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eXistenZ (1999)

eXistenZ

Wer glaubt was er sieht - stirbt

19991 h 33 min
Kurzinhalt

Ein neues Videospiel kommt auf den Markt. Es nennt sich "eXistenZ" und wird mit Hilfe einer organisch aussehenden Spielkonsole gespielt, die man über einen künstlichen Eingang im Rückenmark, einen so genannten Bioport, am eigenen Körper anschließt. Beim Spielen kommt man so in eine absolut real erscheinende Parallelwelt. Die Schöpferin dieses Spiels, Allegra Geller, ist zum absoluten Superstar der Szene aufgestiegen. Zusammen mit dem Grünschnabel Ted Pikul findet sie sich in ihrem Spiel wieder. Wobei nicht klar ist, was Spiel und was Wirklichkeit ist.

Metadaten
Regisseur David Cronenberg
Laufzeit 1 h 33 min
Starttermin 14 April 1999
Detail
Medien Blu-Ray
Film-Details Verfügbar
Bewertung Sehr Gut
Bilder

Der ewige Vergleich mit ´Matrix´ hinkt, tatsächlich ist ´eXistenZ´ eher mit Christopher Nolan´s ´Inception´ in Relation zu setzen, da elementare Auseinandersetzungen der Menschen mit dem eigenen Bewusstsein im Vordergrund stehen, abseits völlig grotesker Realität / Irrealität – Welten und höherer Wesen mit übernatürlichen Bestimmungen. Tatsächlich geht es in David Cronenberg´s verschachteltem Cyber-Film-Noir um den Menschen selbst, seine Sehnsucht nach neuen, unbekannten, vielleicht sogar gefährlichen Erlebnissen abseits des trostlosen Alltags und der Auseinandersetzung mit den eigenen, dunklen Trieben und Gelüsten.

© 1999 Dimension Films − Alle Rechte vorbehalten.

´eXistenZ´ wirkt dabei jedoch aus heutiger Sicht wie eine Blaupause dessen, was Christopher Nolan rund zehn Jahre später perfektionieren sollte. Die Hauptunterschiede liegen in den Punkten Emotionalität und Dynamik. So setzt Nolan auf atemberaubende Effekte in seinen Traumwelten, sowie auf eine besondere, emotionale Bindung vor allem zu di Caprio´s Charakter, dessen Leben und Schicksal ausführlich behandelt wird. Es handelt sich dabei um den explizit hervorgehobenen Erzählstrang, welcher parallel zur in all seiner Komplexität stattfindenden Grundidee der interaktiven Träume stattfindet. Komplex erscheint auch Cronenberg´s ´Gameplay´, jedoch gelingt keine emotionale Bindung zu den Hauptdarstellern, was vielleicht auch so gewollt ist, denn Menschen waren, sind und bleiben Menschen, mit all ihren Fehlern, Schwächen und niederen Beweggründen. Dieser Umstand offenbart sich proportional-steigernd über die Laufzeit, welche leider gespickt wird mit sinn freien Leerläufen des farblosen Duos Law & Leigh, oder auch ´Weichei und Pickelface´, die es nicht schaffen, den Zuschauer über die komplette Distanz zu fesseln, zumal die oben erwähnte Dynamik in Form von phantasievollen, technischen Effekten ebenfalls ausbleibt und sich Ideenarmut im Hinblick auf den gestaltenden Aufbau des Grundkonzeptes offenbart, im Gegensatz zur allgegenwärtigen, schwindelerregenden Komplexität von ´Inception´.

© 1999 Dimension Films − Alle Rechte vorbehalten.

Der rasante Schlußakkord in der letzten Viertelstunde entschädigt jedoch mit seinen intelligenten Wendungen, hin zur eigentlichen Botschaft des Filmes, zur Genüge. Zum Schluss noch ein versöhnlich gemeinter Satz an alle ´Hirngefickten´ da draußen, welche sich zu ´eXistenZ´ und/oder ´Inception´ um den Verstand diskutieren, ob nun besser, schlechter oder unvergleichlich: Je nach Blickwinkel, und unter Berücksichtigung der eigenen Erwartungshaltung, fällt die Bewertung dieser beiden Filme aus, der Konsens findet sich jedoch im ununterdrückbaren Drang der Menschheit nach dem Unbekannten, dem Magischen, dem übersinnlichen Sinn der eigenen… Existenz!