Schüsse im 3/4 Takt (1965)

Deutschland/Österreich/Frankreich 1965
mit Pierre Brice, Heinz Drache, Daliah Lavi, Charles Regnier…
Drehbuch: Herbert Reinecker
Regie: Alfred Weidemann
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Als ein einzigartiges Raketen-Steuerungsgerät der NATO gestohlen wird, kommt nur ein Mann für dessen Wiederbeschaffung in Frage: Geheimagent Philippe Tissot (Pierre Brice). Deckname: “Cäsar”. Da der Fall binnen weniger Tage gelöst sein muss, verliert er keine Zeit und findet auch schon bald eine Spur. Er nimmt den Nachtzug nach Wien, wo er das “Palladium” aufsucht. Nach außen ist das Varieté mit seinen Artisten nur eine Unterhaltungsbude. In Wahrheit verkehren dort aber zwielichtige Gesellen und gegnerische Spione, die diesen Ort des Amusements als Tarnung für ihre ebenso rücksichtslosen wie kriminellen Machenschaften benutzen. Für Tissot wird die Sache schnell lebensgefährlich, doch weiß er sich zu wehren. Zu guter Letzt geht die wilde Jagd nach dem Steuerungsgerät mitten durch Wien …

Sein Name war Brice, Pierre Brice! Der, 2015 verstorbene, französische Schauspieler dürfte jedem noch als Apachen-Häuptling „Winnetou“ in den legendären Karl May-Verfilmungen aus den 60er Jahren bekannt sein. Doch smarte Franzose hat auch noch in anderen Filmen mitgewirkt, die außerhalb des Western-Genres stattfanden. Auf der Höhe seiner Popularität war er im Agenten-Krimi „Schüsse im ¾ Takt“ (1965) zu sehen, mit dem man in Deutschland einmal mehr versuchte im Fahrwasser von „James Bond“ mitzuschwimmen. Ob diese Rechnung aufging, oder ob es sich dabei nur um ein klägliches Rip-Off handelt, erfahrt ihr in meiner ausführlichen Besprechung!

1965 war die, von Sean Connery gespielte, Figur „James Bond“ der große Kassenmagnet. Bereits drei Filme lockten ein Millionenpublikum weltweit in die Kinos, von denen wohl „Goldfinger“ (1964) die absolute „Bond-Mania“ auslöste. Ein gefundenes Fressen für Produzenten, die ähnlich gestrickte Agenten-Abenteuer runterkurbelten, um ein Stück vom Kuchen abzugreifen. Gerade in Deutschland verfolgte man dieses Konzept mit großer Hartnäckigkeit. Und weil Kriminalfilme sowieso gefragt und beliebt waren, streute man gern noch etwas Agenten-Thriller mit ein. „Schüsse im ¾ Takt“ startete mehr als ein halbes Jahr vor dem fünften Bond-Abenteuer „Feuerball“ und lief somit nicht Gefahr, mit dem Vorbild konkurrieren zu müssen. Diesen Kampf hätte der Streifen auch mit Pauken und Trompeten verloren, denn Alfred Weidemanns Euro-Spy Chose hat zwar seine Momente, ist jedoch in der Gesamtsumme ein sehr laues Plagiat, welches zudem relativ Spannungsfrei geraten ist. Für die Handlung griff man auf das klassische Ein mal Eins für Agenten-Plots zurück. Mal wieder muss ein besonderer „McGuffin“ gefunden und einkassiert werden. Dabei handelt es sich um ein NATO-Steuerungsgerät für Raketen, welches sich in den falschen Händen natürlich als nicht sonderlich erbaulich erweisen würde. Der Pariser Geheimdienst, immerhin handelt es sich um eine deutsch/französisch/österreichische Ko-Produktion, schickt daraufhin seinen besten Mann ins Feld, Agent Philippe Tissot. Der reist nach Wien, wo er im Dunstkreis eines Varietés ermittelt, welches sich als Tummelplatz für feindliche Agenten und Profikiller entpuppt. Der weitere Verlauf der Handlung bearbeitet die üblichen Versatzstücke. Es gibt zwielichtige Gestalten zu sehen, ein paar Mordanschläge werden verübt, hier und da gibt es etwas „Action“ und natürlich präsentiert uns der Film die üblichen Scharmützel, in denen Pierre Brice in bester Connery-Manier flirtet.

