Meine teuflischen Nachbarn (1989)

In einer amerikanischen Bilderbuch-Vorstadtsiedlung, in der das Leben gemächlich und ohne große Vorkommnisse dahinplätschert, lebt  Ray mit seiner Frau Carol zufrieden und in Harmonie. Die Nachbarn sind nett, die Vorgärten gepflegt und Patriotismus ist allgegenwärtig. Doch die Idylle wird jäh gestört als einige Häuser weiter die Klopeks in ein leerstehendes Haus einziehen. Nicht nur, dass diese Familie rein optisch nicht ins Bild der Siedlung passt,  irgendetwas geht in deren Haus nicht mit rechten Dingen zu, aus dem Nachts unheimliche Geräusche nach außen dringen. Der Beginn von Misstrauen, da schon bald in Paranoia umschlägt… und allen vorne ran: Ray

Meine teuflischen Nachbarn ist mal wieder so ein Film, der den typischen Flair der späten 1980er besitzt  und somit mir besonders gut gefällt. Joe Dante, dem Erfolgsregisseur von Gremlins – Kleine Monster, nimmt hier in Meine teuflischen Nachbarn das Spießbürgertum unter die Lupe und deckt auf witzig ironischer Weise auf, was wirklich unter der Fassade der selbsternannten Saubermänner oder der Kleinbürgerlichkeit steckt… Natürlich fängt auch in Meine teuflischen Nachbarn alles ganz harmlos an und die Bewohner der Vorstadtsiedlung, die so herrlich überzogen und gleichzeitig so ist, wie man sie sich in Europa insbesondere in Deutschland auch vorstellt, sind allesamt skurril dargestellt, so wie es eben nur in unserer europäischen Vorstellung die Amerikaner sein können.

Doch schnell gerät das biedere Verhalten der Bewohner dieser so ach so Heile Welt-Siedlung außer Kontrolle und die Fassade beginnt zu bröckeln. Schnell wird dem zuschauer klar, dass hinter dem ganzen  eigentlich nicht anderes als Vorurteile und Misstrauen allem andersartigen gegenüber steckt. Besonders bei Ray schlägt diese Engstirnigkeit und Intoleranz in völlige Paranoia um, der so wunderbar verrückt von einem noch recht jungen Tom Hanks zum Besten gegeben wird, so wie ich ihn meiner Meinung nach am liebsten sah/sehe und am Besten finde. Tom Hanks, dessen Name jedem wohl ein Begriff ist und wohl niemanden mehr erklärt werden muss, erteilt mit seiner Rolle des Rays in Meine teuflischen Nachbarn der in diesem Film eigentlich verlogenen und heuchlerischen Kleinbürgerlichkeit eine Ohrfeige und wirbt unterschwellig, aber ohne erhobenen Zeigefinger für Toleranz und Liberalität.

An Hanks Seite als seine Frau Carol, die schon bald entdeckt, was sich hinter der biederen Fassade ihres Mannes und der meisten Nachbarn verbirgt, wird von sympathisch ehrlich und authentisch von Carrie Fisher dargestellt, die wir als Prinzessin Leia aus (den letzten drei Star Wars-) Krieg der Sterne-Filmen kennen und als Fan des Science Fiction-Epos wohl auch lieben^^ Fishers Charakter Carol entdeckt als erstes, dass das Misstrauen ihres Mannes und der sich gegenseitig anstachelnden Nachbarn nur der Auftakt zu einer Hexenjagd im kleinem Stil, aber nicht minder gefährlich ist, doch merkt sie schnell, dass alle ihre Bemühungen ihrem Mann Vernunft und Rationalität beizubringen von dem Wunsch nach einer Abwechslung, wenn auch auf Kosten von anderer stärker ist. Na ja, ganz ehrlich gesagt, kann ich Ray verstehen, dass er den neuen Nachbarn namens Klopeks skeptisch gegenüber steht, wie die auch ausschauen^^  Und wahrscheinlich geht es nicht nur mir als Zuschauer so, dass wir uns wünschen, dass die Klopeks allen Befürchtungen entsprechen, die sich die guten Kleinbürger ihn ihrem sich bis zum Wahn steigernder Paranoia auszumalen vermögen.

