Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses (1988)

Mississippi 1964:  auf einer einsamen Landstraße im Jessup County werden drei Bürgerrechtler von Unbekannten geradezu hingerichtet. Da die Bürgerrechtsbewegung im vollen Gange ist, werden die zwei ungleichen FBI-Agenten Rubert Anderson und der jüngere Alan Ward zur Aufklärung des dreifachen Mordes in die Gegend geschickt und stellen fest, dass die Kleinstadt nicht besonders schockiert über die Vorfälle ist. Was auch kein Wunder ist, da Gesetzeshüter sowie andere Bürger Mitglieder im Ku-Klux-Klan sind und eine Mauer des Schweigens aufgebaut haben, was die Ermittlungen der beiden FBI-Agenten erschwert. Doch mit der Zeit finden sie Menschen, die der Bürgerrechtsbewegung, die auch im Jessup County nun zu Demonstrationen und Kundgebungen aufruft, wohlgesonnen sind und zur Aufklärung des Falles beitragen könnten. Doch der Ku-Klux-Klan versucht dieses mit Einschüchterungsversuchen zu verhindern…

Dramen, die das Thema Rassismus in den USA, gerade in den 1960ern aufgreifen, gehören schon seit einiger Zeit zu den Filmen, die das amerikanische Publikum fesseln und gleichermaßen empören, sind diese tabuisierten Themen eigentlich eher hinderlich für einen erfolgversprechenden Film. Doch Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses kann seine Kritik an Rassismus und Intoleranz in einem Gewand eines spannenden Thrillers verpacken, der zwar deutlich politische Position bezieht, aber dennoch auch zu unterhalten weiß. Alan Parke, der ein Jahr zuvor, 1987, mit dem Okkultthriller Angel Heart mit Mickey Rourke und Robert DeNiro einen Kinohit landete inszenierte dieses interessante Rassismusdrama mit Elementen eines Thrillers beziehungsweise eines Krimis, das  auf dem Drehbuch von  Chris Gerolmo basiert und schafft es bis Datum einen der wenigen Filme zu veröffentlichen, die versuchen auf nüchterne Ebene die Misstände der von Rassentrennung geprägten 1960er in den südlichen Gegenden der USA aufzuarbeiten und zu einem Erfolg wurden, obwohl das Kinopublikum sich mit der Thematik nur äußerst ungern auseinandersetze und es lieber totschwieg,

Die perfekte Besetzung für die zwei sich oft uneinigen FBI-Agenten, die von Gene Hackman (French Connection), Willem Dafoe (Strassen in Flammen)  gespielt werden, sind wohl genau das, was dem Film seine Einzigartigkeit verleiht und das Publikum begeisterte, Während Hackman den doch eher resignierten ehemaligen Südstaaten-Kleinstadt-Sheriff verkörpert, den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint und beinahe sogar Verständnis für den Rassismus in diesen ländlichen Gemeinden zu haben scheint, nimmt er diesen nicht wirklich ernst, überrascht Willem Dafoe als ehrgeiziger sich stets an seine heiligen Vorschrift haltenden Typen, der auf dem ersten Moment wie ein Weltverbesserer dasteht, aber im Laufe des Filmes genau wie sein Partner an dem Fall wächst und auch Denk- und Sichtweisen verändert.

Zudem kommen noch die schauspielerischen Leistungen von Frances McDormand (Promised Land von 2012), Brad Dourif (Einer flog über das Kuckucksnest, Grima Schlangenzunge aus Herr der Ringe 2+3), Gailard Sartain (Die Outsiders) und auch Michael Rooker (The Walking Dead) und Kevin Dunn (Transformers 1-3) die Mississippi Burning teilwiese als rassistische und gleichgültige aber auch als  mitfühlende Bürger zeigen und authentisch und glaubwürdig beschreiben, anstatt zum Beispiel die Mitglieder des Ku-Klux-Klans als diabolische Monster zu zeigen, sondern als Menschen, die einem überholten fehlgeleiteten Weltbild hinterher rennen, um ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit zu entkommen. Auch wenn es vielen schwer fällt zu glauben, Rassisten sind keine Unholde in schwarzen Umhängen und Reißzähnen, sondern Menschen, die oft auf Grund fehlenden Selbstwertgefühls sich mit rassistischen Ansichten und dem Beitritt in solche Organisationen wie dem Ku-Klux-Klan über andere stellen und auch nicht davon ablassen wollen, da dies ihre eigene Schwäche preisgeben würde. Aber ich bin kein Analytiker, sondern versuche nur die Charaktere in Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses zu beschreiben.

