Poltergeist II – Die andere Seite (1986)

Die von dem ganzen Horror ziemlich gebeutelten Freelings sind bei der Oma, Dianes Mutter untergekommen, die schnell bemerkt, dass die kleine Carol-Anne eine ganz besondere außergewöhnliche Begabung besitzt. Als Diane mit ihren wzei Kindern eines Tages im Einkaufszentrum shoppen geht, wird Carol-Anne mit dem unheimlichen Reverent Kane konfrontiert. Dieser kommt direkt aus dem Jenseits, um erneut das kleine Mädchen in dieses zu entführen. Doch dazu muss er erst die Familie entzweien. Kane muss aber feststellen, dass sich dies als schwerer erweist, wie er geglaubt hat und so terrorisiert er die armen Freelings aufs übelste. Doch die haben Taylor, einen indianischen Schamanen auf ihrer Seite, der von dem Medium Tangina geschickt wurde, um der Familie beizustehen….

Für viele Fans des Poltergeist-Filmes von 1982 ist Poltergeist II – Die andere Seite nichts weiter als ein billiger und müder Abklatsch des großen Gruselerfolges, um die erste Heimsuchung des Bösen, das die kleine Carol-Anne ins Jenseits entführt. Meiner Ansicht nach ist aber Poltergeist II – Die andere Seite gar kein Film, der versucht sich an dem ersten Teil zu messen, sondern die Geschichte weiter zu erzählen, was ihm meiner Meinung nach auch gut gelingt. Gar keine Frage, und da gebe ich den Krtitikern recht: Poltergeist II – Die andere Seite kommt nicht an den vorherigen Poltergeist heran, hat aber durchaus seine spannenden und grusligen Momente, die aber nicht mit dem Ersten zu vergleichen sind.

Regisseur Brian Gibson, der sich zu vor eher im TV-Serien-Milieu aufhielt, erzählt hier zwar auf unterhaltsame Weise die Geschichte um die Freelings weiter, verzichtet aber, leider nicht zu seinem Gunsten auf das was den vorangegangenen Film so erfolgreich machte, nämlich auf eine absolut schaurige unter die Haut gehende Atmosphäre, die auch psychologisch durchdacht ist und setzt in Poltergeist II – Die andere Seite mehr auf Spezial Effkete. Diese können sich zwar sehen lassen, aber verringern dadurch das Gänsehaut erzeugende Grusel-Flair und macht den Film somit eher zu einem a-typischen Horrorfilm. 

Dennoch kann Poltergeist II – Die andere Seite diese Schwäche sich eher wie ein 08/15-Horrorfilm zu verhalten, durch einen hervorragenden Julien Beck als Reverent Kane ein wenig wieder gut machen. Julian Beck, der in 9 1/2 Wochen mit Kim Basinger und Mickey Rourke eine winzige Nebenrolle inne hatte und im selben Drehjahr zu Poltergeist II – Die andere Seite verstarb, ist in dem Film wohl das, was man als Highlight bezeichnen könnte. Seine unglaubliche Ausstrahlung, ein Totenschädel ähnliches Antlitz mit seinen fast wahnsinnigen Augen machen diese fiktive Gestalt zu einen wahren Genuss. Legendär ist sein Auftritt als er singend zum Haus von Dianes Mutter kommt um den Vater, immer noch von Craig T. Nelson gespielt, versucht gegen den Indianer Taylor (Will Sampson, der Indianer aus Einer flog über das Kuckucksnest)  und gegen seine Familie aufzuhetzen… “Gott lebt in seinem heiligen Tempel…” ich denke, selbst die leute, den Poltergeist II – Die andere Seite eher negativ gegenüber eingestellt sind, müssen zugeben, dass Becks Darbietung einzigartig bis legendär ist. Wenn man sich über den Film Poltergeist II – Die andere Seite unterhält, kommt automatisch einem dieses Lied in den Sinn.

Ich kann guten Gewissens behaupten, dass die erste Hälfte von Poltergeist II – Die andere Seite so gesehen absolut genial und atmosphärisch solide ist. Leider nimmt der Film dann immer mehr mit der Zeit seiner Spieldauer ab und bedient dann leider nur noch das Klischee eines herkömmlichen Horrorfilms, der zusehends durchschau- und vor allem vorhersehbarer wird. Daran ändert auch nichts die eigentlich grandiose Filmmusik von Jerry Goldsmith, denn oft wirkt vieles einfach zu lieblos daher gedreht, um irgendwie schnell zu einem Ende zu kommen. Nachteilig ist natürlich dazukommend, dass man ja weiß, dass es einen dritten (noch mieseren) Teil gibt und somit dieser Zweite hier mit einem relativ gesehen gute Ende ausgehen muss.

Allerdings sah man es damals 1985 anders, denn die eigentlich guten Spezial Effkete wurden sogar für einen oscar nominiert und Jerry Goldsmith’s Musik gewann sogar (mit Recht) den BMI Film Music Award sowie wurde der Film selbst als Bester Horrorfilm für einen Saturn Award nominiert. Natürlich steht vieles jetzt im totalen Kontrast dazu, wie viel heute den Film bewerten.  Aber die negative Sichtweise über diesen Film hängt einfach nur damit zusammen, dass Poltergeist II – Die andere Seite mit Poltergeist (Teil 1) vergleichen wird. Eigentlich sollte man das nicht tun, aber ich persönlich kann es auch ein wenig nachvollziehen. Allerdings ist es gleichermaßen auch unfair, da den ersten Teil kein weiterfolgender Film überhaupt toppen-, beziehungsweise an ihn herankommen können, ohne als Abklatsch bezeichnet zu werden. Gibson hätte gar nichts anderes machen können, als die Geschichte aus Costa Verde irgendwo anders hin zu verlegen und die Geschichte weiter zu spinnen. Er konnte nicht den gleichen Inhalt wie im ersten Teil benutzen und musste einen anderen Weg gehen.

Man kann Poltergeist II – Die andere Seite nicht wirklich für seinen Inhalt verurteilen, denn eine Kopie des Ersten hätte man dem Film erst recht übel genommen, andererseits hätte man vielleicht ein wenig beim alten Thema bleiben sollen. Stell sich eben nur die Frage wie? Obwohl ich die Figur des Reverent Kane toll finde, muss man aber gleichzeitig sich fragen, was dieser eigentlich mit dem Ersten gemein hat, wo es doch um Die Bestie ging, die Carol-Anne in die Zwischenwelt entführt hatte. Kane dagegen ist ein völlig anderer Charakter mit einer anderen Geschichte. was den Film Poltergeist II – Die andere Seite eben von dem Vorgänger entfernt. Es scheint beinahe so, dass man es hätte gar nicht richtig machen können und dass eine Fortsetzung niemals zu aller Zufriedenheit hätte verfilmt werden können.

Als völlig eigenständiger Film weiß Poltergeist II – Die andere Seite durchaus zu gefallen und auch die Spezial Effekte kann man zu würdigen wissen, aber als Fortsetzung ist er eher nur mau. Dieser Film befindet sich in einer wahren Zwickmühle. Dennoch gehört er in jede Filmsammlung dazu und nicht nur um die Poltergeist-Trilogie zu vervollständigen, sondern auch weil an sich gut ist, besäße er einfach einen anderen Titel^^ Auf VHS, DVD und BluRay gibt es Poltergeist II – Die andere Seite des Labels MGM und ist eigentlich mit seiner FSK-Freigabe ab 16 überall zu erwerben.

Meine Wertung: 9/10 Punkten

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