Blues Brothers (1980)

Schwarze Anzüge, schwarze Hüte, schwarze Sonnenbrillen: Jake (John Belushi) und Elwood (Dan Aykroyd) Blues sind die Blues Brothers, das legendäre Duo. Gerade wird Jake wieder einmal aus dem Gefängnis entlassen und Elwood holt ihn in einem ausrangierten alten Streifenwagen, den Elwood als Ersatz für das alte Bluesmobil organisiert hat, nachdem er dieses gegen ein Mikrofon eingetauscht hat, ab. Nachdem sie erfahren haben, dass ihr altes Waisenhaus binnen sechs Tagen 5000 Dollar Steuern zahlen muss, um nicht geschlossen zu werden, kommt Jake im wahrsten Sinne des Wortes die göttliche Eingebung, die alte Band wieder zusammenzubringen, um das Geld musikalisch einzuspielen. Beharrlich und unnachahmlich machen sie sich daran, die unwilligen Bandmitglieder wieder aufzutreiben und einen großen Auftritt zu organisieren. Dabei legen sie sich jedoch nacheinander mit einer militanten Country & Western-Band, der amerikanischen Nazi-Partei und der gesamten Polizei von Chicago an – und eine bewaffnete schöne Unbekannte (Carrie Fisher) ist auch daran interessiert, das Leben der beiden zu verkürzen…

 

Na, da hab ich mir ja was vorgenommen. Aber es geht nicht anders, ich muss euch heute mit diesem Film „nerven“, denn bei der letzten Sichtung auf BluRay-Disc hatte ich ein regelrechtes Aha-Erlebnis gehabt, obwohl ich den Film schon vor gefühlten hundert Jahren oder so auf Video gesehen habe. ^^

We’re in a Mission of God.“, „Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs.“ Und wenn man sieht, was Jake und Elwood in Blues Brothers so alles überleben, muss es einfach so sein. Der Herr wacht über sie und ihnen kann nichts geschehen, egal, was passiert. :) Geradezu nichts ist unmöglich und es scheint keine Grenzen zu geben, was die Zerstörungen und das Chaos betrifft, das in Blues Brothers angerichtet wird.

Tatsache ist, dass Blues Brothers aus cineastischer Sich einer der nachhaltigsten und beständigsten Musik- und Actionkomödien in der Geschichte des Films ist. Dieser glänzende Film ist gespickt mit unzähligen Höhepunkten und noch mehr kleinen genialen Szenen, die als Ganzes gesehen eine temporeiche und irrwitzige Tour de Force ergeben. Untermalt von einem brillanten und schmissigen Soundtrack (Rhythm ’n’ Blues, Soul, Swing und Gospel), der die Handlung adäquat unterstützt, prasseln unzählige bissige Seitenhiebe auf das gesellschaftliche Leben in den USA, aber auch der restlichen zivilisierten Welt, auf die Zuschauerinnen und Zuschauer ein, sodass man über die wenigen, kleinen Mängel locker hinwegsehen kann. Neben den “Saturday Night Live”-Stars John Belushi und Dan Aykroyd lässt der Film eine ganze Parade gestandener R’n’B-Größen aufmarschieren, die perfekt in die Handlung integriert wurden. Hinzu kommen etliche Zitate und One-Liner, auf die man regelrecht wartet, dass sie von den beiden Hauptdarstellern aufgesagt werden, egal, in welcher Sprach man sich den Film ansieht. („Es sind 106 Meilen nach Chicago, wir haben genug Benzin im Tank, ein halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen.”)

Die beiden Drehbuchautoren Dan Aykroyd und Regisseur John Landis erfüllten sich hier einen ganz persönlichen Wunsch – speziell die legendäre Autoverfolgungsjagd, eine der längsten und verschwenderischsten der Filmgeschichte, wobei ich diese als eine Art Hommage an den 1974 entstandenen Film „Sugarland Express“ von Steven Spielberg betrachte, gibt es in der Bildgestaltung doch einige Ähnlichkeiten. ^^

Blues Brothers soll anscheinend bei den Erstaufführungen ein Flop gewesen sein und entwickelte sich erst später zum Hit. Aber das dementierte John Landis vor langer Zeit mal in einem Zeitungsinterview, er habe immer ein gut gefülltes Konto Dank des Films, sagte er. ^^ Und was die Coolness angeht, so kann dieser Film ganz bestimmt als der Ursprung und Vorbild all jener nachfolgenden Streifen, in denen schwarzgekleidete und sonnenbrillentragende Gauner und Ganoven auftreten, gesehen werden. Mittlerweile ist der schwarze Anzug, das weiße Hemd mit der dünnen, schwarzen Krawatte, der schwarze Hut, die schwarzen Schuhe, die dunklen Sonnenbrillen und die Koteletten Synonym für coole Jungs; es gibt Blues Brothers-Parties, Blues Brothers-Musicals und Konzerttourneen der Original Blues Brothers Band (die es schon vor dem Film gab), aber auch Coverbands.

