Road House (1989)

USA 1989
mit Patrick Swayze, Kelly Lynch, Sam Elliot, Ben Gazzara…
Drehbuch: David Lee Henry, Hilary Henkin
Regie: Rowdy Herrington
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Der professionelle Rausschmeißer Dalton soll die heruntergekommene Bar “Double Deuce” auf Vordermann bringen. Schnell merkt er, dass er mit mehr als nur ein paar Trunkenbolden aufzuräumen hat. Sein Gegenspieler ist der skrupellose Wesley, der mit seinen Mannen nicht nur die Bar, sondern auch die gesamte Stadt terrorisiert, indem er Schutzgeld erpresst. Zu allem Überfluss verliebt sich Dalton in Wesleys Ex-Freundin Elizabeth. Wesley sieht rot und holt zum Gegenschlag aus. Doch er hat sich mit dem Falschen angelegt!

Jeder von uns kennt dieses Phänomen: Auf den ersten Blick, maximal, mittelmäßige Filme, die aber, wenn man genau hinschaut, doch irgendwie geil sind. So ging es mir, nach langem Wiederanschauen, bei „Road House“ aus dem Jahr 1989. Nicht falsch verstehen, der Film ist immer noch ein etwas muffiger Versuch, einen harten Action-Film auf die Beine zu stellen, jedoch ist es das Auswalzen von diesem leicht trashigen und unfreiwillig komischen Subtext, den man wohl nur SO in den 80er Jahren findet. Bühne frei für Patrick Swayze als härtester Türsteher der Welt.

1987 landete Frauenschwarm Swayze mit dem bieder schnulzigen Tanzfilmchen „Dirty Dancing“ einen gigantischen Erfolg. Wie aus dem Nichts schoss der attraktive Hüftengrabscher auf den Olymp der Frauenträume. Alle Frauen wollten mit ihm auch mal schmutzig tanzen und sich „She’s like the Wind“ in das Ohr hauchen lassen, während viele Männer neidisch auf den Schönling waren und auch gerne so toll gewesen wären, vielleicht wollten ein paar auch mit ihm schmutzig tanzen, aber das soll uns jetzt nicht interessieren. Doch der gute Patrick hatte Angst. Angst davor in einer Schublade zu stecken und ewig den Lover-Boy geben zu müssen. Deswegen musste nach „Dirty Dancing“ gleich etwas ganz Anderes her. So ließ sich Swayze zu dem 1989er Action-Vehikel „Road House“ überreden. Ein Film den man gesehen haben sollte, weil so unendlich Spaß macht. Nicht weil er sehr gut wäre, sondern weil er zwischen den Zeilen wunderbar doof und auch ziemlich homoerotisch ist. Aber der Reihe nach! Nach den sehr schönen, rosafarbenen Credits eröffnet uns der Film ein neues Paralleluniversum. Nämlich eines in dem es tatsächlich so etwas wie Türsteherlegenden gibt. Swayze spielt nämlich Dalton, einen Türsteher/Rausschmeißer mit Philosophieabschluss und jeder kennt ihn. Wenn er jetzt einen anderen Beruf ausüben würde, zum Beispiel Auftragskiller oder Berufsschläger für reiche Bonzen, wäre das ja ok aber Türsteher? Das ist so, wie als hätte man Briefmarkensammlerlegenden. Eine seltsame Welt aber wir müssen uns damit abfinden, dass Türsteher mindestens den Status eines David Hasselhoffs in „Knight Rider“ haben. Was dann folgt ist relativ schnell erzählt. Dalton wird von einem Typen angeheuert, der aussieht wie Stefan Raab, wenn wieder Brunftzeit ist. Dalton soll seine Bar, irgendwo im Nirgendwo, auf Vordermann bringen und für Ordnung unter den leicht zur Gewalt neigenden Hinterwäldlern sorgen. Während er ihm dies erzählt, begafft er Swayze sehr auffällig, der sich gerade Oberkörper frei verarztet, da geht es schon los. Und warum er seinen Job in einer Großraumdisco aufgibt, um in einer Kaschemme, wie dem „Double Deuce“, anzuheuern, kann mir keiner erklären. Im „Double Deuce“ herrscht gemäßigte Anarchie und Dalton bändigt die wilde Bauernmeute. Dass er zwar immer „Always be nice“ sagt aber gleichzeitig auch einen Raudi krankenhausreif schlägt übersehen wir mal an dieser Stelle. Jedenfalls kommt er schnell in Konflikt Ben Gazzara, der überall Schutzgeld erpresst, weil Dalton seinen Neffen feuert, da er diesen beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr erwischt, Alles klar. Der Rest der Handlung ist eigentlich ersichtlich und dürfte den meisten wohl bekannt sein. Aber genau diese bizarren Situationen machen den Film so unterhaltsam. Hier werden die 80er zelebriert, eine Zeit in der Rosa noch männlich war und skurrile Frisuren zum guten Ton gehörten. Und genau das zelebriert „Road House“. Dazu kommt noch die unterschwellige Homoerotik. Dies schlägt sich, nur als Beispiel, in den Sex-Szenen nieder, in denen die Kamera entweder komplett A-Sexuell bleibt und nicht den geringsten Hauch von Erotik erzeugt oder sie verharrt auf Swayzes schwitzigem Körper. Wenn dieser dann, fast nackt, seine Gymnastikübungen zelebriert und die Kamera auf seinem verschwitzten Oberkörper ruht, dann fühle ich mich glatt an „Staying Alive“ erinnert, der ähnlich in seiner unterschwelligen Homoerotik schwelgt. Wenn dazu noch der Bösewicht, der seltsamer Weise genau gegenüber wohnt, ihn dabei mit leicht zufriedenem Gesichtsausdruck begafft, dann stellt sich bei mir die Frage ob er nicht einfach in Swayze verliebt ist. Leider wird diese Frage nie beantwortet. Es ist wie in einem Pornofilm, nur ohne Action und man würde Interaktionen nur andeuten, um dann gleich abzublenden, bevor es ans Eingemachte geht. Apropos Bösewicht. Ben Gazzara ist jetzt nicht der böseste Mensch auf der Welt. Gut, er kassiert Schutzgeld, das ist natürlich moralisch fragwürdig, aber es wehrt sich auch keiner gegen ihn. Ok, wäre wahrscheinlich auch schwierig, da wir als Zuschauer nichts von diesem Kaff zu sehen bekommen, außer die „Ich sauf mich tot“-Kneipe, ein Autohaus und eine Tankstelle, sowie die Bauernhütte, die Swayze gepachtet hat, die von innen übrigens wie ein Loft aussieht. Ihr seht, es ist schwer „Road House“ komplett zu ergründen.

