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Logan’s Run – Flucht ins 23. Jahrhundert (1976)

Logan's Run - Flucht ins 23. Jahrhundert

19762 h 00 min
Kurzinhalt

Im Jahr 2274 müssen sich die Menschen von der verwüsteten Umwelt abkapseln und unter der Glasglocke einer gewaltigen Metropole leben. Dort sorgen Computer und Roboter für alle nötigen Serviceleistungen – die Menschen können sich ganz ihren Neigungen hingeben. Allerdings nur bis zum „letzten Tag“. Und der kommt mit dem 30. Geburtstag, an dem alle Bewohner auf dem sogenannten Karussell ihren Trip in die Ewigkeit antreten müssen – angeblich, um wiedergeboren zu werden. Erstmals kam im Kino eine per Laser generierte Holographie zum Einsatz, die prompt mit einem Oscar für besondere Leistungen im Bereich der visuellen Effekte honoriert wurde. Michael York spielt den Sandmann Logan 5, der im Auftrag der Behörden Flüchtlinge ausschaltet, die dem Karussell entkommen wollen. Doch Loganj ist selbst fast 30. Und er sorgt dafür, dass ihn niemand erwischt.

Metadaten
Regisseur Michael Anderson
Laufzeit 2 h 00 min
Starttermin 23 Juni 1976
Detail
Medien Blu-Ray
Film-Details Verfügbar
Bewertung Grandios
Bilder

Die enorme Sympathie dieses Sci-Fi-Klassikers der Siebziger liegt zweifelsfrei im glücklicherweise nur unterdrückten, vielleicht unzerstörbaren Freiheitsdrang der menschlichen Rasse. So beginnt Logan´s Run fremdartig und bereits undefinierbar postapokalyptisch unter einer gigantischen Kuppel, in der die Menschen geschützt vor wüster Einöde und geführt von einem geheimnisvollen, end-technologischen System leben, in welchem weder Politik und Religion, noch Kunst oder jeglicher Individualismus eine Rolle zu spielen scheinen. Der Regisseur bringt liebenswert verspielt und detailliert dem Zuschauer Strukturen einer fiktiven Gesellschaftsform nahe, welche ultimativ kontrolliert wird. Entstehung, zeitlich exakt begrenztes Dasein und letztendliches ´Verschwinden´ sind klar definiert.

© 1976 Metro-Goldwyn-Mayer − Alle Rechte vorbehalten.

Und hier beginnen bereits die Feinheiten des beeindruckenden, visionären Handlungsstranges, welcher durch zwar mit heutigen Maßstäben gemessenen, altbacken-wirkender, jedoch durch liebevolle, grell-psychedelisch-bunte Seventies-Bauten,- und Kostüme, sowie originelle und witzige Ideen aufgewerteter, Ausstattung punktet, das Zuschauerherz erobert und für anhaltende Spannung, Verwunderung und Belustigung sorgt: Die menschliche Exekutive wird geleitet von technologischer Legislative, deren Judikative allgegenwärtig und indiskutabel für die Bevölkerung besteht, ohne dass eine Art Bewusstsein für diese Begrifflichkeiten besteht. So verhält es sich auch mit anderen Lebensbereichen, wie zum Beispiel Sex. Empathie existiert, Liebe ist jedoch nur unterschwellig spürbar, sexuelle Begierde wird chaotisch in speziell abgetrennten Bereichen und nicht zielgerichtet ausgelebt, Prostitution oder zwischenmenschliche Kontaktaufnahme wird per Knopfdruck und Zufallsgenerator präsent. Fortpflanzung existiert nicht, Leben wird ohne Befruchtung ausgebrütet, der Tod erfolgt mit dem dreißigsten Lebensjahr. So werden auch die wohl fundamentalsten Begriffe menschlichen Seins ebenfalls nicht als solche gewertet, nein, das Ende wird mit Erneuerung beschrieben, oder zumindest derart vom ´System´ suggeriert, in Form eines rätselhaften Karussells, welches durch feierliche Propaganda als Mischung aus Neugier, scheinbar wartender Erlösung und verschämtem Voyeurismus präsentiert wird.
Genau aus der Ungewissheit über die Art und Weise der sogenannten Erneuerung manifestiert sich der bereits existierende Widerstand und wird für den Zuschauer offensichtlich. Die Story nimmt stets überraschend und wendungsreich Fahrt auf. Währenddessen haben sich die Kontrollmechanismen des Systems bereits gezeigt: Privilegierte Ordnungshüter wachen über farblich-begrenzte Lebensphasen, außerdem jagen und eliminieren sie solche, die sich der vorgeschriebenen Erneuerung entziehen.

© 1976 Metro-Goldwyn-Mayer − Alle Rechte vorbehalten.

Sträflich wäre nun weiteres Preisgeben story-relevanter Informationen, denn der auserwählte Ordnungshüter Logan soll einen speziellen Auftrag für das System ausführen und sich dafür außerhalb der Kuppel begeben.
Der außergewöhnliche Film wird nun zunehmend alle reglementierenden Hüllen fallen lassen und sich ganz und gar ´Logan´s Run´ hingeben, einer phantastischen und bisweilen epischen, bis zuletzt schlüssigen aber auch logisch-interpretationswürdigen Reise, welche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen lässt.