Rosso – Die Farbe des Todes (1975)

Während eines Kongresses für Parapsychologie kommt es zu mehrern Morden. Ein Mann, der einen Mord beobachtet hat, steht bald im Verdacht, der Täter zu sein, und will den Fall daher selbst lösen. Gleichzeitig ist er aus diesem Grund auch im Visier des wirklichen Täters.

 

Dario Argento gehört sicherlich zu den Regisseuren, die ein Genre entscheidend mitgeprägt haben. Ohne Argentos stilbildende Arbeiten wäre das Horror-Genre heute sicherlich anders, hat der gebürtige Italiener doch zu viele Klassiker geschaffen, die in Sachen Kamera, Musik, Schnitt und Bildkomposition klar aus der Masse herausstachen und viele junge Regisseure nachhaltig beeinflusst haben. Der 1975 erschienene „Profondo Rosso“ eröffnet quasi das künstlerische Oeuvre des Giallo-Papsts und läutet damit die Ära des visuellen Horrorfilms ein.

„Profondo Rosso“ ist durch und durch ein Giallo und bedient sich bei den gängigen Plot Bausteinen. Behandschuhter Mörder, die ermittelnde Privatperson, ein Geheimnis in der Vergangenheit und so weiter, alles Themen die Argento bereits in seinen Vorgängerwerken „The Bird with the Crystal Plumage“, „The Cat o’nine Tails“ und „Four Flys on grey Velvet“ stellenweise verwendete. Während diese Filme aber eher eine standatisierte Krimi-Optik innehatten, erhöht der gute Dario hier seine Inszenierung auf ein ganz neues Level. Seine extravagante Regie und Farbdramaturgie hüllt den Film in eine fast schon psychedelische Athmosphäre. Starke Kontraste, grelle Farben, alles Stilmittel, die er noch mit „Suspiria“ perfektionieren sollte, kommen hier und da schon zum Einsatz. Die langen Kamerafahrten, das Spiel mit Licht und Schatten und der pointierte Schnitt erzeugen hierbei ein visuell andersartiges Filmerlebnis, welches einen besonderen Stellenwert innerhalb der Kinogeschichte hat. Deshalb war Argento immer der Künstler unter den Genre-, speziell den Horrorregisseuren. Es werden Gemälde bekannter Künstler bildlich zitiert und gewisse Szenen lassen an klassischen Pop-Art erinnern. Dazu ein wesentlich höherer Härtegrad als in seinen vorherigen Arbeiten. Keine Splatter-Exzesse, aber durchaus graphisch harte Shots, die erruptiv und plötzlich eingesetzt werden. Immer wieder im Bild erscheinende Symbole wie Puppen, Messer und Nadeln (generell Phallussymbole), markieren ein schon surreal anmutendes Gefühl.


Hervorzuheben ist natürlich der Soundtrack. Argento arbeitete das erste Mal mit der Band „Goblin“ zusammen, die später noch andere Werke des Regisseurs, sowie den Klassiker „Dawn oft he Dead“ von George A. Romero vertonen sollten. Ihre ebenfalls psychedelischer Sound, bestehend aus Synthesizer Teppichen und Progressive Rock Elementen fügen sich perfekt in den Film ein und kreieren eine ganz eigene Stimmung, wie es sie nur bei Argento gab. Natürlich muss man dazu sagen, dass er nie der große Storyteller war. Nicht nur bei „Profondo Rosso“ harpert es bei manchen Dingen an konsequenter Logik oder Originalität, auch bei anderen Werken sind die Geschichten nicht immer das Gelbe vom Ei. Sie erfüllten immer ihren Zweck und passten sich der Vision Argentos an, der nach wie vor eher zu der Kategorie „Style over Substance“ zu zählen ist. Wer Giallo-Fan ist wird sicher nicht enttäuscht. Die Darsteller geben alle ihr bestes und vor allem David Hemmings gefällt als Protagonist, da er trotz Heldentum irgendwie eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Daria Nicolodi, Argentos spätere Lebensgefährtin, wird derweil teilweise etwas anstrengend, bildet aber einen guten Gegenpol zu Hemmings.

„Profondo Rosso“ ist nicht das Maß aller Dinge. Die Story übt sich gängigen Konventionen aber besticht derweil durch eine visuell extravagante Inszenierung und nimmt somit einen besonderen Stellenwert in Dario Argentos Filmographie ein. Für jeden Giallo-Liebhaber ein Muss, für Genre-Fans auch. Toller Soundtrack und wundervolle Stilmittel machen diesen Film zu einem künstlerisch ambitionierten Werk und bietet eine gute Vorstufe zu „Suspiria“.

Der Film ist ungekürzt auf Blu-Ray und DVD in Österreich über XT Video erhältlich, auch über das deutsche Label „Dragon“. Die weiteren deutschen Auflagen sind jeweils gekürzt!!!