Aber wir befinden uns in einem „Action-Film“, weshalb wir uns fragen müssen: Kann die Action etwas? Naja. Die Prügelszenen sind ganz nett gemacht, auch wenn sie etwas schnarchig wirken. Mir fehlt leider die Dynamik bei den Kämpfen, was diese Situationen eher etwas muffig erscheinen lässt. So zum Beispiel die Kampfszene, in der sich unser Türsteher plus, Dalton, mit Ben Gazzaras obersten Henchman messen muss. Ganz ordentlich choreographiert aber irgendwie so behäbig geschnitten, dass ich nicht so mitgehen kann. Und wenn der Fiesling Dalton noch ins Ohr flüstert, dass er Kerle wie ihn im Knast durchgebumst hat, dann fühle ich mich in meinen Theorien noch weiter bestätigt. Es sind halt weniger die Keilereien, sondern die unfreiwillige Komik, die mich bei Laune halten. Alles ist etwas zäh aber auch irgendwie geil. Wenn nur die Darsteller auch so viel Spaß hätten, wie ich, dann wäre alles gut, nur leider wirkt die Realität auf mich anders. Patrick Swayze gibt zwar eine gute Figur ab, vor allem bei den Action-Szenen, jedoch spielt er extrem belanglos. Oftmals habe ich das Gefühl, als wäre er gar nicht richtig da, also vom Kopf her. Vielleicht dachte er auch nur die ganze Zeit an knackige Männerärsche oder den Gehaltsscheck, den er für diesen Film kassieren würde. Sein Love Interest Kelly Lynch, oh die habe ich noch gar nicht erwähnt, ist aber egal, die hat eh nicht wirklich viel zu tun, wirkt ebenfalls blass und ist einfach nur nett anzuschauen. Ben Gazzara als fieser Schutzgeldeintreiber, der gerne mit seinem Rasenmäher Traktor durch den Garten fährt, wirkt mit seinem Dauergrinsen, als wären seine Medikamente etwas hochdosiert. Trotzdem spielt er ganz gut. Mein persönliches Highlight ist aber Sam Elliot, der ja ziemlich cool ist, wie wir spätestens seit „The Big Lebowski“ wissen. Auch hier liefert er eine coole Performance ab, jedoch war ich fassungslos, als ich feststellte, dass er den ganzen Film die originale Farah Fawcett-Frisur aufträgt. Ich musste kurz auf „Pause“ drücken, weil ich das erst mal verarbeiten musste. Man erwartet eigentlich die ganze Zeit, dass Sam Elliot nochmal in einem hautengen Latex-Anzug zu einem Kampf auftaucht, nur leider wird diese Hoffnung enttäuscht. Ihr seht, „Road House“ ist schon geil. Ein Film, der einfach total Spaß macht und den ich jedem empfehlen kann. Er funktioniert zwar auch als nettes Swayze-Vehikel für zwischendurch aber für diejenigen, die auch mal genauer hinschauen, ist dieses Machwerk eine wahre Schatztruhe für Skurrilitäten und trashigen Spaß. 2006 gab es noch eine Resterampen-Fortsetzung direkt auf DVD, die aber nicht viel mit dem Original zu tun hat und die ich auch nicht gesehen habe. Es reicht mir zu wissen, dass es sie gibt.

 

„Road House“ aus dem Jahr 1989 markierte den Versuch Patrick Swayzes aus seinem „Dirty Dancing“-Image auszubrechen. So ganz geglückt ist ihm das nicht, denn als Action-Film ist dieser Streifen etwas mäh. Wer jedoch Party-Filme sucht, bei denen man sich mit etwas Alkohol an den unfreiwillig komischen Details und an den 80’s-Flair laben kann, dem sei der Film wärmstens ans Herz gelegt. Und denkt daran: „ALWAYS BE NICE!“

 

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