Planet der Affen von 1968 -Eine neue Sichtweise der SF

Die „Planet der Affen“-Reihe bildet ein Novum in der Filmgeschichte. Als der erste Film 1968 rauskam, war noch nicht absehbar, wie sehr die Filme die Erzählstruktur im Science-Fiction-Genre beeinflussen werden. Der erste Film bildet den Auftakt zu einer Reihe, die es nicht nur schafft gesellschaftskritische Aspekte innerhalb eines Genres genial aufzuzeigen, sondern auch die Verknüpfungen der Filme untereinander geschickt zu montieren. So bildet die Reihe einen abgeschlossenen Erzählzyklus der untereinander aufbaut und auch ein gewisses Zeitreiseparadoxon präsentiert.  Im Laufe der nächsten Wochen werden hier nicht nur die alten Filme der End 60er bis Mitte 70er Jahre vorgestellt. Auch die kurzlebige TV-Serie und die animierte Serie werden hier besprochen werden. Aber fangen wir zunächst mit den ersten Teil an.

Inhalt:

Der Astronaut Taylor (gespielt von Charlton Heston) überlebt zusammen mit seiner Crew eine weite Reise durchs All. 2000 Jahre nach ihren Abflug von der Erde muss er und seine Kollegen auf einen entfernten Planeten notlanden. Bei der Erforschung des Planeten werden er und seine Crew von intelligenten Primaten gefangen genommen. Taylor wir in einen Käfig für weitere Untersuchungen gehalten. Die andere Crew wird lobotomiert und Taylor steht alleine dar. Nicht ganz, denn mit den Affenpärchen Cornelius und Zira (Roddy McDowall und Kim Hunter) hat er zwei zunächst skeptische Affen an seiner Seite. Denn Taylor wird vom Professor Zaius argwöhnisch begutachtet. Zaius sieht in Taylor eine große Gefahr. Im Laufe des Films stellt sich nach und nach heraus, warum das so ist.. Taylor flieht durch Hilfe von Cornelius und Zira zusammen mit der menschlichen Frau Nova und gejagt durch Dr. Zaius in die „verbotene Zone“. Dort findet er heraus, was dieser Planet für ein Geheimnis hat und warum Dr. Zaius so große Angst vor ihn hat: denn der Planet auf dem  das Raumschiff landete ist in Wahrheit die Erde in der Zukunft.

Beginn der Produktion:

Bevor der Dreh starten konnte mussten das produzierende Studio 20th Century Fox zunächst überzeugt werden, ob denn die Masken in den Film auf funktionieren würde. Bei der Grundidee der sprechenden Affen wurde die Sorge groß, dass die Masken albern und unglaubhaft wirken könnten. Und das wollte man vermeiden.  Im März 1966 gab es erste Testaufnahmen mit Schauspielern, die teilweise alle im späteren Film auftraten. Für 5000 US Dollar drehte man eine Szene mit Charlton Heston in der Rolle des Taylor (zu diesen Zeitpunkt hieß er allerdings noch Thomas), Edward G. Robinson als Prof. Zaius (Robinson legte später die Rolle nieder die dann an Maurice Evans ging. Grund: Das Auftragen der Maske dauerte ihn zu lange. Er konnte die teilweise 5-stündige Prozedur des Auftragens nicht mehr ertragen), James Brolin als Cornelius und Kim Hunter als Zira. Der damalige leitende Maskenbildner bei Fox Ben Nye, stellte die Masken her. Der Test war erfolgreich und der Drehstart wurde für das Frühjahr 1967 vorgesehen.

Das Drehbuch wurde von  Michael Wilson (überarbeitete Version) und Rod Serling (Originalversion) verfasst und hatte ursprünglich eine moderne, hoch zivilisierte Affenwelt zum Inhalt. Ähnlich wie die Bauten in den 60er Jahren sollten die Gebäude und das Setting aussehen. Am 28 April 1967, drei Wochen vor Drehbeginn, kürzte das produzierende Studio das Budget auf 5,8 Millionen US-Dollar, wovon schließlich ca. 1 Millionen in die Produktion der Affenmasken ging (und Kostüme + Make-Up). Da das Budget des Films allerdings relativ gering war (für heutige Standards) kürzte man die Idee der zivilisierten Welt und blieb bei der jetzigen Fassung.

Zwar dementierte der Produzent des Films Richard F. Zanuck, dass der Film keine politische Botschaft haben sollte und er nur ein reiner Abenteuerfilm zur Unterhaltung sein soll, aber aufgrund vieler zeitgeschichtlicher Elemente die in den Film (wenn auch versteckt) zu sehen sind, muss man den Film eine gesellschaftkritische Note zugestehen. So gab es zu der Zeit den Vietnam-Krieg, der kalte Krieg begann, John F. Kennedy und Martin Luther King wurden erschossen und viele Rassenunruhen in den USA. Der Umstand, dass der Drehbuchautor Michael Wilson zur McCarthy-Ära auf der „schwarzen Liste“ stand, was ungefähr einen Berufsverbot gleich kam, tat sein Übriges. Man unterstellte ihn damals nicht die richtige politische Einstellung zu haben. Und Wilson wurde „verfolgt“ für seine Überzeugung. Diese verarbeitet er dann im Drehbuch. Am eindringlichsten gezeigt anhand der „Gerichts“-Szene im Film, bei dem der Astronaut Taylor (der mit Vornamen George heißt, was aber nie im Film gesagt wird, man sieht das nur im Abspann), einem Tribunal vorgesetzt wird und er sich verteidigen muss.