 Gleichzeitg wird in Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses recht interessant dargestellt, welchem Druck diese intoleranten Menschen ausgesetzt sind, da sie sich selbst auch nicht der Gefahr des Verrates und somit den nachfolgenden  Sanktionen seitens des Ku-Klux-Klans aussetzen wollen und somit in einem Kreislauf gefangen sind, der eine Änderung ihrer Sichtweisen gar nicht ernst zulässt. Sie sind gefangen in ihrer Meinung und wollen dies oft nicht zugeben und hoffen mit ihrer Sturheit und Bereitschaft zur Gewalt dieses zu verheimlichen.

 Dennoch liegt das Hauptaugenmerk in Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses nicht allein auf den Mitgliedern des Klans, sondern zeigt deutlich auch das nicht alle Kleinstädtler aus Rassisten bestehen und es auch immer Leute gibt, die anderes denken und befasst sich überwiegend mit den zwei FBI-Agenten, die während ihrer Bemühungen die Morde aufzuklären zusammen wachsen und auch oft einsehen müssen, dass alleine durch konventionelle Mittel solche Fälle nicht aufzuklären sind und dass man auch mal um etwas zu erreichen Vorschriften umgehen muss. Allerdings ist das alles hier meine persönliche Interpretation, die nicht unbedingt der Fakten entsprechen müssen.

Allan Parker drehte Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses in der Gegend um Mississippi und sein Film verschlang ein Budget von 15,000,000 US-Dollar. Dabei achtete der Regisseur viel mehr auf Authentizität und Glaubwürdigkeit, anstelle auf reißerische und spektakuläre Szenen zu setzen, auch erzählt er seine Geschichte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, versucht ein spezielles politisch orientiertes Publikum zu erreichen, sondern versucht trotz des heiklen Themas eine gewisse neutrale Sichtweise an den Tag zu leben, auch wenn das nicht unbedingt bei einem solchen Film funktioniert, wenn er nicht als pro-Rassismus-Film gelten soll, der ja ohnehin nicht wie Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses den Erfolg erzielte und mitunter mit einigen Oscars für Gene Hackman, Frances McDormand sowie für Alan Parker als bester Regisseur und für weitere Bereiche nominiert wurde, während er den Oscar in der Kategorie Best Cinematography gewann. Zudem konnten Filmcrew, Darsteller und der Film selbst etliche Filmpreise wie den Saturn Award, den Award der Political Film Society (PFS), den Golden Globe etc einheimsen und gehört heute noch zu den besten Filmen seines Genres.

Mir persönlich fällt es relativ schwer einen relativ politisch ambitionierten Film, der gleichzeitig aber noch ein Krimi und Thriller ist, aber auch versucht spannend und packend zu sein, sowie aber nicht als allzu links dazustehen und ein breites Publikum anzusprechen, zu beschreiben, da er vielseitiger und hintergründiger ist, als ich es in wenigen Sätzen zu beschreiben weiß.  Dennoch ist Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses nicht nur ein anspruchsvoller Film für Intellektuelle, sondern auch ein fesselnder Thriller, der nicht unbedingt allzu vorhersehbar ist, auch wenn man natürlich weiß, dass er im Zeichen der Toleranz steht und nur damit enden kann, dass die Mörder an den Bürgerrechtler zur Rechenschaft gezogen werden.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, kann dies nachholen, da es ihn auf VHS von RCA/Columbia und Orion und auf DVD von MGM und Columbia Tristar mit einer Altersfreigabe von ab 16 Jahren eigentlich überall zu erwerben gibt. Natürlich ist Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses ein politisch korrekter Film, der aber durchaus ungewöhnliche Wendungen nimmt und zu unterhalten weiß.

Wertung: 9,5/10 Punkten