Boogie Nights (1997)

Der unscheinbare Eddie Adams hat es mit seinen 17 Jahren noch nicht weit gebracht. Er jobbt als Tellerwäscher in einem Nachtlokal. Doch gerade dort beginnt seine steile Karriere. Pornofilmer Jack Horner entdeckt ihn dort. Eddie ist nicht nur bestens ausgestattet für seine neue Laufbahn, sondern besitzt auch die nötige Triebkraft. Eddie Adams wird zum Porno-Star Dirk Diggler.

Da heißt es immer dass es nicht auf die Größe ankommt, aber trifft dies auch in der Pornobranche auch zu? Wahrscheinlich nicht, und dann kommt noch dazu „Die besten Geschichten schreibt das Leben“, diese Mischung umschreibt in ein paar Sätzen den Film Boogie Nights, eine pornografische Filmszene der späten 1970er und frühen 1980er Jahre aus Sicht des jungen Pornostars „Dirk Diggler“, der zum Superstar in der Porno-Szene aufsteigt, jedoch letztlich scheitert.

Regisseur Paul Thomas Anderson nahm sich die Geschichte des echten Dirk Diggler an um sie filmisch auf die Leinwand zu bringen, der wahre Diggler war „John Holmes“ der 1988 an AIDS verstarb. Doch Anderson war nicht nur Regisseur sondern auch Drehbuchautor von Boogie Nights, ein Drama mit Erotischen Inhalt, aber nicht auf Schmuddelniveau sondern Hollywoodtauglich gestaltet. Der Film wurde auch mit vielen namenhaften Hollywood Schauspielgrößen ausreichend besetzt, sei Mark Wahlberg, den manche noch unter Marky Mark kennen dürften, oder auch Burt Reynolds, der Bandit aus „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Beide können noch vor Boogie Nights auf diverse Produktionen zurückgreifen und sind somit keine Unerfahrene auf diesem Gebiet.

In weiteren Rollen sind Julianne Moore und Heather Graham zu bewundern, Moore übernahm die Rolle von Amber Waves / Maggie, Alkohol und Drogenmissbrauch dominieren Ihr Leben und der Kampf um ihre Tochter, die ihr vorenthalten wird. Graham übernahm die Rolle von „Rollergirl“, die immer ihre Filme auf Rollschuhen drehte, daher der Name Rollergirl, auch ihr Leben wird filmisch ein Stück begleitet. Reynolds überzeugt den Zuschauer von der Rolle des Pornoregisseur auf ganzer Linie, auf vielen Rollen kann man den Satz spiegeln „Hochmut kommt vor dem Fall“, der Zuschauer begleitet diverse Charaktere auf den Weg nach oben auf der Karriereleiter, aber genauso gut den rapiden Abstieg nach ganz unten.

Aber auch die Nebenrollen sind ausreichend mit bekannten Darstellern besetzt worden, da tauchen Namen wie Luis Guzmán, Don Cheadle und John C. Reilly auf, die allesamt auf einem guten und hohen Niveau ihren Rollen Leben einhauchen und den Zuschauer gut unterhalten. Boogie Nights seine Handlung spielt sich in den 70er und 80er Jahren ab, die Sets sind aufwendig gestaltet worden und auch musikalisch ist der Film ein Leckerbissen, die typischen Sounds der 70er Jahre sind wunderbar eingefangen und eingespielt worden. Auch die Kostümauswahl versetzt den Zuschauer zurück in die längst vergessenen Jahrzehnte. Der Zuschauer benötigt eine große Ausdauer und Geduld für diesen Film, denn mit einer Laufzeit von 152 Minuten ist er recht lang, aber wer durchhält wird mit einem interessanten Drama versorgt, wo nicht nur die Hauptcharaktere begleitet werden, auch die Geschichten und Erlebnisse der Nebenrollen sind abwechslungsreich und interessant inszeniert worden, viele Nebenplots sind im Drehbuch verankert worden, die dennoch alle zum Hauptstrang des Films dazu gehören, dies steigert den Unterhaltungswert eines Films enorm.Der Zuschauer begleitet die Rollen mit ihren Ängsten, Eifersucht, Schicksale ihres Lebens und Wünsche, man bekommt alles mitgeliefert was das Leben einen bieten kann!

Trotz des brisanten Themas wurde der Film im Jahr 1998 für insgesamt drei Oscars nominiert, für seine Rolle als Porno-Regisseur wurde Burt Reynolds für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Auch Julianne Moore erhielt eine Nominierung als beste Nebendarstellerin für ihre Verkörperung der Amber Waves. Ebenfalls Oscar – nominiert: das Drehbuch von Paul Thomas Anderson. Allerdings wurde die Auszeichnung bei keiner der Nominierungen verliehen.

Den Film Boogie Nights gibt es auf VHS, DVD und BD und hat eine Freigabe von 16 bekommen, die vollkommen gerechtfertigt ist, Einblicke in die Pornofilmbranche ist nichts für junge Menschen. In den USA gibt es sogar eine Zwei Disc Special Edition, die mit allerlei Bonusmaterial aufwerten kann, vielleicht wird diese noch mal in Deutschland veröffentlicht. Boogie Nights nimmt sich einem brisanten Thema an und setzt dieses ansprechend in einem Film um. Man könnte Boogie Nights auch gut den Titel einer Dokumentation zuschreiben, denn besser hätte es eine Dokumentation auch nicht machen können!