Samurai Cop (1991)

 

USA 1991
mit Matt Hannon, Mark Frazer, Robert Z’Dar…
Drehbuch: Amir Shervan
Regie: Amir Shervan
Länge: 96 Minuten
FSK: Ungeprüft

Die Katana-Gang, eine Organisation von Japan-Amerikanern kontrolliert alle Arten des Verbrechens im Little Tokyo-District von Downtown Los Angeles. Ob Glücksspiel, Erpressung oder Drogenhandel, unter der Führung des Bosses Fujiyama und mit der brutalen Gewalt ihres Vice-Bosses Yamashito (Robert Z’Dar) werden alle feindlichen Gangs erbarmungslos ausgeschaltet. Auch in den eigenen Reihen gibt es keine Gnade – Verrat und Versagen werden mit dem Tod bestraft. Deshalb gelingt es der Polizei nicht, den raffinierten Verbrechern etwas nachzuweisen. Doch dann holt Officer Frank (Mark Frazer) seinen Freund Joe Marshal (Matt Hannon) den “Samurai Cop” zu Hilfe, der in Japan in allen japanischen kriegerischen Kampfarten ausgebildet wurde. Die beiden Freunde haben sofort Erfolg und stellen ein Drogenschiff sicher. Darauf reagiert die Katana-Gang mit einer Welle brutaler Gewalt gegen die Polizei. Es kommt zu gnadenlosen Kämpfen zwischen dem Samurai Cop und den Verbrechern…

Wie es viele schon bemerkt haben, habe ich eine Vorliebe für Trash-Filme. Aber im Gegensatz zu anderen Trash-Guckern, kann ich deren Begeisterung für neuere Müll-Produkte, wie „Sharknado“ oder anderen Auswürfen von Firmen, wie eben „The Asylum“, nicht ganz teilen, da man hier bewusst auf das Schlechte setzt. Meine Affinität bezieht sich auf, vorwiegend, ernst gemeinte Genre-Werke, die aber komplett gegen die Wand gefahren wurden. Ein solcher Film ist definitiv „Samurai Cop“. Der 1991 entstandene Low-Budget Action-Film erlangte über die Jahre ein gewisses Kult-Following, welches ich durchaus nachvollziehen kann, denn der Film ist eine obskure, absolut inkompetente, sowie unfreiwillig komische Perle des schlechten Geschmacks, die man unbedingt mal gesehen haben sollte.

Ich bin ja ständig auf der Suche nach schlechten Filmen, die total Spaß machen. Schon vor längerer Zeit bin ich auf „Samurai Cop“ gestoßen, der bei C-Movie Fans relativ hoch in der Beliebtheitsskala zu stehen scheint. Und was soll ich sagen? Es ist großartig! Ich habe mich schon lange nicht mehr so köstlich amüsiert, denn „Samurai Cop“ ist ein Spaß für die ganze Familie, wenn man Ratespiele mag, aber dazu später mehr. Der Film wurde 1991 gedreht, wirkt aber wie Mitte der 80er Jahre, so im Fahrwasser von „Beverly Hills Cop“ oder anderen Buddy-Cop Filmen. Erst mal das positive vorneweg: Der Film besitzt eine stringente Story, die zwar teilweise nicht sonderlich logisch ist, aber immerhin ist sie, man könnte sagen, kohärent erzählt, das war es schon. Die Polizei von Los Angeles ist machtlos im Kampf gegen die Yakuza, weshalb Joe Marshall, der sagenumwobene „Samurai Cop“, aus San Diego herbeigerufen wird, um den bösen Buben das Handwerk zu legen. Joe Marshall sieht aus wie Thomas Anders auf Steroiden und sein größtes Interesse, neben den „Ermittlungen“, ist das Flachlegen von Frauen, wirklich jede Frau. Es vergeht kaum eine Szene, in der er nicht irgendeine Dame zum Ficken überreden will, was ihm meistens auch gelingt. Manchmal mutet das Ganze an, wie ein Pornofilm, bei dem man die Hardcore-Inserts herausgeschnitten hat, vielleicht hat der Regisseur ja eine Alternativfassung im Keller. Das witzige ist auch, dass die Bösewichte, also die berühmt berüchtigte „Katana-Gang“ jedem bekannt zu sein scheint. Selbst der Polizeichef, sowie der ganze Rest des Reviers weiß wer diese Gangster sind und wer ihr Boss ist, doch niemand sieht sich im Stande etwas gegen die Schlitzis zu unternehmen, aber dafür haben wir ja Thomas Anders, äääh Joe Marshall, sorry! Im Film passiert dann eigentlich recht wenig. Die Cops kämpfen halt immer mal wieder gegen die Gangster, bis am Ende halt alle tot sind. Das muss ja an für sich nicht schlecht sein und andere zaubern aus solch einer Prämisse wirklich coole Action-Filme, doch Regisseur Amir Shervan ist, gelinde gesagt, die Quintessenz der Inkompetenz! Das fängt bei der Action schon an. Normalerweise war es ja üblich, dass man für solche Streifen, mit Martial-Arts Elementen, immer jemanden zur Verfügung hatte, der solche Kampfkünste durchaus beherrscht. Hier allerdings war keiner Verfügbar, so dass alle, inklusive unserem Hauptdarsteller, lediglich Martial-Arts Moves imitieren, die sie in anderen Filmen gesehen haben, und das halt auch nur so mittelgeil. Selbst die Shootouts sind erbärmlich schlecht. Hier gibt es keine Choreographien oder den Anflug von Dynamik. Hier wird geschossen und irgendeiner fällt halt um. Teilweise werden ganze Einstellungen kopiert, weil kein Mensch Bock hatte, sich eine coole Actionchoreographie auszudenken. Beispiel: Gangster schießt auf „Samurai Cop“, „Samurai Cop“ kommt hinter einer Ecke hervor und schießt zurück! Solche Einstellungsabläufe werden dann bis zu vier Mal am Stück wiederholt, so kann man auch Geld sparen. Ein weiteres Kuriosum ist definitiv der Schnitt und die Tatsache, dass man hier anscheinend sehr viel nachgedreht hat und das teilweise ganze Szenen über mehrere Monate entstanden sein müssen. So scheinen einzelne Charaktere, obwohl sie gemeinsam in einer Szenerie sein sollen, an unterschiedlichen Orten aufgenommen worden zu sein. Das ist am schönsten im ersten Drittel des Films zu bewundern, in dem der „Samurai Cop“ und sein, natürlich, schwarzer Sidekick in ein Restaurant gehen, um die „Katana-Gang“ dumm anzumachen, eine super Idee. Während dieses Dialogs, zwischen unseren Cops, dem Gangster-Boss, dessen Anwalt und des obersten Henchman, scheint keiner der Beteiligten jemals im selben Raum gewesen zu sein. Man sitzt förmlich da und überlegt sich, wer wo stehen könnte. Ich war schon kurz davor Skizzen zu zeichnen. Das kommt mehrmals im Film vor, was meinen „Nachdreh“-Verdacht durchaus bekräftigen würde. Ein anderes Ding ist die Sache mit den Sets, was ebenfalls Nachdrehs geschuldet sein könnte. Hier wechseln Kulissen einfach hin und her. In einer Szene, in der der „Samurai Cop“ mit einem asiatischen Gangster kämpfen muss, wechselt mehrmals die Szenerie. Erst sind sie in einem Park, dann Cut, nun stehen sie vor grünen Bäumen, dann Cut, auf einmal stehen sie in einer fucking Wüste. WHAT!?

