Mit stählerner Faust (1990)

USA 1990
mit Jean-Claude van Damme, Robert Guillaume, Patrick Kilpatrick…
Drehbuch: David S. Goyer
Regie: Deran Sarafian
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Dank des kanadischen Polizisten Burke (Jean-Claude van Damme) sitzt der Serienkiller “Sandman” (Patrick Kilpatrick) endlich hinter Gittern. Jetzt wird der Cop, als Schwerverbrecher getarnt, in ein anderes Gefängnis eingeschleust, um eine Reihe von Häftlingsmorden aufzuklären. Ein Organhändlerring scheint auf Bestellung zu töten. Bevor jedoch Burke seine Untersuchung abschließen kann, erhält die Strafanstalt einen Neuzugang: den “Sandman” – damit ist der Polizist enttarnt und es kommt zum Kampf ums Überleben!

„Du musst ins Gefängnis! Gehe nicht über Los und ziehe keine 2000 Mark ein!“ Dieser alte Spruch aus dem Brettspiel „Monopoly“ ist auch gut auf den nun vorgestellten anwendbar, denn auch hier geht es ohne Umwege direkt in den Bau. Sehr zum Leidwesen von Jean-Claude van Damme, denn die „Muscles from Brussels“ erwartet dort kein friedfertiger Aufenthalt, sondern die absolute Hölle. Vielleicht ist es auch zum Leidwesen der Insassen, denn in „Mit stählerner Faust“ aus dem Jahr 1990 bekommen einige ordentlich auf die Zwölf. Und weil heute ja „Knasttag“ auf Retro-Film ist, passt das Ganze auch wie die Faust aufs Auge, oder wie der Fuß ins Gesicht.

„Mit stählerner Faust“, oder „Death Warrant“, wie er im Original heißt, markierte einen Wendepunkt in der Karriere unseres belgischen Spagat Künstlers Jean-Claude van Damme. Waren seine ersten Filme, wie „Karate Tiger“, „Kickboxer“ und natürlich „Bloodsport“, noch reine Martial-Arts Filme, so änderte sich der Stil ab Anfang der 90er. Massenkompatible und konventionelle Actionthriller war die Devise. In diese Kerbe haut „Death Warrant“ und zeigt van Damme als tougher Cop, der sich auf eine gefährliche Mission einlässt. Als Louis Burke, der gerade einen gefährlichen Killer dingfest gemacht hat, wird er in ein Gefängnis eingeschleust, um eine Reihe von Morden in den Reihen der Häftlinge aufzuklären. Natürlich wird er dabei in kein Otto-Normal Gefängnis eingebuchtet, sondern in den, augenscheinlich, schlimmsten Knast, den man sich vorstellen kann. Die Story folgt dabei auch den üblichen Klischees, denn die Häftlinge sind nicht gerade nett zu Jean-Claude, bis dieser sich mit ein paar Kicks erstmal Respekt verschafft. Nach und nach sammelt er Indizien, was hinter den Morden steckt. Ihr merkt schon, die Geschichte dieses ruppigen Knast-Actioners ist relativ simpel zusammengebaut und folgt den gängigen Konventionen, wie man sie in einem Dutzend ähnlich gelagerter Filme auch sehen kann, sei es der dreckige Knast, die sadistischen Wärter oder die eigenwilligen Charaktere der Insassen. Trotzdem ist sie relativ spannend erzählt, wenn man mal die Nebenstränge außer Acht lässt, die eigentlich ziemlich langweilig sind. So verkommen die Ermittlungen außerhalb zu reiner Laufzeitstraffung und haben mit einem Hackernerd, noch die absolut eklige Klischeefigur zu bieten („Mist, ich verpass‘ ja Star Trek!“). Das Drehbuch stammt übrigens von David S. Goyer, einem der überschätztesten Autoren in Hollywood. Mit 86 Minuten macht der Streifen aber nicht viele Umwege und ist, bis auf wenige Ausnahmen, auf dem Punkt.

Lediglich der Twist will nicht richtig zünden, da man ihn meilenweit kommen sieht.  Die Actionszenen sind kurz und knackig und wissen durchaus zu gefallen, sind gut inszeniert, werden aber, vor allem im Mittelteil, dann doch etwas spärlich eingesetzt. Dort versucht man sich eher auf die Handlung zu konzentrieren, obwohl dem Film hier und da eine Action-Szene mehr nicht geschadet hätte. Aber genau wie die Action, ist auch der Rest des Films sehr sauber inszeniert. „Death Warrant“ besitzt eine herrlich düstere und raue Atmosphäre. Egal ob Farbdramaturgie, Kamera oder Schnitt. Hier sitzt alles sehr gut und portraitiert das Gefängnis als die absolute Hölle, als der Abgrund der Menschheit, eben der Ort an dem die Gesellschaft das Schlimme in der Welt einsperrt. Gerade über diese Atmosphäre konnte der Film mich begeistern, umso mehr wirken die Szenen mit Cynthia Gibb als van Dammes Helferin deplatziert, da sie tonal nicht zum Rest passen. Regie führte Deran Sarafian, desses Vater Richard Sarafian 1975 „Vanishing Point“ inszenierte, einen meiner Lieblingsfilme. Der Sohn scheint auch beim Papa gelernt zu haben, denn auch er findet stimmungsvolle Bilder und hat gute Ideen, die das große Plus des Films sind. Schauspielerisch gibt es hier keine großen Glanzleistungen zu bestaunen. Der belgische Haudrauf-Haudegen Jean-Claude van Damme ist kein großer Schauspieler, wenn man mal „JCVD“ ausklammert, macht aber seine Sache recht ordentlich und hat nunmal die physische Präsenz, auf die es nunmal ankommt. Sehr blass bleibt seine Partnerin Cynthia Gibb, die gar nicht zum Rest des Films passt und deren Figurenentwicklung, falls man das so nennen kann, nachträglich ins Drehbuch geschrieben zu sein scheint. Patrick Kilpatrick hat als Serienkiller ein paar creepy Momente, während Robert Guillaume als Hawkins eine recht ordentliche Performance abgibt. „Mit stählerner Faust“ ist nicht unbedingt mein Lieblingsfilm mit van Damme aber ich bin doch froh ihn mal wieder gesehen zu haben, da er doch ein interessanter Film ist und so anders wie die restlichen Werke des Action-Stars.

„Mit stählerner Faust“ ist ein unterhaltsamer Knast-Actioner. Knackige Kampfszenen und eine stimmungsvolle Inszenierung, die wirklich Atmosphäre bietet, halten sich mit einem nicht so ganz ausgeklügelten und sehr konventionellen Drehbuch die Waagschale. Alles in allem ein gelungener Film, mit vielen guten Momenten. Für van Damme-Fans natürlich Pflichtprogramm, für alle anderen ein Film, den man durchaus schauen kann.

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