Kurz um, die Botschaft des Filmes ist einfach und klar: Toleranz den gegenüber, auch wenn sie etwas seltsam oder fremd erscheinen. Aber es wäre kein Joe Dante-Film, wenn es nicht langsam aber sicher immer bizarrer und übertriebener zugehen würde, das zweifel beim Zuschauer aufkommen würden, ob vielleicht in diesem Falle das Misstrauen doch gerechtfertigt ist und dass vielleicht manche Leute eben genau so sind, wie sie auch wirken. Im Falle der Klopeks kann man vom Schlimmsten ausgehen, vielleicht sogar wie überspitzt von der nun auf die Neuankömmlinge in der Heilen Welt-Siedlung eingeschworenden Nachbarschaft befürchteten Kannibalismus :-) Und Joe Dante schürt mit einer Brise schwarzen Humors und sogar Gruselfilm-Elementen das Misstrauen und beschämt kurzer Hand einem dann in dem alles aufdeckt und man sich selbst als Zuschauer eingestehen muss, dass man sich von der Hexenjagd hat anstecken lassen-

Klopeks oder Flodders…. eines haben sie gemeinsam: sie sind nicht umsonst unerwünscht 

Mein Lieblings-Charakter mitunter Hanks und Bruce Dern als der Patriot schlechthin, der in seinem Vorgarten stets die Flagge hisst und im Jeep mit Stahlhelm sitzend dem Krieg hintertrauert, ist Henry Gibson, dem Nazi-Anführer aus Blues Brothers,  der in Meine teuflischen Nachbarn das seltsam unheimliche Klopek-Oberhaupt spielt und bei dem man nie ganz sicher sein will, ob alle Vorwürfe, die gegen ihn und seine Sippschaft erhoben werden, nicht vielleicht doch gerechtfertigt sind.  Gibson, der 2009 im Alter von 73 Jahren leider verstarb, zeigt hier sein Talent den Zuschauer in die Irre zu führen, ihn immer wieder aufs Neue zu überraschen und mit seinem einzigartigen Charme in den Bann zu ziehen.

Ron Howard. den viele vielleicht noch aus der Kult-TV-Serie “Happy Days” als Richie, dem Freund von dem Inbegriff der Coolness, Arthur “Fonzie” Fonzalrelli, kennen werden, wahr in meine Teuflischen Nachbarn als Executive Producer tätig, während die Musik von Jerry Goldsmith stammt, der schon die Filmmusiken zu Rambo II, Poltergeist 1+2 und anderen bekannten Kinostreifen komponierte und auch in Meine teuflischen Nachbarn spannende sowie auch komische Situationen perfekt untermalt und gewisse Szenen gerade zu unterstreicht.

     Mir persönlich gefällt Meine teuflischen Nachbarn sehr gut und nicht nur, wegen den vielen bekannten Darstellern, sondern weil dieser Film einer der ist, die die lustigen Komödien der 1980er wiederspiegeln, in denen nicht nur niveauloser Stumpfsinn, sexistische Anspielungen bzw. Andeutungen und Fäkalhumor durch spätpubertäre Jungdarsteller oder Silikon-Aktienbesitzerinnen eingesetzt werden, der trotz seiner eigentlich intelligenten Aussage noch dazu unglaublich witzig ist und einen gewissen Charme besitzt, den eben nur die Filme aus diesem Jahrzehnt besitzen können und trotz ihrer überspitzten Darstellungen authentisch wirkende Schauspieler, denen man gerne zusieht wie sie ihre Schwächen und Stärken ausleben.

Auf DVD sowie auf VHS ist meine teuflischen Nachbarn von Universal veröffentlicht worden und verspricht herrlich komische, aber keineswegs dümmliche Popcorn-Unterhaltung, die man am besten in einer kleiner Runde genießt, weil es oft einfach mehr Spaß macht gemeinsam als alleine zu lachen.