Die ersten Drehtage fanden in der Nähe des Colorado River in Utah, USA und in Arizona statt. Im Lake Powell drehte man mit einen 7-Meterlangen Sperrholzmodell die Szenen mit den abgestürzten Raumschiff im See. Viele Teile des Films drehte man in den Santa Monica Mountains. U.a. auch die Wasserfallszene, wobei die kleine Wasserstelle ursprünglich für den Film „Doktor Doolittle“ erschaffen wurde und mit insgesamt 24 Feuerwehrschläuchen verstärkt wurde um einen schönen Wasserfall zu simulieren. Die Szenen am Ende des Films drehte man in Malibu, Florida.

Während des Drehs und des enormen Aufwands die Affenmasken anzulegen (was u.a. schon mal 5 Stunden dauern konnte) mussten viele Akteure und Komparsen ihre Masken bei Pausen aufbehalten. So geschah es, dass die Schauspieler unter den Masken sich in diesen Pausen nur mit den gleichen Affenarten trafen. Also die Orang-Utans waren unter sich, die Schimpansen waren unter sich und die Gorillas.

.Filmisches Feedback:

Sati(e)re der besonderen Art

Dieser Film zeichnet sich vor allem durch eins aus: er verpackte die zur Entstehungszeit stattfindenden Umbrüche innerhalb der Gesellschaft in ein fantastisches Gewand um per Unterhaltungsebene eben diesen Umbruch zu vermitteln. Das war das Geschickte an diesem Film. Regisseur Franklin J. Schaffner schuf einen Film, der durch seinen Unterhaltungswert etwas transportiert, was man vielleicht mit den Mitteln eines Politthrillers oder Gesellschaftsdramas nicht sofort erreicht. Er sprach eine Menge Menschen an. Durch das Korsett des Fantasiefilms oder Sf-Films je nachdem wie man ihn sieht, konnten die Menschen bzw. das Publikum eher erreicht werden. Und das schaffte der Film auf wunderbare Weise. Der politische und gesellschaftliche Umbruch der ´68er wurde hier perfekt eingefangen. Durch die Verwendung der Affen, als Sinnbild menschlicher Verhaltensweisen und gleichzeitiger Umkehrung der selbigen, konnte man nunmehr den Irrsinn menschlichen Schaffens und Zusammenleben erkennbar machen. Die drei Affenarten die hier gezeigt werden (Schimpansen, Orang Utan und Gorillas) spiegeln alle unterschiedliche Wesenszüge des Menschen wieder: der schlaue gerissene und überlegende Schimpanse, der zur Besonnenheit aufrufen kann, der intelligente, aber allen Problemen aus den Weggehende Orang-Utan und der gewaltbereite und strategische Gorilla. Alle versammeln sich und karikieren den Menschen indem sie ihn gleichzeitig bloßstellen. Auch der satirische Umgang mit Religiosität kommt hier nicht zu kurz. Die Affen verehren ihren Gott, und lernen, dass alles anders ist, verstecken aber diese Kenntnis um ihr Volk in Schach zu halten. Eine aufrüttelnde Anklage gegen Diktaturen und Idealisierung wie man sie nur selten zu Gesicht bekommt. Untermalt mit der vorzüglichen Musik von Jerry Goldsmith, den kongenialen Masken (für die damalige Zeit ein Meilenstein „Ehrenoscar“ für die Maske) und einer Ausstattung die es schafft zivilistische und naturalistische Bauweiesen zu vereinen und das Schauspielensemble, welches selbst unter der Maske herrlich agiert. All dies in einem fantastischen, voller versteckter Anspielungen  vollgepackten Film der bis heute nichts an Faszination und Aktualität verloren hat. Nach diesem Film kamen noch 4 Fortsetzungen und eine kurzlebige Serie. Auch wenn qualitativ die nachfolgenden Filme diesen ersten Teil nicht das Wasser reichen können, so bilden sie dennoch ein komplexes zusammenhängendes Universum was es so in der Filmwelt noch nicht gab.

Und noch ein Wort zur literarischen Vorlage. Sehr zu empfehlen, da der Film das Buch und seine Stimmung exakt einfängt. Allerdings muss man auch hier sagen, dass es wie bei fast jeder Literaturverfilmung  auch einige Abweichungen gibt. In Pierre Boulles Romans (der außerdem auch das Buch „Die Brücke am Kwai“ schrieb) findet ein Pärchen während einer Fahrt in einen Raumschiff im All eine Flaschenpost, die ein Bericht eines gewissen Ulysse Merou beinhaltet. Er erzählt, wie der Mensch merou mit anderen auf einer Weltraummission war und den Planeten Soro entdeckte. Hier findet er eine hochentwickelte Zivilisation von Affen, die sich Menschen als Sklaven und Haustiere halten. Zwar findet er dort heraus, dass es früher dort die Menschen waren, die die Zivilisation aufgebaut haben, diese aber sich zurückentwickelten, während die Affen sich weiterentwickelten. Merou schafft es von dort zu fliehen und landet wieder auf der Erde; 700 Jahre nachdem er sie verlassen hatte. Er stellt fest, dass die Erde ebenfalls von Affen beherrscht wird. Genauso wie auf Soror. Er flieht wieder mit seinen Raumschiff von der Erde und schreibt den Bericht. Zum Schluss erfährt man, dass das eingangs erwähnte Pärchen zwei Schimpansen sind. Die beiden nehmen den Bericht nicht ernst, weil sie glauben, dass Menschen nicht klug genug sind so eine Geschichte zu erzählen und nicht schreiben können. Also ein paar Abweichungen gibt es durchaus zum Film. Aber im Großen und Ganzen fängt der Film die Stimmung schon perfekt ein.