Es passiert wirklich in Einstellungen. Der Film ist schon fast ein Fragment. Das ist auch an den Haaren des „Samurai Cops“ zu erkennen, denn diese wechseln auch in Einstellungen von seiner richtigen Mähne, zu einer, sehr schlechten, Perücke. Was haben die beim Dreh gemacht? Das ist alles extrem kurios und zugleich faszinierend. Ein weiteres, extrem auffälliges Element, ist die Sache mit der Farbe. Viele Filme benutzen Film-Stock mit verschiedenen Farbtönen, um einer Szene eine gewisse Atmosphäre zu geben, „Amerikanische Nacht“ zum Beispiel. Hier hat man das auch gemacht, nur hat man mit verschiedenen Farben gedreht und hinterher vergessen eine Farbkorrektur durchzuführen. So sind wirklich ganze Szenen gelb, blau oder rot. Teilweise passiert dieser Wechsel ebenfalls in Einstellungen. Erst ist alles normal, dann Cut, alles hat einen Gelbstich, dann Cut, alles ist in kaltem Blau und nach zwei Einstellungen, die wieder normal sind, hat die Szene auf einmal einen roten Farbton. Das zieht sich auch durch den gesamten Film, was mich in der Vermutung bestätigt, dass Amir Shervan ein extrem schlechter Regisseur ist. Auch auf Darstellerseite gibt’s nicht viel zu holen. Matt Hannon, unser „Samurai Cop“ sieht lustig aus, hat lustige Gesichtsausdrücke und hat von Schauspiel noch nichts gehört. Wenn er nicht gerade jemanden erschießt, macht er dumme Macho-Sprüche und baggert jede, wirklich JEDE, Frau an, die gerade zufällig da ist. Zudem kann er genauso gut Martial-Arts, wie ich, also gar nicht. Wenn er dann kurz vor dem Finale im Lederbadehöschen auftritt, ist es ein Fest. Sein Sidekick Mark Frazer spielt derweil, wie ein Eddie Murphy Imitator, der immer am Lachen ist. Ob das so sein soll, oder ob das Outtakes sind, die man vergessen hat herauszuschneiden, ist in diesem Fall nicht ersichtlich. Der Rest der Besetzung besteht aus unbekannten Laiendarstellern, wie die Polizistin, die sich auch von jedem ficken lässt, das Revierluder sozusagen. Einzig Robert Z’Dar als Henchman Yamashita könnte man kennen, immerhin hat er in drei Filmen als Matt Cordell, der „Maniac Cop“ geglänzt. Der Film wurde nie im Kino veröffentlicht und zerrt lediglich von seinem Trash-Appeal. Trotzdem bekam er im Jahr 2015 ein Sequel unter dem Titel „Samurai Cop 2 – Deadly Vengeance“ spendiert, wieder mit Hannon und Frazer.

„Samurai Cop“ ist eine spaßige Trash-Granate. Ein extrem inkompetent inszenierter Low-Budget Action-Film, der ab Minute 1 durchgängig Spaß macht und dessen Scheißigkeit wunderbar unterhält. Ein Muss für jeden Trash-Fan und diejenigen, die sehen wollen, was schlechte Regie bedeutet. Ein fast schon biblisches Fragment des Exploitation-Kinos, was zum Mitraten einlädt und in bierseliger Runde durchaus ein Kracher sein kann.