Der Augenzeuge (1981)

Daryll Deever (William Hurt) ist seit Vietnam nur noch als Hausmeister aktiv und seit längerem in die attraktive Reporterin Tony Sokolow (Sigourney Weaver) verschossen. Als Daryll eines Nachts den vietnamesischen Geschäftsmann Long ermordet auffindet und Tony darüber berichtet, ist das für ihn die Gelegenheit, Kontakt mit Tony aufzunehmen. Er läßt durchblicken, daß er mehr über den Mord weiß, als er gesagt hat, um ihr Interesse zu behalten. Damit hat er aber bald nicht nur die Leute von Long, der Dreck am Stecken hatte, sondern auch den wahren Killer auf seiner und Tonys Fährte.

Der Augenzeuge ist ein Thriller der relativ unbekannt bei den Zuschauern ist, und das obwohl dieser Streifen ein Staraufgebot vorweisen kann, was heutzutage die Produktionskosten ins Unermessliche ansteigen lassen würde. Doch der Augenzeuge ist kein Thriller von vielen, er hebt sich deutlich von der breiten Masse des Genres ab. Regisseur Peter Yates schaffte es von den Klischeehaften Elementen abzusehen und seinen eigenen Stil dem Film der Augenzeuge zu verpassen. Yates verstarb 2011 an einer langen Krankheitszeit und hinterließ uns einige filmische Werke die bis heute immer noch bekannt und beliebt sind. Sei es „Die Tiefe“ von 1977 mit Nick Nolte oder aber auch „Krull“ von 1983. Eine Lücke im filmischen Sektor ist durch seinen Tod entstanden und wenige schafften es seinen Stil zu kopieren, imitieren oder sogar weiter zu entwickeln.

Daryll Deever arbeitet als Hausmeister in einem großen Bürohaus. Eines Abends bevor er das Haus verlässt findet er den Geschäftsmann Mr. Long ermordet in seinem Büro vor. Den Mörder sieht er noch entkommen und vermutet das es sich um seinen besten Freund Aldo handelt. Aldo war früher ebenfalls als Hausmeister angestellt, wurde aber gefeuert weil er gegenüber Mr. Long immer sehr unfreundlich war, ein Motiv würde also bestehen. Daryll ist unsterblich in die Reporterin Tony verliebt, die bei der Polizei bei dem Mordfall mit ihrem Team steht. Um sich endlich seinem Schwarm zu nähern, erwähnt er ihr gegenüber das er mehr wüsste als er der Polizei gesagt hätte, als Reporterin springt sie natürlich darauf an und die beiden kommen sich etwas näher. Doch leider ist da noch der Freund von Tony der dem gemeinsamen Glück im Weg steht und eigene Pläne hat.

Schon wenn man sich die Filmbeschreibung durchliest, merkt man recht schnell das sich in diesem Thriller auch eine Liebesgeschichte befindet, und sie nimmt auch im Vergleich zu anderen Streifen des Genres den Hauptteil von der Augenzeuge ein. Zwar sind in anderen Filmen auch eine Liebesgeschichte im Drehbuch verankert, doch sie rücken eher in den Hintergrund des Geschehens. Die Story von der Augenzeuge ist sehr ruhig und geht die Sache sehr langsam an, die Actionszenen wurden bewusst sehr dezent gehalten wenn nicht eher sogar gestrichen, hier wurde mehr aufs Detail geachtet. Dies ist nur ein Merkmal von Yates seinem Talent und Können. Yates achtete auf jedes noch so kleine Detail und spiegelt es auf seine Art dem Zuschauer wieder.

Nicht zu vergessen ist auch der Cast von der Augenzeuge, William Hurt, James Woods, Sigourney Weaver, Christopher Plummer und Morgan Freeman. Was hier einem auffällt wenn man sich das Entstehungsjahr von der Augenzeuge anschaut, das die meisten Schauspieler noch am Anfang ihrer erfolgreichen Karriere standen. James Woods war gerade dabei vom Fernsehen zum Film zu wechseln, Sigourney Weaver hatte gerade ihren ersten Film „Alien“ hinter sich gebracht, und Morgan Freeman war eben noch ein austauschbarer schwarzer Nebendarsteller und profilierte erst Jahre später seine Erfolgskarriere. Alle Darsteller blühen in ihren Rollen förmlich auf, und bringen dem Zuschauer ein Gefühl von Realität näher. Zwar hatten einige nur Nebenrollen, aber auch diese sind sehr gut ausgearbeitet und dargestellt worden.

Die Erzählstruktur und die Darstellung des sogenannten Helden sind sehr ungewöhnlich für diese Zeit gewesen. Daryll wurde als typischem Normal Bürger mit seinen kleinen Macken dargestellt und wieder gegeben. Kein Rambo Typ, kein Irrer oder Verrückter, nein, ein alltäglicher Mensch wie man sie zuhauf trifft. Wenn man mit der Erwartung eines großen Thrillers an der Augenzeuge herangeht, dürften viele sehr schnell enttäuscht werden. Betrachtet man den Film aber aus einer anderen Perspektive, werden einem sehr viele ansprechende Dialoge und gute schauspielerische Leistungen präsentiert. Die Story in der Augenzeuge ist manchmal sehr lahm, dies kommt auch durch die extrem lange Annäherungsphase von Daryll und Tony, sie nimmt ungefähr 2/3 der Spielzeit ein.

Doch im letzten Drittel wird die Spannungskurve wieder aufgenommen und angezogen und der Film der Augenzeuge weiß zu fesseln. Wahrscheinlich ist der Augenzeuge aus folgenden Gründen eher unbekannt: andere Erzählweise, zu lange Liebesstory. Doch der Film übt einen gewissen Reiz aus, den man erst im Laufe des Films verspürt und ihn dann auch nicht mehr missen möchte.

Der Augenzeuge gibt es auf VHS und DVD, und hat eine Freigabe von 16 in Deutschland erhalten. Wer sich mal einem besonderen Thriller hingeben möchte, der sollte sich der Augenzeuge zulegen und anschauen.

Ich gebe der Augenzeuge 10 / 10 Punkten

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