Im Endeffekt kann man nur sagen: Viel gewollt aber nicht wirklich gekonnt! „Schüsse im ¾ Takt“ tritt sehr auf der Stelle. Das liegt zum Großteil an der sehr konstruierten Handlung, die zwar die Trademarks abarbeitet, jedoch wenig Spannung erzeugen kann. Vieles im Film bleibt einfach nur blass. Da auch im Vergleich zu dem britischen Kollegen weniger Budget zur Verfügung stand, mangelt es dem Film vor allem am Spektakel. Hier mal etwas Haudrauf und dort eine kleine Schießerei. Dem Film fehlt das Aufregende, um mit den Größeren mitzuhalten. Zudem gestaltet sich der Film als zu verschwurbelt und unausgegoren, da man möglichst viel im Undurchsichtigen halten möchte aber somit auch keine Entwicklung stattfindet, also ist Wassertreten angesagt. Da hilft auch Weidemanns Inszenierung nicht, die zwar routiniert ist aber keine Highlights bietet. Immer mal wieder gibt es schöne Aufnahmen und die Stadt Wien sorgt für einige nette Bilder, jedoch reicht das nicht, um einen mitreißenden Film zu erzählen. Toll ist allerdings der, von Helmut Meeves gestaltete, Vorspann, der sich am Bond-Franchise orientiert aber durchaus originell daher kommt. Großes Manko ist allerdings die Besetzung. Pierre Brice mag ein guter „Winnetou“ sein aber er ist kein guter Geheimagent. Durch den ganzen Film bleibt er blass, hat einen Gesichtsausdruck zu bieten und versprüht, trotz seines guten Aussehens, keinen Charme. Zudem ist sein Schauspiel recht hölzern und da macht die Synchronisation von Gert Günther Hoffmann noch einiges wett. So ein Film brauch eben eine charismatisch schillernde Hauptfigur und genau das fehlt dem Streifen. Wallace-Held Heinz Drache kann da auch nicht mehr viel retten, denn der spielt wie Heinz Drache immer spielt. Aufgrund des eher schwachen Drehbuchs hat auch er keine Möglichkeit zu glänzen. Die israelische Sängerin Daliah Lavi macht da schon mehr her und hat auch einen schönen Gesangsauftritt. In den Nebenrollen finden sich auch weitere bekannte Gesichter, wie Charles Regnier, Walter Giller, Senta Berger und der junge Terence Hill, der hier noch unter seinem richtigen Namen Mario Girotti aufgeführt wird. Ich will den Film nicht schlecht machen, denn ich liebe die alten Krimis mit ihrer lockeren 60’s Atmosphäre und dem dazugehörigen optischen Charme. Und auch dieser Streifen hat dieses Flair, was ihn etwas aufwertet aber am Ende bleibt nur ein lauwarmes Rip-Off mit netten Momenten, nur ohne den Glanz. Zu loben ist aber die deutsche Blu-Ray, denn „Filmjuwelen“ hat den Film neu restauriert und auf blauer Scheibe veröffentlicht, die eine hervorragende Bildqualität bietet. Wenn jemand scharf darauf ist, sollte er zu dieser VÖ greifen.

„Schüsse im ¾ Takt“ versucht sich im Fahrwasser von „James Bond“ zu tummeln, nur fehlt dem Film das nötige Abzeichen, um im großen Becken schwimmen zu können. Alfred Weidemanns Euro-Spy Streifen bietet eine schöne Atmosphäre und die üblichen Handlungsmerkmale, kann aber nur leidlich Spannung aufbauen und bietet neben viel Leerlauf einen glanzlosen Hauptdarsteller! Für Nostalgiker sicher ein nettes Filmchen, für Bond-Fans, die nach Alternativen suchen, eher Ware zum liegen lassen!