Sartana (“Mille dollari sul nero”) (1966)

Johnny Liston saß zwölf Jahre für einen Mord im Knast, den er nicht begangen hat. Nach seiner Entlassung erfährt er, dass sein Bruder Sartana seinen Heimatort beherrscht und die Bürger mit Hilfe einer Horde Banditen tyrannisiert. Johnny will sich Sartana entgegestellen, doch niemand will ihm beistehen – außer dem stummen Jerry und Joselita, die Tochter des angeblich von ihm Ermordeten.

 

In den 60ern erfreute sich der Italo-Western, auch Spaghetti-Western genannt, großer Beliebtheit. Klassische amerikanische Stoffe, quasi das amerikanischste Genre, wurde von den Italienern gnadenlos demontiert. Hier ging es rau und brutal zu, frei von Helden. Hier haben die Anti-Figuren die Oberhand. Durch Sergio Leone’s “Für eine Handvoll Dollar” wurde dieses Genre populär und flimmerte in Dauerschleife über die Leinwände in amerikanischen B-Film Kinos. Auch bei uns liefen diese Filme gut. Bevor ich mich irgendwann mit den großen Klassikern befasse, sollen auch etwas unbekanntere Titel vorgestellt werden. Bühne frei für “Sartana”.

“Sartana” gehört zu den Kultfiguren des Italo-Westerns. Neben dem “Fremden ohne Namen” oder “Django” war diese Figur in einigen Filmen zu bewundern, meist dargestellt von Gianni Garko. Jedoch hat dieser Film hier wenig damit zu tun. Zwar war es der erste Film in dem Garko besagte Figur spielte, jedoch wird er nicht zum gängigen Film-Kanon gezählt. Wo er in späteren Filmen der “Held” war, ist “Sartana” hier der brutale Antagonist. Ein General der eine Gegend irgendwo in der Wüste im Würgegriff hat und sich nur mit Terror Respekt verschafft. Sein Bruder Johnny (gespielt von Anthony Steffen, ebenfalls ein bekanntes Gesicht jenes Genres) hat 10 Jahre unschuldig im Gefängnis schmoren müssen, für einen Mord, den er nicht begangen hat. Nun kehrt er zurück und sieht Sartanas Methoden als Unrecht an und nimmt den Kampf gegen den eigenen Bruder auf.
Ein klassischer rauer Italo-Western, schnörkelos und auf das wesentliche konzentriert. Es wird geprügelt, geschossen und in coolen Posen verharrt, all die Stilmittel, die Leone etablierte finden sich hier in diversen Variationen wieder, wie bei den meisten Filmen dieser Gattung. Die Beziehung zwischen Johnny und Sartana, sowie auch zu deren Mutter ist gut herausgearbeitet und bilden den dramatischen Aspekt, genauso wie die gescholtene Figur Jerry, der von Sartana gequält und ausgebeutet wird. Generell zitiert der Film ausgiebig das Motiv von “Kain und Abel” und reigt sich in die Reihe weiterer Filme ein, die sich bei Bibel Geschichten und Elementen klassischer Literatur bedienten. Auch Johnny muss sich sein Ansehen verdienen und so kommt es zu diversen Konflikten, die alle relativ interessant sind und gute Gegenpole zum sonst oft verwendeten Rache-Motiv bilden, welches auch hier seinen Platz hat. Durch die Bank gut inszeniert und gespielt, wobei Regisseur Alberto Cardone weit weniger eigenen Ton in den Film bringt als ein Leone oder Corbucci. Auch der Soundtrack von Michele Lacerenza it stimmig und orientiert sich stark an Maestro Ennio Morricone, wie fast jeder Komponist damals.
Nach “Sartana” entstanden weitere Filme um die Titelfigur, in denen sie jedoch komplett uminterpretiert wurde, die mit platteren Storys und albernen Synchros zu komischen bis trashigeren Genre-Produkten wurden. Dabei spricht man von den Gianni Garko-Filmen “Sartana – Bete um deinen Tod”, “Sartana – Töten war sein täglich Brot”, “Sartana kommt…” und die Granate “Sartana – Noch warm und schon Sand drauf”.

“Sartana” ist ein knackiger Spaghetti-Western, der gut unterhält aber durch fehlende Originalität und Besonderheiten in der Masse etwas untergeht. Doch eine gut komponierte Geschichte und gängig gute Genre-Elemente, machen den Film zu einem gelungenen Beitrag, besagter Film-Welle.

Der Film ist ungekürzt auf DVD erhältlich. In einer Italo-Western Box von “Koch Media” oder einzeln von “Xcess Entertainment” in einer schicken Hartbox.