Lustig finde ich auch Carrie „Prinzessin Leia“ Fishers Rolle als Jakes rachsüchtige Ex-Braut. Sie verfolgt die Brüder mit grimmiger Mine und versucht sie mit unglaublichen Waffen zur Strecke zu bringen. Bei der ersten Attacke hat sie eine Waffe, die ich nicht so ganz einordnen kann, aber es scheint eine Laserwaffe zu sein, und die klingt auch genau so wie die Waffen in den Star Wars… Pardon, den Krieg der Sterne Filmen. Was für eine herrliche Anspielung auf diese Filme. Köstlich! :D

Auch wenn dem Film der richtige Tiefgang fehlt, was ich als kleine Schwäche ansehe, so kommt man dennoch an diesem Film nicht vorbei. Egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht man stammt, es soll mir niemand sagen, dass er oder sie nicht mindestens genießerisch oder gar jubelnd zusieht, wenn die Polizeiauto-Armada eines ganzen Bezirks zu Schrott gefahren wird.

So. Hab ich genug Gründe zusammengetragen, damit ihr euch den Film anseht? Gut. :) Dann komme ich jetzt zu dem oben genannten Aha-Erlebnis bei der letzten Sichtung: In Blues Brothers gibt es, wie schon erwähnt, eine Menge Musik. Und diese trägt mit ihren Texten auch zur Geschichte bei. Da diese logischerweise in englisch sind, habe ich mich als Wenig-englisch-Sprecher- und Versteher immer ein wenig darüber geärgert, dass man an den entsprechenden Stellen keine deutschen Untertitel eingefügt hat. Und es gab auch nie eine in den Musikszenen untertitelte Fassung; weder im Kino noch im Fernsehen. Auf Video gab es das sowieso nicht. Man musste es einfach akzeptieren. Da ich in den letzten Jahren immer mehr dazu übergegangen bin, trotz meines fremdsprachlichen Defizits, Filme im Originalton mit deutschen Untertitel anzusehen, so habe ich das, nachdem ich mir die BluRay-Disc von diesen tollen Film besorgt habe, endlich mal tun können. Und siehe da! Die Gesangseinlagen wurden in den Untertiteln ins deutsche übersetzt! Na, so eine Freude aber auch! :D Und schon hatte ich mehr Spaß an den Film, auch wenn ich den schon x-mal gesehen habe.

Tja, das war das Aha-Erlebnis. Toll, oder? ^^

Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ich das wirklich toll finde, dass die Herrschaften von Universal Pictures Deutschland sich dazu ringen konnten, die Untertitel für diesen Film so anzufertigen. Super Arbeit! (Und ich bekomme dafür kein Geld von denen, das erwähne ich hier aus purer Freude. :) )

Erwähnen möchte ich kurz die verschiedenen Altersfreigaben, die Blues Brothers in der Filmwelt bekommen hat. Hier in Deutschland ist er immer ab 12 Jahren freigegeben gewesen, in England ist er aber ab 18, und in den USA ab 17 Jahren freigegeben. Das liegt sicherlich daran, weil in Blues Brothers oft geflucht wird und dabei das böse F-Wort geradezu inflationär zum Einsatz kommt (lange vor Pulb Fiction ^^). In der deutschen Übersetzung wird das alles durch das im damaligen deutschen Sprachgebrauch übliche Fluch-Vokabular ersetzt (Scheiße, Kacke, verdammter Mist, verflucht nochmal), was bei den Leuten von der FSK wohl eher auf Milde stieß oder überhaupt nicht ins Gewicht fiel. Sicherlich hat das Ende auch zu dieser niedrigen Freigabe beigetragen, landen schließlich die beiden Filmhelden am Schluss im Knast.

Lange hat es gedauert, bis man diesen Film im deutschen Fernsehen sehen konnte. Zum ersten Mal lief er an einem Silvesterabend auf Premiere, und da war der Film locker schon 12 Jahre alt. Ein Jahr später lief er dann im normalen Fernsehen; im Montagskino im ZDF.

Blues Brothers gibt es als VHS, Laser-Disc, DVD und BluRay-Disc. Auf DVD gibt es auch die 1998 verlängerte Fassung, auf BluRay-Disc gibt es diese Fassung leider nur im englischsprachigen Bereich. Trotzdem sei jedem die BluRay-Disc mit der regulären Kinofassung, aus den oben genannten Gründen, ans Herz gelegt. Außerdem läuft er so gut wie jedes Jahr mindestens ein- bis zweimal im Fernsehen.

Fazit: Blues Brothers = 100 Prozent Kult. Ein längeres Fazit wäre hier nur Zeitverschwendung. :)