Schock (1955)

Nach dem ersten erfolgreichen Start einer Raumfähre unter dem Banner des Vereinigten Königreiches ins All bricht nach kurzer Zeit ohne ersichtlichen Grund die Funkverbindung ab. Die Bodenkontrolle ist ratlos und und kann sich noch weniger erklären, dass nur noch von den drei Crew-Mitgliedern der Astronaut Victor Carroon überlebt hat, der wie paralysiert erscheint. Was ist an Bord bloß während des Verlustes des Funkkontaktes geschehen? Niemand weiß es. Carroon wird zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht, wo auch Professor Quatermass, der die Raumfähre konstruiert hat, versucht eine Erklärung für die Katastrophe zu finden. Die seltsame Gewebeveränderung an Carroons Arm lässt zu dem viele Fragen offen und niemand ahnt vorerst, dass diese sich zur Gefahr für die gesamte Menschheit entwickeln könnte. Als dann Carroon noch aus dem Krankenhaus fliehen kann, macht sich Professor Quatermass mit der Ehefrau des einzigen Überlebenden auf diesen zu finden, doch der steckt in einer unaufhaltsamen Metamorphose, die ihn in etwas außerirdisches verwandelt…

Schock oder im original The Quatermass Xperiment von 1955 ist der Auftakt zu einer dreiteiligen Spielfilmreihe, die sich mit den phantastischen Abenteuern um den britischen Professor Bernard Quatermass beschäftigt, der sich in den drei Spielfilmen eher in wissenschaftlicher Hinsicht anstelle als Actionheld mit extraterrestrischen Bedrohungen beschäftigt Beziehungsweise auseinandersetzt. Schock ist somit sein, also Quatermass’ erstes Science Fiction-Abenteuer, dass sich mit der Thematik der Raumfahrt und deren Risiken durch eventuelle ausserirdische Organismen beschäftigt.

Regisseur Val Quest, der auch 1976 bis 1977 mit drei Episoden an der Science Fiction Fernsehserie Mondbasis Alpha 1 beteiligte, schaffte es mit einem für damalige Verhältnisse für einen Kinofilm recht umfangreichen Budget von 45,000 Pfund einen spannenden und in mancher Hinsicht auch realistisch erscheinenden (jedenfalls zu Anfang) Film zu drehen, der vor allem durch Richard Wordsworth’s schauspielerischer Leistung als britischer Astronaut Victor Carroon aus der Masse der damals gedrehten Science Fiction-Filme mit Horrorfilm-Elementen aus England sowie aus den USA herausragt. 

 Wordsworth, der 1993 im Alter von 78 Jahren in England verstarb, spielte unter anderem auch in einigen Episoden der Science Fiction TV-Serie Die dreibeinigen Herrscher (The Tripods) aus den 1980ern mit und ist sozusagen der heimliche Star des ganzen Filmes neben Brian Donlevy, der in Schock sowie auch im zweiten Quatermass-Film Feinde aus dem Nichts Professor Quatermass zum besten gibt. Wordsworth hat in Schock vielleicht nicht den meisten Text zu sprechen, überzeugt aber durch seine Körpersprache und Mimik und schafft so eine unheimliche bis beängstigende Atmosphäre, in der man als Zuschauer jederzeit erwartet, das jeden Moment etwas erschreckendes passiert, was natürlich auch dem Make Up-Künstler Phil Leakley zu verdanken ist, der Wordsworth in einen gruselig unheimlichen Bild erscheinen lässt… (Szene zum Anfang, wenn Carroon vor sich abgemergelt vor sich hinstarrend untersucht wird). In gewisser Hinsicht stielt Wordsworth als Carroon (aber wohl eher unbeabsichtigt) Donlevy als Quatermass die Show, denn auf ihn richtet man die meiste Aufmerksamkeit und erwartet die meisten Überraschungen.

 Das heißt nicht, dass Donlevy keine gute Leistung erbringt, doch wirkt er in diesem ersten Abenteuer etwas steif, allerdings stellt er ja einen britischen Wissenschaftler da, die ja angeblich nie so impulsiv und überschwänglich dargestellt werden wie ihre amerikanischen Kollegen. Das es sich bei Schock um einen Film handelt, der von den Hammer Filmstudios stammt, ist ihm eigentlich eher wenig anzumerken, ist man aus dem Hause Hammer etwas anderes gewohnt. Viel eher, trotz der britischen Verhaltensweise seiner Charaktere und der Tatsache, dass der Film eben in Großbritannien spielt, könnte man meinen, dass es sich bei Schock um eine amerikanische Produktion handelt, auch wenn sie bei langem nicht so reißerisch wirkt und mehr auf Action und Heldentum abzielt, was aber nicht negativ gemeint ist.

 Die dramatische Musikuntermalung, die wiederum doch eher daran erinnert, dass es sich um einen Film der Hammer-Studios handelt, stammte von James Bernard, dessen Musik mir persönlich noch gut aus Die brennenden Augen von Schloss Bartimore oder Blut für Dracula mit Christopher Lee von 1966 im Gedächtnis geblieben ist und Schock eine gruselige und spannend packende Atmosphäre verleiht. Diese wird obendrein noch durch das grandiose Spiel von Licht und Schatten verstärkt, dass natürlich in schwarzweiß um einiges intensiver wirkt und die ganze Szenerie bedrückender und furchteinflössender gestaltet.

 Auch in Schock, der den treffenden englisch sprachigen Alternativtitel The Creeping Unknown – das schreckliche Unbekannte, wie ich es selbst übersetzen würde, trägt lässt das Monster erst zum Ende hin ins Blickfeld des Betrachters fürs Finale erscheinen und zeigt mal wieder deutlich, dass den Regisseuren und Drehbuchautoren der 1950er in ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt wurden.

Auch wenn das Monster erst zum Ende hin kurz gezeigt wird, steht in Schock die Metamorphose beziehungsweise die Verwandlung des Astronauten Carroon und die damit verbundene psychische, geistige und emotionale Veränderung im Vordergrund (ähnlich wie in David Cronenbergs Die Fliege). Und diese ist wahrlich beeindruckend und unterhaltsam in Szene gesetzt worden und machen Schock zu einem tollen, spannenden und eindrucksvollem Science Fiction-Horrorfilm.  

 Auch hier ist es leider wieder einmal der Fall, dass Schock alleine von Anolis in der Hammer Edition auf DVD veröffentlicht wurde. Und wie es so ist, hat der Film seinen Preis, den viele wohl – und zu denen gehöre ich auch – als unangemessen empfinden, auch wenn der Film ein großartiger Klassiker des phantastischen Filmes der Mitte der 1950er ist. Es wäe sehr zum Vorteil der Freunde von alten Science Fiction und Horror-Klassiker, wenn sich ein anderes Label ebenfalls die Rechte sichern würde, so dass man sich diese Filme leisten kann. Aber nichts desto trotz ändert das etwas an der Tatsache, dass es sich bei Schock umeinen tollen und vor allem gruseligen Film handelt der einige tolle Ideen aufweist.

Wertung: 8,5/10 Punkten