Midnight Ride – Jagd auf den Highwaykiller (1990)

USA 1990
mit Michael Dudikoff, Mark Hamill, Savina Gersak, Robert Mitchum…
Drehbuch: Russell V. Manzatt, Bob Bralver
Regie: Bob Bralver
Länge: 93 Minuteb
FSK: ab 16 Jahren

Nach einem Streit trennt sich die junge Lara (Savina Gersak) von ihrem Ehemann, dem engagierten Polizisten Lawson (Michael Dudikoff). Auf ihrer Fahrt nach Irgendwo, nimmt sie einen netten Tramper (Mark Hamill) mit. Dieser entpuppt sich bald als eisaklter Serienmörder. Während Kelly eine alptraumhafte Odyssee durchleben muss, nimmt Lawson die Verfolgung auf. Kein schwieriges Unterfangen für ihn, denn der Killer hinterläßt auf seiner Flucht eine blutige Spur.

Ich kann es wirklich nur bedingt logisch erklären, warum ich gerade häufig Filme mit Michael Dudikoff schaue. Mich unterhalten einfach seine Auftritte in stumpfen aber immerhin charmanten B-Movies der 80er und 90er. Besonders gespannt war ich auf den, von mir bis Dato noch nicht gesehenen, Thriller „Midnight Ride – Jagd auf den Highwaykiller“ aus dem Jahr 1990, der noch unter der halbwegs lebendigen Schirmherrschaft von „Cannon-Films“ noch im Kino herausgebracht wurde. Im Fahrwasser vom Rutger Hauer-Hit „The Hitcher“ versucht sich Dudi hier als Held in einem ernsten Psycho-Thriller, was ihm zum Teil recht ordentlich gelingt.

„Steig nie bei einem Fremden ins Auto ein!“, pflegte meine Mutter immer zu sagen. Auch die passende Ergänzung „Nimm keine Fremden mit!“ wurde stets hinterher geschoben. Das Mütter auch manchmal recht haben, musste schon C. Thomas Howell in „Hitcher – Der Highwaykiller“ am eigenen Leib erfahren, als er Rutger Hauer in sein Auto einsteigen ließ. Genauso ergeht es Savina Gersak in „Midnight Ride“, als sie sich dazu hinreißen lässt, Mark Hamill eine Mitfahrgelegenheit zu gewähren. „Midnight Ride“ bedient sich dabei sehr auffällig an den Motiven des oben genannten Films, verlässt sich aber, zu meiner Freude, nicht auf das seelenlose Kopieren, sondern geht auch ganz eigene Wege, was dem Film sichtlich gut tut. Die Ausgangssituation: Lara (Gersak) verlässt ihren Ehemann, den Polizisten Lawson (Dudikoff) und geht mit dem Auto stiften. Kurze Zeit später sammelt sie einen Tramper (Mark Hamill) ein, der sich bald als gesuchter Serienkiller entpuppt. Aber natürlich hat der „American Fighter“ längst die Verfolgung aufgenommen. Ihr seht, das ist durchaus ein Set-Up, aus dem man einen spannenden Streifen schustern kann, wenn man nicht komplett einfallslos und inkompetent ist. Und tatsächlich gelingt es Regisseur Bob Bralver einen, über weite Strecken, guten Film abzuliefern. Durch die Tatsache, dass Lawson, warum nicht gleich „Justice“ oder „JustIn Case“, ständig eine relativ kurze Distanz zu seiner Frau und dem Killer besitzt, entsteht eine ganz gute Dynamik, die der Film recht lange aufrecht erhalten kann. Auch der Wechsel, in dem sich der Killer Justin dem verlassenen Ehemann widmet, kommt dem Film ganz gut zur Geltung. Lediglich nach der Hälfte verliert der Thriller an Fahrt, da sich das Geschehen immer wieder wiederholt und es an weiteren originellen Ideen fehlt. Auch die erläuterte Motivation für Justin hätte ich nicht gebraucht. Viel spannender wäre es gewesen, wenn seine Vergangenheit im Hintergrund geblieben wäre, eine Tatsachte, die auch „The Hitcher“ so fesselnd machte.

Zum Finale hin gewinnt „Midnight Ride“ wieder an Rasanz und der Endkampf, quasi „Luke Skywalker vs. „American Fighter“, ist hart, packend und rasant, obwohl ich immer noch rätsele, wo Mark Hamill auf einmal das Quad in dem Heizungskeller gefunden hat, aber egal. Man sollte auch erwähnen, dass es sich hier um keinen reinen Actionfilm handelt, sondern um einen Thriller, der sehr von Atmosphäre und Dialog lebt. Bob Bralver serviert uns zwar ab und an etwas für das Auge, jedoch beschränkt sich das auf etwas Blechschaden und zwei Explosionen, die nicht unbedingt der Rede wert sind. Die Handlung spielt sich in der Nacht ab, was zusätzlich Atmosphäre erzeugt und durch den Einsatz von Nebel, bekommt der Film einen leicht gruseligen und beklemmenden Touch. Bralvers Inszenierung ist dabei sehr solide, und das, obwohl man schnell sieht, dass das Budget relativ niedrig war. Die meisten Punkte gewinnt der Streifen aber durch Mark Hamill, der eine fantastische Performance als Psychopath abliefert. Durch sein braves Aussehen, wirkt es noch erschreckender, wenn der volle Wahnsinn aus seiner Figur herausbricht. Er ist der eigentliche Star des Films und meistert seinen Part mit Bravour, man könnte schon sagen, er lebt seine Figur. So wenig er auch abseits von „Star Wars“ gerissen hat, wenn man ihn spielen lässt, weiß Hamill zu gefallen. Anders sieht das bei unseren zwei weiteren Hauptfiguren aus. Savina Gersak dient lediglich als blondes Mädchen in der Not und gewinnt kaum Profil. Sie spielt zwar recht passabel, jedoch mehr als schreien und heulen ist hier nicht zu finden. Der Dudelkopf hingegen spielt, wie immer, den verbissenen Helden, der sich auch mit eingegipsten Bein und nach diversen Verletzungen immer noch nicht geschlagen gibt, um seine Frau zu retten. Dabei macht der Ex-Ninja seinen Job ganz ordentlich, reicht aber nie an Hamill heran. Der größte Reinfall allerdings ist sicherlich Robert Mitchum, dessen Rolle weder notwendig, noch in irgendeiner Form relevant ist. Zudem spielt Mitchum seinen Part relativ lustlos herunter und wirkt, wie als wäre er gar nicht richtig anwesend. Der Film startete 1990 in den Kinos, konnte aber kaum überzeugen und wurde schließlich ein Videothekenwerk. Ein Sujet auf das Dudikoff selbst unaufhaltsam zusteuerte.

„Midnight Ride“ ist ein unterhaltsamer, über weite Strecken spannender Thriller, der nicht nur als Plagiat von „The Hitcher“ daherkommt, sondern durchaus eigene Akzente setzen kann. Einige atmosphärische Szenen, sowie die sehr gute Darbietung von Mark Hamill heben den Film vom Videothekendurchschnitt etwas ab, auch wenn man das wenige Budget schnell erkennt. Auch wenn der Film nicht durchweg gelungen ist und er an manchen Stellen etwas an Rasanz verliert, ist diese „Cannon-Produktion“ doch recht empfehlenswert.