Paco – Kampfmaschine des Todes (1986)

Italien 1986
mit Daniel Greene, George Eastman, John Saxon…
Drehbuch: Elisa Briganti, Lewis E. Ciannelli, Ernesto Gastaldi, Sergio Martino, Dardano Sacchetti, Saul SashaRegie: Sergio Martino
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

1997: Francis Turner (John Saxon), Boss eines High-Tech Konzerns,  hat ein Problem: Einen lästigen Reformpolitiker, der seinen Waffengeschäften im Weg stehen könnte. Deswegen schickt er den kybernetisch erweiterten Killer Paco (Daniel Greene), damit dieser den unliebsamen Widersacher aus dem Weg räumt. Doch Pacos menschlicher Teil weigert sich, den Auftrag auszuführen. So wird er zum Ziel eines brutalen Killerkommandos, das ihn quer durchs ganze Land jagt. Im abgelegenen Hotel der hübschen Linda (Janet Agren) findet Paco Unterschlupf, doch die unaufhaltsame Liquidierungstruppe ist ihm bereits dicht auf den Fersten und bedroht nun nicht nur ihn!

Ach, die Italiener! Kein anderes Land verwurstete in den 70er und 80er Jahren mit solcher Verve große Trends aus Hollywood, wie unsere südländischen Freunde. Besonders beliebt, in den 80ern, waren Horror-, Sci-Fi- und Actionfilme. Von „Terminator“ über „Rambo“ bis hin zu raubeinigen Goregelagen, die Italiener klauten Alles, was nicht Niet und nagelfest war und schufen unterhaltsam, trashige B-Movie Ware am laufenden Fließband. Mit „Paco – Die Kampfmaschine des Todes“ aus dem Jahr 1986, wahlweise auch unter den Titeln „Hands of Steele“ oder „Atomic Cyborg“ bekannt, griff man wieder ungeniert auf die Blaupause von James Camerons „Terminator“ (1984) zurück, welche sich ungemeiner Beliebtheit erfreute. So entstand ein kurzweiliges, doofes und verdammt spaßiges Action-Vehikel, welches sich in Gänze für bierselige Männerrunden qualifiziert.

Fans des italienischen Genre-Kinos, dürften schon beim Blick auf den Regieposten große Augen bekommen, denn hinter dem kessen Pseudonym Martin Dolman verbirgt sich kein geringerer als Sergio Martino. Ja, genau DER Sergio Martino, der uns solche Genre-Perlen, wie „Der Killer von Wien“ (1970) oder „Your Vice is a locked Room and only I have the Key“ (1972) servierte aber auch ramschige Exploitation-Ware, wie „Die weiße Göttin der Kannibalen“ (1978) oder „Fireflash“ (1983) auf den Videomarkt warf. „Paco“ schlägt ebenso in diese Kerbe. Martino bedient sich gnadenlos bei „Terminator“ und spinnt, mit FÜNF weiteren Autoren, eine zumindest unterhaltsame Story um einen Cyborg, der auf den Namen Paco hört und noch zu 30% menschlich ist. Dieser verhunzt ein Attentat auf einen Reform-Politiker, der das Land, was aus schäbigen Kulissen besteht, die noch von „The Riffs“ übrig waren, wieder auf den rechten Weg führen will, also auf einen guten Weg versteht sich. Das passt Konzern-Boss Turner, gespielt von John Saxon, so gar nicht, denn dieser schickt seine Killer, um den, in Ungnade gefallenen, Robo-Mensch zu eliminieren. Der vertreibt sich inzwischen die Zeit mit Armdrücken in einer heruntergekommenen Bar im Nirgendwo. Ja, die Story ist wirklich ein Schmaus und ziemlich trashig, jedoch unterhält sie tadellos. Das fängt schon bei der Ausstattung an, denn diverse Set-Designer, wenn es welche gab, dachten sich, dass es futuristisch aussehen würde, wenn man überall Metallrohre, Schläuche und blinkende Knöpfe anbringt. Immerhin spielt die ganze Schose im Jahr 1997, also in einer weit entfernten Zukunft. Besonders schön ist Pacos Auto zu Beginn, dem man einfach irgendeinen Kasten auf das Dach geklebt hat und zwei Schläuche durch die Fenster gesteckt hat, um wenigstens etwas Future-Feeling zu erzeugen. So haust auch der gute Priester/Politiker/Weltverbesserer in einer Absteige, in dem man sogar die Verhaltensregeln mit Edding an die Wand geschrieben hat. Also ich würde da nicht mal umsonst wohnen.

Wenn er nicht ein Jahr später erschienen wäre, würde ich behaupten, dass der gute Sergio ein Fan von „Over the Top“ war, denn das zentrale Element in der Mitte des Films, sind die furchtlosen Armdrück Challenges unseres Protagonisten. Denn natürlich ist Armdrücken, die einzige Freude, die die biersaufenden Trucker-Rowdys, angeführt von „Man-Eater“ George Eastman, noch haben. So kommt es zu schwitzigen Duellen mit obskuren Bärten und lustigen Grimassen, wie in „Over the Top“. Sergio Martino war nun mal ein Visionär. Aber die italienische Film-Koryphäe beglückt uns nicht nur damit, sondern greift tief in die Action-Kiste und serviert uns lustige Killer-Cyborgs, muffige Shootouts und einen John Saxon, der zum Ende mit einer Laserkanone rumballern darf. Also wenn das nicht toll ist, weiß ich auch nicht. Zumindest muss man Signore Martino lassen, dass er den Schlonz nett in Szene setzt. Er versucht schon aus Scheiße einen zumindest unterhaltsamen Film zu machen, was ihm, in meinen Augen gelungen ist. „Hands of Steele“ macht einfach Spaß und funktioniert als doof charmante B-Movie Granate für den Filmabend mit den Kumpels im heimischen Wohnzimmer. Daniel Greene, TV-Sternchen aus „Falcon Crest“, gibt uns den Aushilfs-Schwarzenegger mit Fönfrisur und versucht verzweifelt zwischen menschlichem ICH und dem Cyborg-ICH zu pendeln, was für heitere Momente sorgt. Ihm zur Seite steht Janet Agren, die mit dem Elan eines Kieselsteins auftritt. Dann hätten wir noch D’Amato-Spezi George Eastman am Start, der als fieser Trucker in seiner Rolle ziemlich aufzugehen scheint. Jedenfalls zeigt er mehr Talent, als die beiden Hauptfiguren. Am Rande darf John Saxon noch böse Sprüche klopfen, der vermutlich mitspielt, weil er gerade Zeit hatte und Geld bekanntlich nicht stinkt. So durchzieht „Paco“ das gleiche Flair, wie zum Beispiel Enzo G. Castellaris „Metropolis 2000“ oder D’Amatos „Endgame“. Und wer die gesehen hat, weiß was abgeht. Für Genre- und Trashfans dürfte dieser Streifen einen Blick wert sein.

„Paco – Kampfmaschine des Todes“ ist ein kleiner Diamant aus der minderbudgetierten Action/Sci-Fi Welle, die in den 80er Jahren das italienische Kino beherrschte. Natürlich ist das doof und auch etwas scheiße gemacht aber Sergio Martino schafft es dennoch einen unterhaltsamen Film zu inszenieren, der zwar großer Mumpitz ist aber dafür blendend unterhalten kann. Und darauf kommt es ja schließlich an!

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