Schizoid (1980)

USA 1980
mit Klaus Kinski, Caroline Williams, Christopher Lloyd
Drehbuch & Regie: David Paulsen
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Als fast sämtliche weibliche Mitglieder seiner Therapiegruppe von einem unbekannten Killer grausam mit einer Schere ermordet werden, gerät der Leiter der Gruppe, der Psychiater Dr. Peter Fales (Klaus Kinski) selbst unter Verdacht. Doch zum Glück befindet sich auch die Journalistin Julie (Marianna Hill) bei ihm in Behandlung, denn sie glaubt, dem wahren Täter auf der Spur zu sein. Dass sie sich bei ihren Nachforschungen alsbald selbst in Lebensgefahr begibt, realisiert sie erst, als sie selbst seltsame Morddrohungen mit der Post erhält…

Dass Klaus Kinski nie wählerisch war, was seine Rollen in Filmen anging, ist ja hinreichend bekannt. Viele wissen aber nicht, dass auch der gute Klaus mal einen Abstecher zu „Cannon-Films“, DIE B-Movie Kultschmiede in den 80er Jahren, machte. 1980 ließ er sich für den Slasher/Psycho-Thriller „Schizoid“ verpflichten. Vermummter Killer mit Schere, ein paar Mädels und Kinski, da kann ja eigentlich nichts schief gehen, vorausgesetzt man besitzt, wie ich, eine Affinität zu solch runtergerotzten Streifen. Die Antwort ist: Doch kann es!

„Schizoid“ war eine der ersten US-Produktionen von Menahem Golan und Yoram Globus, die zuvor schon die Kinokönige in ihrer Heimat Israel waren. Als sie die Firma „Cannon-Films“ erwarben, galt es günstige Genre-Filme zu produzieren, die sich größtenteils an beliebten Trends orientierten. Was lag also näher als ein Slasher-Film? Nicht viel, dachten sich zumindest die israelischen Erfolgs-Exporte. Ich mag einige Slasher, und das obwohl es ein relativ unflexibles Genre ist, denn man muss sich schon an gewisse Formeln halten, um es richtig zu machen, weswegen ich „Schizoid“ eine dumme Handlung nicht zum Vorwurf machen kann. Diese verläuft in den üblichen Bahnen: Killer massakriert diverse Damen, die alle eine Verbindung haben und nun liegt es am „Final-Girl“, hier eher „Final-Women“, weil als Girl geht die nicht mehr durch, den perfiden Scherenstecher in die Falle zu locken. Simpel, aber in vielen Werken doch effektiv. Nur leider kann „Schizoid“ wenig Effektives leisten. Zu generisch und farblos wirkt der Film. David Paulsen, der hier Regie führte, hat war 1980 ein unbescholtenes Blatt. Nach „Schizoid“ arbeitete er überwiegend für das amerikanische Fernsehen, unter anderem trat er als Produzent, Autor und Regisseur für die Kult-Serie „Dallas“ in Erscheinung. Für mehr war der gute David wahrscheinlich auch nicht zu gebrauchen, denn „Schizoid“ ist größtenteils Spannungsfrei und, was am ärgerlichsten ist, frei von Ideen oder inszenatorischen Spielereien. Zu keiner Sekunde blitzt Ambition auf. Lasche Bilder und eine lasche Stimmung definieren diesen B-Slasher. Nicht mal in den Prunkstücken, den Mordszenen, beweist Paulsen Feingefühl.

Diverse Thrill-Szenen hätten durchaus das Potential spannend zu sein, doch die Kamera verliert sich in starren Bildern, lieblosem Schnitt und auf ganz kleiner Flamme kochender Spannung. Nicht mal die Gore-Liebhaber kommen auf ihre Kosten, denn bis auf ein paar Wunden der Opfer, zeigt der Streifen nichts. Dabei hätte man hier wenigstens nettes Gekröse in Szene setzen können. Auch der eingebaute Romantik-Plot, zwischen Marianna Hill und Klaus Kinski, ist ziemlich schnarchig. Mal im Ernst, warum sollte eine relativ attraktive Frau mittleren Alters mit ihrem Psychiater poppen wollen, der auch noch von Klaus „DU DUMME SAU“ Kinski gespielt wird. Der ist das einzige ansehnliche im Film. Obwohl man ihm sein mangelndes Interesse und etwas Lustlosigkeit anmerkt, hat er dennoch eine Präsenz, die sich nicht von der Hand weisen lässt, dabei ist er für die Handlung relativ unwichtig. Auch das Intermezzo mit seiner Tochter bleibt belanglos, obwohl man sich da einem Twist versucht, der aber nicht so recht zünden will. Die Auflösung, des „Wer ist der Killer“ Humbugs, ist ebenso unspektakulär, kann man diese doch recht früh erraten. Zum negativen Gesamteindruck tragen auch die, nicht sonderlich talentierten, Darsteller bei. Kinski spielt routiniert, während seine Co-Stars wenig überzeugen und sich mit Klischeedialogen durch die Laufzeit quasseln. Lediglich Donna Wilkes als Kinskis Filmtochter ist ganz interessant anzusehen, auch wenn da mehr drin gewesen wäre, aber immerhin spielt sie ganz gut. Auch in einer Nebenrolle dabei: Christopher Lloyd, unser Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“ taucht als creepy Elektroinstallateur auf, ist aber belanglos für den Film.  So bleibt unter dem Strich ein schwacher Versuch, mit einem Trend Geld zu verdienen. Dass Cannon-Films unterhaltsame Filme produzieren können, haben sie in den Folgejahren bewiesen, doch hier ging das eher in die Hose. Die 9,99 Euro für die Blu-Ray hätte ich mir getrost sparen können.

„Schizoid“ aus dem Jahr 1980 ist als B-Movie genauso untauglich, wie als Slasher-Film. Langweilig, unspannend und ohne Gore, ja nicht mal Titten. Genreliebhaber sollten hier die Finger von lassen, denn auch wenn Klaus Kinski immer sehenswert ist, das Ruder herum reißen konnte auch er nicht. Ein halbgarer Thriller, den man getrost wieder vergessen kann.