Mörderischer Tausch (1996)

USA 1996
mit Tom Berenger, Ernie Hudson, Marc Anthony, Diane Venora…
Drehbuch: Roy Frumkes, Rocco Simonelli, Alan Ormsby
Regie: Robert Mandel
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Der Söldner John Shale (Tom Berenger) besucht seine Jugendliebe Jane (Diane Venora), die in Miami als Lehrerin an einer Problem-High-School arbeitet. Kurz nach seiner Ankunft wird Jane beim Joggen von einem Schläger überfallen und am Knie verletzt, was auf das Konto einer Gang geht, die die High-School tyrannisiert. Kurzerhand springt John für sie, unter dem Namen Smith, als Aushilfslehrer ein. Schon bald kommt er der Gang auf die Schliche, die zudem mit Drogen handeln, und setzt Alles daran, den Verbechern das Handwerk zu legen. Die High-School wird zum Kriegsgebiet!

Lernunwillige Ghetto-Kids, gewalttätige und kriminelle Schüler und überforderte Pädagogen in Angst. Ein Aufenthalt an diversen amerikanischen Schulen, die in Problembezirken angesiedelt sind, kann da schon mal zur Herausforderung werden. Während andere Filme sich mit den Problemen feinfühlig auseinandersetzen und durch Empathie einen kitschigen Lösungsweg aufzeigen, zeichnet Robert Mandels „Mörderischer Tausch“ (1996) ein deutlich einfacheres Bild. Hier wird hart durchgegriffen, wenn Tom Berenger als Aushilfslehrer und Ex-Söldner eine High-School infiltriert, Schüler zum Lernen bekehrt und ganz Nebenbei noch einem Drogen-Ring den Gar ausmacht. Das ist klischeehaft und banal aber zugleich auch verdammt unterhaltsam!

1995 versuchte Michelle Pfeiffer als engagierte Lehrerin in „Dangerous Minds – Wilde Gedanken“, vom rechten Pfad abgekommenen Schülern eine Perspektive zu geben. Das Drama war gut gemeint aber dennoch sehr naiv und genau deshalb eher unglaubwürdig. Trotzdem war der Film ein Erfolg (den Track „Gangsta’s Paradise“ von Coolio haben wir doch alle noch im Ohr) und es dauerte nicht lange, bis in diesem Fahrwasser weitere Werke entstanden, um sich diesem Thema zu widmen. „Mörderischer Tausch“, im Original „The Substitute“, aus dem Jahr 1996 geht eine ganz andere Richtung. Weniger Pädagogik, weniger Drama, weniger Milieu-Studie. Hier werden andere Seiten aufgezogen, denn der B-Actioner positioniert sich direkt auf der anderen Seite und kommt als ebenso klischeebeladener, wie auch reißerischer Genre-Beitrag daher, der auf politisch korrekte Konventionen einen feuchten Haufen legt. Wir befinden uns im Film an einer High-School, wie sie schlimmer nicht sein könnte. Es ist dreckig, eine Security ist im Einsatz und die Schüler machen was sie wollen. Gewalt und Kriminalität sind an der Tagesordnung und eine Lehrerin spürt das am eigenen Leib, als sie sich etwas zu sehr engagiert und ihr daraufhin die Kniescheibe zerschmettert wird. Das war natürlich das Werk einer Gang, die die Schule fest im Griff hat. Gut nur, dass unsere Vollzeit-Pädagogin das Love-Interest von Tom Berenger ist und dieser nach einem verpatzen Einsatz gerade keinen Job als Söldner ausübt. Getarnt als Mr. Smith schleust er sich als Aushilfslehrer ein, um die Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen und entdeckt nebenbei noch etwas viel Größeres.

