REMAKE THIS! – I Spit on your grave (1978) Vs. I Spit on your grave (2010)

Manche verfluchen die Remakes, andere lieben sie, nun da könnte man sich stundenlang darüber unterhalten und fleissig diskutieren. Man könnte sagen, das kommt immer auf die Ansichtsweise des Betrachters an, und wie man an ein Remake herangeht. Als Kritiker ist es oft schwer, ein Remake nicht mit dem Original zu vergleichen, denn oft ist das Original ein Klassiker und wenn nicht sogar ein Kultfilm, und dann hat ein Remake es ohnehin schon verdammt schwer, sich gegenüber dem Original zu behaupten! Um Euch Lesern ein paar solcher Fälle näher zu bringen, haben wir uns entschlossen die Kategorie: REMAKE THIS! ins Leben zu rufen, wo wir Euch nach und nach ein paar sagen wir mal: Gegenüberstellungen näher zu bringen. Ein Remake muss nicht immer zwangsläufig schlecht sein, es gibt auch Fälle wo das Remake einen Tick besser ist als das Original. Da kommt es auf viele Punkte an, sei es Darsteller, Drehbuch, Regisseur, Budget, Effekte und vieles mehr.

Ich spuck auf dein Grab (1978)

1978

Jennifer Hills hat sich für den Sommer ein kleines Häuschen in einem verlassenen Winkel von New England gemietet, um dort in Ruhe ihren Roman zu Ende zu schreiben. Sie genießt die Ruhe, Schönheit und Abgeschiedenheit der Natur. Diese Idylle wird aber jäh zerstört, als sie verschleppt, gefoltert und vergewaltigt wird. Die junge, sensible Frau ist tot. Was übrig bleibt, ist ein Monster, dass sich an den Peinigern rächen will um Genugtuung zu bekommen.

I Spit on Your Grave (2010)

2010

Die Romanautorin Jennifer Hills (Sarah Butler) ist unterwegs zu der abgelegenen Hütte, in der sie ihr nächstes Buch verfassen will, als sie die Aufmerksamkeit von drei Rednecks auf sich zieht, deren Avancen sie entschieden ablehnt. Johnny (Jeff Branson) und seine Kumpels Andy und Stanley, den einfältigen Matthew als Anhang, folgen ihr jedoch, überfallen sie in ihrer Hütte, vergewaltigen und erniedrigen sie. Schließlich kann Jennifer fliehen und springt in den Fluß, doch sie kehrt schließlich verändert zu ihren Peinigern zurück, um brutale Rache zu nehmen.

Sogenannte Rape und Revenge Filme haben es oft sehr schwer, sei es beim Zuschauer oder auch bei der FSK. Nicht selten wurde ein Film indiziert oder sogar beschlagnahmt. Manche Zuschauer fühlen sich angewidert, und andere sind vom filmischen begeistert. Da gehen so viele Meinungen wie auch Aspekte oft sehr getrennte Wege. Wenn man sich diese beiden Filme mal genauer betrachtet, sollte man den Abstand der Entstehung mal genauer sich anschauen, das sind immerhin über 30 Jahre, in so vielen Jahren kann und hat sich einiges geändert, besonders was das Medium Film betrifft, dies spürt man auch in I spit on your grave sehr gut.

Das Original kam 1978 in die Kinos, und sorgte für seine Frauenfeindlichkeit und die Darstellung von Gewalt und Vergewaltigung für hohes Aufsehen und zeitgleich auch Empörung. Solch eine Darstellung war damals noch Neuland für die Filmemacher, was man an diversen Stellen im Original auch spürt, manche Szenen wirken etwas holprig und abgehackt, dies liegt nicht an der gekürzten Fassung, denn die UNCUT Fassung lag mir als Reviewmaterial vor. Beim Remake geht vieles flüssiger, die Handlung und die Abläufe gehen nahtlos ineinander über.

Beim Original wird sehr viel Zeit für die Vergewaltigungen und der Erniedrigungen geopfert, fast ¾ des Films befassen sich damit. Beim Remake wurde dies auf eine Gesamtzeit von knapp 30 Min belassen, was in meinen Augen ein wenig erträglicher für dieses brisante Thema ist. Wenn man sich die Filmbeschreibungen vom Original und Remake durchliest, fällt einen auf, das sie sich ähneln, wenn nicht sogar gleichen. Sogar die Namen wurden 1:1 übernommen, nur kleine Änderungen fanden im Remake den Weg ins Drehbuch. Zum Beispiel wurde beim Remake noch ein Fiesling mehr ins Programm aufgenommen.

