Orca – Der Killerwal (1977)

Ein Schwertwal macht dem Seemann Captain Nolan das Leben zur Hölle, verfolgt ihn auf Schritt und tritt und überrascht ihn immer wieder mit Attacken. Nolan kann sich nirgends sicher fühlen, der Wal taucht immer wieder aufm wenn er es am wenigsten erwatet und bedroht sein Leben. Und das alles, weil Nolan bei der Jagd auf ein Exemplat, das er als Attraktion für einen Freizeitpark fangen wollte, dieses tötete. Das traurige an der Sache dazu ist, dass genau dieser getötete Wal ein trächtiges Weibchen war… das Weibchen von dem Wal, der nun Nolan versucht zu töten und vor dem es allem Anschein nach kein Entrinnen gibt, da dieser nicht nur rachsüchtig sondern auch ungewöhnlich intelligent zu sein scheint…

Filme über fiese Tiere, die aus Rache Menschen jagen und attackieren hatten in den 1970ern Hochkonjunktur und erfreuten sich großer Beliebtheit bei den damaligen Kinozuschauern. Seit Steven Spielberg mit der Weiße Hai von 1975 die Filmfreunde das Fürchten lehrte, versuchte zwei Jahre später, 1977, der Regisseur von Flucht ins 23. Jahrhundert (Logan’s Run), Michael Anderson einen weiteren Killer aus dem Ozean auf die Zuschauer los zu lassen.  Nach einer Story des italienischen Drehbuchautors Luciano Vincenzoni, dem man auch die Storys zu den Westernklassiker mit Clint Eastwood Für ein paar Dollar mehr und oder Zwei glorreiche Halunken zu verdanken hat, drehte Anderson mit Orca – Der Killerwal zwar nicht den erhofften großen Blockbuster, der selbst den Weißen Hai in den Schatten stellt, aber dennoch einen durchaus packenden und düsteren Tier-Horrorthriller, der sich sehen lassen kann.

Das Wale und Haie die Menschen seither faszinierten und oft auch ängstigten, war damals schon nichts neues, aber einen Schwertwal als intelligenten und rachsüchtigen – eine eher doch menschliche Eigenschaft – auf einen Walfänger anzusetzen, war neu, auch wenn man so eine ähnliche Geschichte nur mit umgekehrten Rollen vielleicht von Moby Dick kennt. Dananch stellte man diese beeindruckenden Tiere doch wieder lieber als friedfertige, aber dennoch nicht zu unterschätzende Riesen da, auch um den Ruf des Schwertwals als unbändigen bösartigen Killer zu wiederlegen, was auch mit Erfolg des 1993 erschienen Kassenschlagers Free Willy – Ruf der Freiheit gelang. In Orca – Der Killerwal jedenfalls ist der Wal alles andere als ein friedliches Tier, getrieben von Rache will er den Mörder seiner Wal-Kuh umbringen. Unrealistischer Humbug? Vielleicht… das Schwertwale sehr soziale Tiere sind ist nicht neu, aber das sie sich für den Tod eines Partners rächen? Aber mal ehrlich, wen interessiert schon bei einem Horrorthriller oder Tierhorrorfilm, ob etwas wirklich realistisch ist? Auf jeden Fall, ob nun die Story nun aus dem Hut gezaubert ist oder nicht, sie ist gut und spannend umgesetzt und letzten Endes kommt es ja auch auf den Unterhaltungswert eines Horrorfilmes an.

Mir persönlich gefiel die Idee, da somit auch der Mensch der soviel Schaden in der Natur – heute mehr als damals – anrichtet, in Orca – Der Killerwal für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen wird. Wie auch in den Ende der 1970ern sehr beliebten Öko-Horrorfilmen wie zum Beispiel John Frankenheimers Die Prophezeiung , wo sich die Natur an dem Menschen rächt, kann man Orca – Der Killerwal auch in gewissem Maße zu diesem Subgenre dazu zählen, denn auch hier wird der Mensch, ob er sich nun an der Natur an sich oder an einzelnen Tieren vergreift, nicht nur als Opfer, sondern eben auch als Verursacher und Schuldigen dargestellt, wo man oft nicht genau weiß, auf welche Seite man stehen soll. Orca – Der Killerwal ist vielleicht ein wenig reißerisch und auch die Actionszenen wirken oftmals ein wenig übertrieben, aber mir persönlich erging es bei dem Film, dass ich beinahe Verständnis für den Schwertwal hatte anstatt eher Mitleid mit dem von Richard Harris (Ridley Scott’s Gladiator) dargestellten Walfänger Nolan. Ein “Im Grunde genommen, bekommt der Walfänger das zurück, was er den Tieren antut” kann da einem schon in den Sinn kommen.

Der ganze Film Orca – Der Killerwal ist sehr düster gehalten und auch die Musik von Ennio Morricone (Red Sonja, Spiel mir das Lied vom Tod) verleiht dem Film diese unangenehme bedrückende und furchteinflössende und oft auch dramatische Atmosphäre, die neben den Actionszenen, wenn man diese als solche in einem Horrorthriller überhaupt bezeichnen kann, den Hauptbestandteil von Orca – Der Killerwal ausmachen, der natürlich wie der weiße Hai auch oft durch ein mechanisches Double ersetzt wurde, aber dennoch nicht all zu künstlich wirkt, das man sich ständig davon gestrt fühlt, dass eben in den meisten Szenen kein echter Schwertwal den Schrecken verursacht.

Wie ich schon erwähnte gefiel mir besonders hier die Rollenverteilung gut, dass hier der Wal oder von mir aus auch Orca im Grunde genommen das eigentliche Opfer darstellt, auch wenn natürlich seine Methoden den Mörder seiner trächtigen Walkuh und somit auch seines Kalbes zur Strecke zu bringen… etwas zu Hollywood-Klischeehaft dargeboten werden. Aber Orca – Der Killerwal ist ein Tierhorrorfilm, in dem man nur sehr sehr unterschwellig den erhobenen Zeigefinger vernimmt, dass der Mensch irgendwann die Quittung für sein verantwortungsloses Handeln den Natur und ihren Lebewesen gegenüber bekommt. In erster Linie soll Orca – Der Killerwal unterhalten und schocken und das tut er meine persönlichen Ansicht nach auch sehr gut, ein bißchen Schrecken hier, ein bisschen Blut da und jede Menge Actionszenen machen Orca – Der Killerwal zu einem grandiosen Film des Tierhorrorfilm-Untergenres.

ich kann Euch den Film nur wärmstens empfehlen, denn Ihr werdet gut unterhalten werden, auch wenn Orca – Der Killerwal natürlich nicht an den Weißen Hai von Spielberg heranreicht, aber wozu sollte man die beiden Filme auch vergleichen? Gönnt Euch einen spannenden Grusel-Sonntagnachmittag und schaut Euch mit einer Schale Popcorn und Eurer Liebsten den Film an, den Ihr Euch entweder auf Video von VPS oder auf DVD von Kinowelt Home Entertainment oder X-Rated ungeschnitten mit einer Freigabe von ab 12 (ja, die Kriterien nach dem die FSK Filme beurteilt sind wahrlich unergründlich^^, ab 16 wäre gerechtfertigt gewesen)  besorgen könnt. 

Meine Wertung: 8,5/10 Punkten