Monster im Nachtexpress (1980)

Originaltitel: “Terror Train”
Kanada/USA 1980
mit Jamie Lee Curtis, Hart Bochner, Ben Johnson, David Copperfield…
Drehbuch: T.Y. Drake
Regie: Roger Spottiswoode
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Eine Gruppe von Medizinstudenten hat sich für die Abschlußfeier einen Zug gemietet, in dem es feuchtfröhlich hergeht. Doch nicht alle sind in Feierlaune: Unter ihnen geht ein Mörder um, der im Zug seine Opfer sucht und sich für eine Demütigung aus der Vergangenheit rächen will. Schon bald werden die ersten Leichen gefunden und während der Zug durch die Nacht rast,  versuchen Schaffner Carne (Ben Johnson) und die Studentin Alana (Jamie Lee Curtis) nicht nur ihre Mitreisenden zu schützen, sondern auch den Täter zu finden. Doch das gestaltet sich in einem Zug voller aufgedrehter und kostümierter Studenten als schwierige Aufgabe.

Wir hatten ja gerade erst Halloween, ein Tag an dem Horrorfilme Hochkonjunktur haben. Auch ich kam wieder auf den Geschmack und es landeten einige Filme des Genres im heimischen Player. Da darf natürlich auch ein handfester Slasher nicht fehlen. Meine Wahl fiel dabei auf den 1980 erschienenen „Terror Train“, hierzulande bekannt als „Monster im Nachtexpress“, den ich als durchaus spannend und unterhaltsam in Erinnerung hatte. Wie meine Meinung nach erneuter Sichtung ausfällt und ob der Film heute noch brauchbar ist, erfahrt ihr hier!

Die frühen 80er waren bekanntlich die Blütezeit des Slasherfilms. John Carpenters legendärer „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) gab die Blaupause für das Genre vor und inspirierte weitere Produktionen, die im Fahrwasser des Klassikers an den Start gingen. Mit Filmen wie „Prom Night“ (1980) und natürlich „Freitag der 13.“ (1980) entstand schließlich eine neue Welle an sehr ähnlich gestrickten Horrorfilmen. In diesem Dunstkreis bewegt sich auch der, ebenfalls 1980 entstandene, Slasher „Monster im Nachtexpress“. Die kanadisch-amerikanische Ko-Produktion ging mit vier Millionen Dollar in Produktion und bietet eine klassische Handlung. Eine Gruppe von Medizinstudenten spielt ihrem labilen Kommilitonen Kenny einen äußerst makabren Streich auf einer Silvesterparty. Der gebeutelte Kenny dreht durch und landet in der Klapse. Ein Jahr später wird der Abschluss der Studenten gefeiert, stilecht in einem gemieteten Zug, in dem eine große Party stattfinden soll. Den zurückliegenden Vorfall haben alle vergessen, lediglich die Studentin Alana hat noch immer ein schlechtes Gewissen. Während im Zug mit Band, Magier, Alkohol und Drogen hemmungslos die Sau raus gelassen wird, bemerkt keiner, dass sich ein ungebetener Gast an Bord geschlichen hat, der es auf die Verantwortlichen von damals abgesehen hat und ein Opfer nach dem Anderen fordert. Die Story bedient sich den üblichen Slasher-Klischees, wie man sie aus gefühlt hundert weiteren Streifen dieser Dekade kennt. Ein böses Ereignis in der Vergangenheit, Rache als Motiv, promiske Teenager und das übliche Final-Girl, welches im Finale gegen den Killer kämpfen muss. Aus heutiger Sicht wirkt das recht unspektakulär, jedoch war dieses Konzept im Jahr 1980 noch nicht so ausgelutscht wie es heute der Fall ist. So muss man die typischen Muster hinnehmen, um sich auf den Film einzulassen, was Fans von gutem altem 80er-Nervenkitzel weniger schwer fallen dürfte. Was den Film aufwertet ist sein stimmungsvolles Setting, denn er spielt die ganze Zeit über in einem fahrenden Zug. So bekommen wir eine recht klaustrophobische Atmosphäre geboten, die durch die dort stattfindende Kostümparty eine noch eine besondere Note bekommt. Überall wuseln Menschen in ausgefallenen Kostümen umher, Partybeleuchtung ist ständig zugegen und ein Magier sorgt noch für Illusionen und schicke Zaubereien. All das gibt dem Film etwas surreales, fast schon ausgeflipptes. Diese Elemente treiben die Spannung etwas nach oben, obwohl sie zu keiner Zeit an ein Meisterwerk wie „Halloween“ herankommt. Ein weiterer schöner Einfall, ist die Tatsache, dass sich der Killer immer wieder neu kostümiert, nämlich mit den Outfits seiner Opfer. Daraus resultieren einige spannende Momente, welche die absoluten Stärken des Films sind. Man kann verraten, dass es sich bei dem Mörder wirklich um den wahnsinnigen Kenny handelt, der sich für die Demütigungen seiner ehemaligen Kommilitonen rächen will. Allerdings ist die Auflösung, in der Kenny sich offenbart, ein ganz guter Twist, den ich bei der Erstsichtung nicht habe kommen sehen. So setzt der Film durchaus einige überraschende Akzente, bleibt aber im Kern ein typischer Genre-Vertreter.