Der Ort des Geschehens ist ebenfalls identisch, bei beiden Versionen spielt sich alles in einem Wald mit einem See ab. Beim Original zog sich die Autorin zurück um Ihr erstes Buch zu schreiben, im Remake handelt es sich um Ihr Zweites Buch was sie schreiben möchte. In beiden Filmen wird die Selbstjustiz als das normalste auf der Welt dargestellt, was ziemlich für Furore sorgte und es immer noch tut. Im Original wird die Vergewaltigung der Frau so explizit dargestellt, so das der Zuschauer das Gefühl bekommt wahrhaftig bei einer dabei zu sein, im Remake wurde dies deutlich entschärft, und vieles wird nur angedeutet, so das die Fantasie der Zuschauer den Rest im Kopf filmisch umsetzt, beim Thema Rache an den Peinigern nehmen sich beide Werke nicht viel, bei beiden Versionen ist es halt fraglich ob sich die gepeinigte Person wirklich so rächen würde?

Was die Rache angeht, kann das Remake klar Punkten, die Rache ist überlegter und raffinierter in Szene gesetzt worden, er ist fies, brutal und schonungslos. Was im Original so ziemlich nach dem selbem Schema abläuft, wurde im Remake abwechslungsreicher und interessanter in Szene gesetzt. Schauspielerisch nehmen sich beide Versionen nicht viel, wie beim Original die Schauspielerin Camille Keaton, wie auch beim Remake Sarah Butler, bringen beide tolle Leistungen, wie sie auf der einen Seite die gequälte Person und auf der anderen Seite die eiskalte Killerin spielen. Doch im Remake wirkt Sarah Butler etwas eindrucksvoller und besitzt mehr Stärke und Kühnheit.

Aber auch die Nebenrollen in beiden Versionen sind eindrucksvoll und gut besetzt worden, hier wurde total auf Schönlinge verzichtet und finstere Gestalten ausgewählt, was auch besser zur Story bei beiden Filmen passt. Musikalisch wurde bei beiden Filmen auf vieles verzichtet, dies trägt zur Verstärkung und Realitätsnähe viel zu bei, denn wo läuft schon Musik wenn ein Mensch erniedrigt und gequält wird?! Der Härtegrad der gezeigten Gewalt ist im Remake etwas stärker und präsenter, im Remake fließt eindeutig mehr Blut und die Rache läuft etwas fieser und brutaler ab als im Original, hier kann wer auf Härte steht, ganz klar das Remake punkten. Man sollte aber auch nicht vergessen das das Original ein Low-Budget Streifen war, und das Remake schon mehr Geld zur Verfügung hatte, was noch interessant ist das der Regisseur vom Original nämlich Meir Zachi auch als Produzent beim Remake beteiligt war. Ebenso konnte man bei der Entstehung des Remakes auch auf mehr Erfahrung in Sachen Horror und Rape und Revenge zurückgreifen, beim Original war vieles noch Neuland und Unerfahren.

Man muß schon ein Faible für Rape und Revenge Filme haben, um mit diesen Filmen was anfangen zu können, wer schon mit „Muttertag“ und „Das letzte Haus links“ nichts anfangen konnte, sollte diese beiden Filme meiden. Beide Versionen sind der FSK ein Dorn im Auge, das Original ist beschlagnahmt worden und das Remake kam in Deutschland nur in einer 4 Minuten gekürzten Version in den Handel, hier musste man sich wieder aus Österreich behelfen lassen um in den Genuss der ungeschnittenen Version zu gelangen.

 

Original:                                                   Remake:

 

Action 6 von 10                                        Action 8 von 10

Härte 4 von 10                                         Härte 7 von 10

Story 10 von 10                                               Story 10 von 10

Spannung 7 von 10                                    Spannung 9 von 10

Unterhaltung 6 von 10                              Unterhaltung 8 von 10

 

Resultat:

33 von 50                                                42 von 50

 

Im direkten Vergleich konnte für mich das Remake besser punkten, dennoch sollte man nicht vergessen dass das Original ein Klassiker ist.