAMPF DER WELTEN) sind alle aus dieser Zeit nicht wegzudenken. Auch die Rollennamen zeigen hohen Respekt vor dieser Zeit. So ist Cathy Moriarty´s Name Ruth Corday benannt nach der Schauspielerin Mara Corday, die u.a. in TARANTULA oder ANGRIFF DER RIESENSPINNE mitspielte. Zudem ist die Rolle von John Goodman (Lawrence Woolsey) angelehnt an den Produzenten William Castle. Dieser produzierte solche geniale Filme wie ROSEMARYS BABY, SCHREI WENN DER TINGLER KOMMT, FEUERKÄFER oder DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL. Auch die im Film gezeigte Manipulation der Kinositze um dem Publikum das Fürchten zu lehren, ist ein Trick den Castle tatsächlich bei SCHREI WENN DER TINGLER KOMMT benutzt hatte (und das fliegende Skelett im Kinosaal ebenso). Auch der Name von Woolseys Produktionsfirma „Woolsey International Pictures“ ist eine Hommage an „American International Pictures“; gegründet von Roger Corman und Samuel Z. Arkoff (der ebenfalls hier im Film in der Person des Mr. Spector eine Hommage erfährt).
Ergo: Eine wunderbare Verneigung vor filmbessessenen Maniacs und Liebhabern des Genres.