Hard-Boiled (1992)

Alles beginnt im Wynham-Teehaus: Der skrupellose Cop Tequila und sein Kollege Lionheart observieren dort eine Gruppe Waffenschieber, die hier ihre kriminellen Geschäfte tätigen. Traditionell bringen die Besucher des Teehauses ihre Singvögel in Käfigen mit an den Tisch – doch die Käfige der Gangster haben einen doppelten Boden und enthalten automatische Pistolen. Die werden auch schnell gebraucht, denn Tequila eröffnet eine knallharte Schießerei. Lionheart wird angeschossen und stirbt, Tequila verfolgt den Obergangster bis zum bitteren Ende, um ihn schließlich zur Strecke zu bringen.

Wer den Regisseur John Woo kennt, der weiß was ihn erwartet, Action pur. Der Film Hard Boiled war auch sozusagen die Eintrittskarte für John Woo in Hollywood, zu seinen weiteren Laufbahn gesellen sich Streifen wie „City Wolf“ oder eher bekannt unter dem Titel „A better tomorrow“ aus dem Jahr 1986, „Harte Ziele“ von 1993 und „Im Körper des Feindes“ aus dem Jahr 1997.

Eine dramatische Story wurde hier größtenteils außer Acht gelassen, stattdessen wurde hier eine 08 / 15 Handlung verwendet und mit zahlreichen Actionsequenzen versehen. Für die Hauptrollen in Hard Boiled wurden Chow Yun-Fat als Inspektor und Tony Leung als Undercover – Cop gecastet, beide sind bekannte Gesichter in zahlreichen Actionstreifen der 80er und 90er Jahre, aber auch in anderen Genre hatten sie diverse Rollen und Auftritte. Bei Chow Yun-Fat sollte man noch erwähnen, das er zuvor als Soap Darsteller im TV sein da sein fristete und durch die Verpflichtung und Entdeckung von John Woo zu Ruhm und Ehre gelangte. Beide Darsteller liefern in diesem Streifen eine exzellente Schauspielerische Leistung ab, sie wirken real und authentisch, und ihre Coolness wird förmlich auf die Leinwand versprüht.

Hard Boiled kann man mit einem Theaterstück vergleichen, denn er besteht ebenfalls aus insgesamt drei Akten, Anfang, Hauptteil und der Schluss, was man im Film auf folgende Sequenzen widerspiegeln kann: die Teehaus-Sequenz, die Lagerhallen-Sequenz und die Krankenhaus-Sequenz. Jedoch steigerte Woo hier die Action und die Spannung von Akt zu Akt und verhilft so dem Film zu einem Kracher im Action Genre, der bei vielen noch heute unübertroffen ist. In der ersten Sequenz werden dem Zuschauer die üblichen Actionszenen vorgeführt, nichts weltbewegendes und neues, nach Abschluss dieser Szenen werden die einzelnen Charaktere und die Story dem Zuschauer näher gebracht, bevor man mit der nächsten Sequenz wieder ins Getümmel geschubst wird.

Diese Prodezur wiederholt sich im späteren Verlauf noch einmal sehr erfolgreich, zwar werden einige Charaktere vorgestellt aber eine tiefsinnige Darstellung und Erläuterung wird gekonnt drauf verzichtet. Untermalt werden vielerlei Szenen durch eine säuselnde Jazz Musik mit einer Klarinette, die stimmig zu den Szenen eingesetzt wurde, hier wären andere Sounds oder Musikinstrumente auch fehl am Platz gewesen, die Klarinette unterstreicht die Dramatik und die Spannung auf Ihre Art und verhilft dem Film zum Aufbau für den Show Down.

Wer John Woo kennt und liebt wird die typische Face to Face Szene, von Gut und Böse im Film aus anderen Streifen wieder erkennen, diese Einstellung ist ein Markenzeichen des Regisseur und wird in Hard Boiled in einer nebligen Szene dem Zuschauer mit einer düsteren Atmosphäre gezeigt und verdeutlicht. Doch das Ende vom Film hat es gewaltig in sich, hier fliegen die Granaten, Scheiben zerbersten, Fights in Zeitlupe, beide Hände bestückt mit Waffen, Rauch, Qualm, Explosionen, hier wird einem alles geboten und das sage und schreibe fast 40 Minuten lang. Das diese Szenen auch relativ blutig ablaufen freut die Actionfans, aber die FSK hatte so ihre Probleme damit, und der Film wurde geschnitten was das Zeug hält.

Hard Boiled spult fleißig und flüssig die westlich angepasste Story ab und zeigt dem Zuschauer beeindruckende Actionszenen, die Schlusssequenz die hier in einem Krankenhaus sich abspielt, löst bei manchen vielleicht eine Art Reizüberflutung aus, denn selbst wenn man diesen Streifen schon mehrmals gesehen hat, so entdeckt man immer wieder Kleinigkeiten die man vorher nicht beachtet hatte, dies steigert vor allem den Wiedersehenswert des Films ungemein. Über gewisse Logikfehler kann der Actionfan getrost hinwegsehen, die Zeiten der Endlosmagazine sind hier Gang und Gäbe, und das die Bösewichter nicht schießen können. Aber für John Woo Fans ist dieser Film ein Must Have und Must See, und Actionfans kennen diesen Streifen sowieso.

Hard Boiled gibt in Deutschland in diversen Auflagen diverser Labels, die meisten prahlen mit dem Zusatz „Ungeschnitten“ auf dem Cover, jedoch haben sie eine Freigabe von 16 und sind somit geschnitten, mir lag die seltene VHS Version vom Label „Lime Pictures“ vor, (Leihgabe eines Freundes) die ist vollkommen ungeschnitten und hat eine Freigabe von 18, und diese Fassung ist in Deutschland indiziert! Hard Boiled hat bei vielen einen Kultstatus erreicht und ehrt ihn noch immer. Ein Actionkracher der seinesgleichen sucht, wenn man ihn auf die Action reduziert.