Pusher (1996)

Irgendwo in Kopenhagen. Drogendealer Frank (Kim Bodnia) will mit seinem Komplizen Tonny (Mads Mikkelsen) 200 Gramm Heroin an einen schwedischen Kunden verkaufen und erhält den Stoff für den Deal von dem jugoslawischen Gangsterboss Milo (Zlatko Buric). Allerdings ist die Polizei über das Drogengeschäft informiert und Frank ist gezwungen die gesamte Ware während der Flucht in einem See zu versenken. Die Gesetzeshüter können ihm zwar nichts nachweisen, aber dafür steht Frank auch ohne Drogen und Geld da und hat nun ein verdammt großes Problem am Hals. Er schuldet Milo eine Summe von 230.000 Kronen und muss ihm diese innerhalb kürzester Zeit zurückzahlen…

„Pusher“ ist Nicolas Winding Refns Spielfilmdebüt, das sich – Achtung! Schlechtes Deutsch! – gewaschen hat. Schon in der Vorspannsequenz, wo alle Hauptcharaktere vorgestellt werden, wird dem Zuschauer klar, dass es sich um einen kompromisslosen und unbequemen Film handelt. Alle Typen, die man in Pusher sieht, möchte man nicht bei Nacht begegnen (und auch nicht am Tage!). Weiß man doch, dass sich das Leben, wenn man sich mit solchen Leuten abgibt, sehr schnell verkürzt, oder dass man die Bekanntschaft mit solchen Leuten, wie man sie in Pusher zu sehen bekommt, nur mit dem Verlust diverser Körperteile übersteht. Sterben wäre in diesem Falle wohl eher besser. :D

Es gibt keinen Grund, mit diesen Menschen Mitleid zu haben. Sie fluchen, saufen, lügen. betrügen und koksen, dass sich die Balken biegen. Und Freundschaft existiert im Grunde eigentlich gar nicht. Jeder nutzt die Schwächen des anderen aus, egal, ob man sich gut versteht oder nicht.

Die Hauptperson in Pusher ist Frank, der überzeugend von Kim Bodnia verkörpert wird. Man könnte glatt meinen, Kim Bodnia spielt diese Rolle nicht, nein, er ist es einfach. Das ist nicht der professionell ausgebildete und talentierte Schauspieler Kim Bodia, den man da sieht, sondern das ist Frank, der miese Drogendealer, der sich von Tag zu Tag immer mehr mit seinen kriminellen Taten in die Scheiße reitet. Die Kamera begleitet ihn eine Woche lang bei seinem sinnlosen und verbrecherischen Tun. Und gerade diese hektische Kameraarbeit von Kameramann Morten Søborg und die Verwendung von grobkörnigen Filmmaterial verleiht den Film etwas halbdokumentarisches.  Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man sich Pusher im Originalton ansieht.

Eigentlich habe ich ein Problem mit Filmen, wo nur kriminelle Charaktere im Mittelpunkt stehen und eventuell noch glorifiziert werden. Ich mag so was einfach nicht. Es gibt da einige Filme, die so etwas tun. Aber Pusher gehört nicht dazu. Pusher hat mich aufgrund seiner Ehrlichkeit und seiner talentierten Besetzung überzeugt. Nichts wird in diesem Film beschönigt, und am Ende wird dem Zuschauer klar gemacht, dass so ein Leben, wie man es in Pusher sieht, sich nicht auszahlt. Das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum Pusher mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren versehen wurde und damit quasi jugendfrei ist. Es gibt vieles, was einem nach der Sichtung von Pusher in Erinnerung bleibt. Bei mir war es komischerweise diese herablassende Art, wie Milo, der sowas wie ein Pate ist, Frank beim Namen nennt. Er sagt nicht „Frank“, sondern „Frankeeee“. Das hat schon etwas verstörendes an sich, finde ich. ^^

Regisseur Nicolas Winding Refn hat 2004 und 2005 Teil 2 und Teil 3 gedreht. In Teil 2 steht Tonny (Mads Mikkelsen) im Mittelpunk, in Teil 3 Milo ( Zlatko Buric), der in allen Teilen als Pate zu sehen ist.

Pusher, mit Kim Bodnia, von Regisseur Nicolas Winding Refn, ist in meinen Augen, trotz aller Härte, ein Kultfilm. Alle Hauptbeteiligten sind auch 17 Jahre nach Entstehung des Films dick und erfolgreich im Geschäft, und ich als Anhäger der nordischen Filme, bin gespannt darauf, was diese Leute als nächstes machen. :)

Pusher gibt es als DVD und BluRay und wird auch öfter im Fernsehen gezeigt. Es hat ihn bestimmt auch, wegen des Alters, als VHS gegeben, aber darüber habe ich leider nichts finden können. Die DVD und die BluRay haben neben der deutschen Synchronfassung natürlich (!) den Originalton drauf, deutsche Untertitel gibt es auch. Des weiteren gibt es einen Audiokommentar auf englisch von Regisseur Nicolas Winding Refn. Auch dieser wird durch deutsche Untertitel übersetzt. So soll es sein. :)

Olli vergibt dem Film 10 / 10 Punkten!