Das Arche Noah Prinzip (1984)

Im Jahr 1997: Die Astronauten Max Marek (Franz Buchrieser) und Bill Hayes (Richy Müller) befinden sich auf der euro-amerikanischen Raumstation “Florida Arklab”, 189 Kilometer über der Erde. Ihre Aufgabe besteht darin, mit einer neu entwickelten Technologie wetterbedingte Katastrophen zu verhindern. Bald jedoch bemerken sie, dass ihre Funktion keineswegs nur darin besteht. Als sie den Befehl erhalten, die Technologie militärisch einzusetzen, kommt es zu Konflikten. Marek sabotiert das Programm, und die Bodenstation schickt eine neue Crew, um das Kommando auf der “Florida Arklab” zu übernehmen. Dabei kommt es zur Katastrophe…

 

Zu aller erst: Das Arche Noah Prinzip ist nicht mit „Krieg der Sterne“ zu vergleichen. Hier geht es etwas ruhiger zu, aber dem Filmvergnügen tut das keinen Abbruch. Mit diesem Film begann Regisseur Roland Emmerich seine Karriere. Der Mann, der in Hollywood als Garant dafür gilt, aufwändige Effektfilme für ein relativ geringes Budget zu produzieren, sprengte mit Das Arche Noah Prinzip so einige Grenzen: drei Jahre Produktionszeit und ein Budget von 1,2 Millionen D-Mark! Und dies für eine Abschlussarbeit der Filmhochschule München. Das Werk wurde sogar auf der Berlinale gezeigt und bekam Lob und Anerkennung, besonders die Weltraumsequenzen begeisterten durch ihre Hollywood-Qualität. Umso mehr, da diese, wie auch die Innenaufnahmen in der Raumstation, in einer abbruchreifen Fabrikhalle als Studio entstanden. 

Man bekommt in Roland Emmerichs Film eine recht gut durchdachte Geschichte zu sehen, die dazu auch noch fesselt. Als Filmkenner sollte man aber darüber hinwegsehen können, dass Emmerich sich offensichtlich einige Elemente bei “2001 – Odyssee im Weltraum” oder bei “Alien” abgeguckt hat und auch dieser Film schon sehr amerikanisiert wirkt. Die Ausstattung ist recht wirklichkeitsnah und man hat wirklich das Gefühl, sich an Bord einer Raumstation zu befinden. Etwas amüsant sind die teilweise typisch 80er-Jahre-Outfits. Aber ansonsten erkennt man auch an diesem Film Emmerichs Liebe zum Detail. Von diesem Film kann sich auch heute noch so mancher eine Scheibe abschneiden – tragischerweise nicht zuletzt Roland Emmerich selber, der sich doch eher dem visuellen als dem intelligenten Kino verschrieben hat. Tatsache ist, dass Roland Emmerichs erster abendfüllender Spielfilm, neben seinen 2011 entstandenen „Anonymus“, der anspruchsvollere Film ist als seine anderen Werke.  

Als Bill Hayes sehen wir Richy Müller, der zur damaligen Zeit schon einen gewissen Status als Schauspieler in Deutschland erreicht hat. Seit Ende der 1970er Jahre steht er für TV-Filme und Spielfilme – national wie international – vor der Kamera.

Der Film wurde in über 20 Länder verkauft, und es gibt auch eine englischsprachige Fassung. Und was den Originalton betrifft, habe ich leider keine Informationen dazu finden können, ob der Film überhaupt auf deutsch gedreht wurde. Bei Wikipedia wird das zumindest behauptet, aber ich habe da meine Zweifel. Tatsache ist, dass der Film komplett neu synchronisiert wurde. Und so gut wie alle Schauspieler haben Stimmen anderer Schauspieler, die gerade im Synchronbereich populär sind oder waren. So wird der österreichische Schauspieler Franz Buchrieser von Klaus Kindler gesprochen. Klaus Kindler war die Stammsynchronstimme von Clint Eastwood in den 70er,80er und 90er Jahren. Und ich konnte selbst bei der letzten Sichtung des Films nicht heraushören, ob Richy Müller sich selbst synchronisiert hat, oder ob es jemand anderer getan hat. Manchmal passen die Mundbewegungen mit dem Gesprochenen überein, dann mal wieder nicht. Gerade bei Richy Müller habe ich den Verdacht, dass man ihn hat englisch sprechen lassen, weil gerade bei ihm die Mundbewegungen mit dem Gesprochenen nicht zusammenpassen. Wie dem auch sei, als Originalton ist letztendlich genau diese Fassung anzusehen, auch wenn es aus cineastischer Sicht eine Schandtat ist. :)

Die deutsche Fernseh-Erstausstrahlung von Das Arche Noah Prinzip war am 31.10.1986 – Nachmittags in der ARD! Auch eine weitere Wiederholung fand ebenfalls Nachmittags statt. Danach verschwand der Film ins Nachtprogramm, wenn er denn mal gezeigt wurde.

Das Arche Noah Prinzip gibt es als VHS (Constantin und Euro Video) und DVD. Leider sieht man diesen Film viel zu selten im Fernsehen.

Zur DVD-Auswertung sollte man folgendes wissen (und dazu muss ein wenig gespoilert werden!): Am Ende wird die Raumstation gesprengt, und das hat man auch effektvoll in Szene gesetzt, aber auf der DVD fehlt diese Exposition. Sie wird hier nur durch einen Knall und hellem Licht angedeutet. Auf Video und in der TV-Fassung ist diese noch vollständig zu sehen. Allerdings ist die Videofassung im knallharten 4:3 Vollbild angefertigt, wo beim Cinemascope-Bild mehr als 50% des Bildes wegfallen. Die TV-Fassung hatte ein Format von 1:1,85, was schon etwas vorteilhafter ist, aber immer noch nicht alle Bildinformationen zeigt. Warum diese Explosion fehlt, darüber kann man nur spekulieren. Aber sehr wahrscheinlich hat es etwas mit dem Remastering zu tun. Vielleicht fanden die Typen, die den Film für die DVD digitalisiert haben, von der Bildqualität her zu schlecht. Was auch immer. Tatsache ist, dass dadurch die DVD als gekürzt anzusehen ist. Vielleicht wird dieser Film ja mal für eine BluRay-Auswerung neu abgetastet. Dann aber bitte bitte bitte bitte (mit ganz viel Zucker obendrauf) mit Explosion.

 

Fazit: Emmerichs erster Spielfilm funktioniert, trotz einiger dramaturgischer Lücken.

 

Ich geben ihm trotzdem die volle Punktzahl.