Regisseur Roger Spottiswoode, dem später noch die Ehre zuteilwurde, den Brosnan-Bond „Der Morgen stirbt nie“ (1997) zu inszenieren (eine eher zweifelhafte Ehre), zeigt gutes Handwerk und erschafft einige stimmungsvolle Bilder, die den Film qualitativ deutlich steigen lassen, wenn man ihn mit späteren Slashern der 80er vergleicht. Einzig im Bereich Gore hält sich Spottiswoode zurück. Die Kills sind relativ zahm und man bekommt lediglich das Endergebnis präsentiert, welches aber nie hart anzusehen ist. Wer hier derbe Splatter-Spitzen erwartet, wird eher enttäuscht sein, jedoch funktioniert die Todesparty (der Film wurde hierzulande auch mal als „Todesparty 3“ vermarktet, obwohl die ersten beiden Teile Jahre später entstanden) auch ohne Gekröse recht gut. Zum Finale hin werden die Zügel ordentlich angezogen und der Zuschauer bekommt einen spannenden Showdown geboten. Wenn wir uns die Darstellerriege betrachten, kann der Streifen mit ein paar bekannten Gesichtern aufwarten, Allen voran Jamie Lee Curtis. Der Star aus „Halloween“ war zu dieser Zeit in einigen Horrorfilmen zu sehen (der Titel „Scream-Queen“ kommt nich von ungefähr) und liefert hier ebenfalls eine schöne Performance ab, auch wenn sie sich nicht aus dem Fenster lehnen muss. Ihr zur Seite steht Ben Johnson, der vor allem durch Western bekannt wurde und 1971 als bester Nebendarsteller für den Film „Die letzte Vorstellung“ mit dem Oscar ausgezeichnet. Johnson spielt den Schaffner und geht dabei routiniert zu Werke. In der weiteren Besetzung finden wir noch Hart Bochner, das koksende Ekelpaket aus „Stirb Langsam“ (1988), sowie die Sängerin Vanity. Ebenfalls bekommen wir Magier David Copperfield in seiner ersten Filmrolle zu sehen, der hier natürlich ebenfalls als Magier auftritt. Alle Darsteller agieren routiniert. Schauspielerische Glanzleistungen sucht man hier vergebens aber wer erwartet das schon bei einem Slasher aus den 80ern? Wer sich den Film gerne in die Sammlung holen möchte, wird dabei auf eine Import-Variante zurückgreifen müssen. In Deutschland gab es mal eine DVD-Auflage von „Gabu Film“, die den Film in der ungeschnittenen Fassung beinhaltet aber mittlerweile schwer zu bekommen ist. Ansonsten gibt es ihn in den USA auf Blu-Ray von „Shout! Factory“. Wer einen Code-Free Player sein Eigen nennen darf, wird hier bestens bedient, da auch hier mehrere Interviews als Bonusmaterial vorhanden sind. Eine Blu-Ray für den deutschen Markt wäre wünschenswert.

Roger Spottiswoodes „Monster im Nachtexpress“ (1980) ist ein handelsüblicher Slasher, der offenkundig im Fahrwasser von „Halloween“ (1978) entstanden ist und die bekannten Motive und Klischees genüsslich zelebriert. Zwar gibt es auch in Sachen Gore nicht viel zu sehen, jedoch punktet der Streifen mit einer schönen Atmosphäre und einer sympathischen Besetzung, auch wenn diese routiniert agiert. Einige wirklich gute und spannende Momente runden das Ganze ab und machen „Monster im Nachtexpress“ zu einem durchaus sehenswerten Slasher, der weit besser ist, als die meisten „Freitag der 13.“-Filme je sein werden. Genre-Fans können hier zugreifen!