Man könnte den Film schon fast als Seitenhieb auf „Dangerous Minds“ verstehen, denn die engagierte Lehrerin bekommt nach kurzer Zeit ihr Fett weg und wird erstmal außer Gefecht gesetzt. Den Main-Part übernimmt dann Tom Berenger, der erstmal für Ruhe im Karton sorgt, indem er einem aggressiven Schüler die Hand bricht, was bei den Machern wohl als autoritäre Pädagogik gilt. Das Drehbuch folgt im Zuge dessen den üblichen Klischees, verzichtet aber dabei weitestgehend auf Kitsch und Romantisierung. Natürlich kommt irgendwann der Punkt, an dem Berengers Figur zu seinen Schülern durchdringt und einige für das Lernen begeistern kann aber das ist eher ein Nebenschauplatz. Die eigentliche Haupthandlung beschäftigt sich mit ruchlosen Machenschaften einiger Schüler, denn die dealen mit harten Drogen und benutzen die High-School als Lager, sowie Verteilungszentrum. Natürlich ist auch der Direktor in die ganze Sache federführend involviert und stellt somit den Antagonisten dar, was jetzt kein Spoiler ist, da dies schon nach kurzer Zeit dem Zuschauer präsentiert wird. Von dort an versteht sich der Film als raubeiniger Action-Thriller, der ein durchaus reaktionäres Bild zeichnet. Der Film ist ganz flott erzählt, wird nie langweilig und bietet einige unterhaltsame Szenen, jedoch betreibt er auch ziemliche Schwarz/Weiß-Malerei. Die Bösen sind so richtig böse und stellen natürlich ausschließlich ethnische Minderheiten dar. Alle sind entweder dunkelhäutig oder Latinos, ziemlich gemein und schrecken auch nicht davor zurück jemanden einfach über den Haufen zu schießen. Empathie hat hier keine Chance, weswegen ja auch Tom Berenger da ist, der den fiesen Drogis ordentlich den Arsch aufreißt und ein paar Schüler, die ihm etwas Böses wollen, auch mal kurzerhand aus dem Fenster wirft. Das ist extrem plakativ, vielleicht auch rassistisch, aber trotzdem irgendwie spaßig, was an dem nicht zu leugnenden B-Movie Charme liegt, der diesen Streifen durchzieht. Wenn sich dann zum Finale Söldner-Truppen ein dickes Gefecht liefern und die ganze Schule in Schutt und Asche legen, dann ist das zwar nicht mehr wirklich ernst zu nehmen aber dennoch unterhaltsam.

Am ehesten könnte man den Film mit „The Principal“ (1987) vergleichen, in dem James Belushi sich als Rektor einer Problemschule ebenfalls mit Gewalt und Kriminalität auseinandersetzen muss, wobei aber immer noch die moralische Komponente einen wichtigen Stellenwert hat. Diese wird in „Mörderischer Tausch“ eher stiefmütterlich behandelt, denn hier setzt man mehr auf Action und Crime-Elemente. Regisseur Rober Mandel, der noch für den 1986 erschienen Action-Thriller „F/X – Murder by Illusion“ verantwortlich war aber sonst nicht viel gerissen hat, inszeniert das Spektakel routiniert als gute Gebrauchsware, wie man es bei einem Film wie „Mörderischer Tausch“ auch erwartet. Die knapp zwei Stunden Laufzeit wurden gut gefüllt, jedoch hätten ein paar kleine Kürzungen gut getan, was vor allem an den Szenen zwischen Tom Berenger und Diane Venora liegt, die doch sehr hölzern daherkommen. Mal ehrlich, Tom Berenger ist eben nicht der richtige Schauspieler für romantische Dialoge und Liebesszenen. Ansonsten macht der „Platoon“-Star eine relativ gute Figur, auch wenn seine Kampfszenen etwas behäbig wirken. Jedoch verfügt Berenger über diesen stoischen Gesichtsausdruck, der hier ganz gut passt. Ansonsten hat der Film einige bekannte Gesichter zu bieten. Ex-„Ghostbuster“ Ernie Hudson darf hier als Rektor den Bösewicht geben, was durchaus unterhaltsam ist. Latino-Pop Sternchen Marc Anthony ist noch als fieser Gangleader zu sehen und erledigt dies erstaunlich gut. In kleinen Nebenrollen sind noch Raymond Cruz, Luis Guzmán und der aufgedrehte William Forsythe als Berengers Söldnerkumpels zu sehen, denen man durchaus etwas mehr zu tun hätte geben können. Denn die Jungs haben nicht viel Screen Time, weswegen ihr Schicksal nicht so wirklich zum Tragen kommt. Obwohl der Film gerade einmal 14 Millionen US-Dollar am Box-Office genrierte, erschienen drei Fortsetzungen, die allerdings sofort den Weg in die Videotheken fanden, ohne Tom Berenger aber dafür mit Treat Williams jeweils in der Hauptrolle. Mittlerweile ist „Mörderischer Tausch“ auch auf Blu-Ray über „NSM Records“ erhältlich, sowohl im Mediabook als auch in der Amaray.

Robert Mandels „Mörderischer Tausch“ (1996) ist ein rauer Action-Thriller, der sich als reaktionäres, wie auch einfach gestricktes Genre-Vehikel im Fahrwasser zu „Dangerous Minds“ (1995) versteht. Spaßbremsen werden wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, B-Movie Fans jedoch, werden an Kampfmaschine Berengers Feldzug gegen die Drogenkriminalität an einer High-School ihre Freude haben. Michelle Pfeiffer kann einpacken, denn so zeigt man Schülern, wer im Klassenraum der Boss ist!