Shocker (1989)

USA 1989
mit Peter Berg, Mitch Pileggi, Camille Cooper, Michael Murphy…
Drehbuch: Wes Craven
Regie: Wes Craven
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Der Massenmörder Horace Pinker (Mitch Pileggi) terrorisiert eine amerikanische Stadt, indem er nachts in die Häuser einsteigt und ganze Familien ermordet. Als er einen Großteil der Familie des Collegeschülers Jonathan Parker (Peter Berg) tötet und der Junge im Traum an dieser Hinrichtung teilnimmt, kann er nach längerer Jagd schließlich gestellt werden und endet auf dem elektrischen Stuhl. Doch Pinker hat einen seltsamen Pakt mit den Kräften der Dunkelheit geschlossen und ist durch die Hinrichtung als reine Energie immer noch äußerst tatkräftig. Er hat sich vorgenommen, Jonathan zu ermorden, zu dem er eine ganz besondere Beziehung zu haben scheint…

Horror-Altmeister Wes Craven besitzt eine sehr durchwachsene Filmographie. In ihr sind natürlich oft zitierte Meisterwerke, wie „Das letzte Haus links“ (1972), „Nightmare on Elm Street“ (1984) oder „Scream“ (1996) enthalten. Aber der gute Wes bewies nicht immer ein feines Händchen und griff mit Filmen, wie „Im Todestal der Wölfe“ (1985) oder „Vampire in Brooklyn“ (1995) auch mal kräftig in die Kloschüssel. Mit „Shocker“ (1989) erfuhr eines seiner etwas weniger prominenten Werke vor kurzem eine Neuauflage auf Blu-Ray. Ob sich der schräge Fantasy/Horror-Trip einer Anschaffung lohnt, erfahrt ihr in einer ausführlichen Besprechung.

1984 erschuf Wes Craven mit der Figur des Alptraum-Mörders Freddy Krueger eine Ikone des modernen Horror-Kinos. Der große Erfolg von „Nightmare on Elm Street“ (1984) zog mehrere Sequels nach sich, mit denen Craven, mit Ausnahme des dritten Teils, nichts zu tun hatte. Auch entfernte sich die Reihe mit jedem neuen Film von seiner ursprünglichen Vision und verkam zum albernen Grusel-Trash. Erzürnt über den Umgang mit seiner Idee, machte sich die Genre-Legende daran, einen neuen Horror-Schurken zu erfinden, der ebenfalls übernatürliche Kräfte besitzt. Heraus kam dabei „Shocker“. Die Geschichte dreht sich um den Massenmörder Horace Pinker, dessen liebstes Hobby es ist, Familien bei Nacht abzuschlachten. Als ihm die Polizei, mit Hilfe des Teenagers Jonathan, auf die Spur kommt, kann Pinker, nach weiteren Leichen, endlich hinter Gitter und auch auf den elektrischen Stuhl gebracht werden. Doch der Killer hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen und treibt, nach seiner Hinrichtung, als elektrisches Energiefeld sein Unwesen, sehr zum Leidwesen Jonathans, mit dem Pinker noch eine Rechnung offen hat. Es ist schwer „Shocker“ angemessen zu beschreiben, denn der Film ist wahrscheinlich einer der wildesten Werke Cravens. Der Drehbuchautor und Regisseur bedient sich bei seinem Grundkonzept sehr deutlich an „Nightmare on Elm Street“. So wird Pinker auch als eine Bestie beschrieben, die nach dem Tod weiterlebt und als übernatürliche Form weiter ihr Unwesen treibt. Auch ist hier das Thema „Träume“ wieder sehr präsent. Jonathan Parker, unsere Hauptfigur, besitzt eine Verbindung zu Pinker und träumt die Taten des Killers, parallel zu den echten Geschehnissen, was eine Art Telepathie darstellt. Craven bedient sich recht ungeniert bei sich selbst, was ihm aber nicht als „klauen“ unterstellen kann, da er diese Motive selbst entwickelt hat. Jedoch ist das Drehbuch weit weniger schnörkellos als es noch bei seinem 84er Meilenstein der Fall war. Viele Stellen im Film wirken sehr konstruiert und erzwungen, die Geschichte zieht den Zuschauer nicht so ganz in seinen Bann, zumindest was mich betrifft. Die erste halbe Stunde ist dabei noch sehr gelungen und verbreitet eine schöne Horror-Atmosphäre. Nach Pinkers Hinrichtung driftet das Ganze dann doch sehr in den phantastischen Bereich ab, in dem Craven zwar interessante Ideen umsetzt, sich jedoch immer mal wieder verrennt. So wirkt die Transformation Pinkers zum Energiefeld, welches Besitz von Körpern ergreift und auch durch Stromleitungen wandern kann etwas ungelenk aufgezogen. Der Film bemüht sich sehr seine Exposition abzuhandeln und wirkt daher oft gehetzt. Der „Twist“ über die Beziehung zwischen Pinker und Jonathan wirkt dabei ähnlich aufgesetzt und unnötig, ist sie für die weitere Handlung doch wenig relevant. Auch die dauerhafte Präsenz von Jonathans Freundin, welche nach kurzer Zeit ermordet wird, stört etwas und bringt unnötigen Kitsch in den Film. Wenn man sich jedoch auf das, wahrscheinlich gewollt, übertriebene Spektakel einlässt, kann man wirklich Spaß haben, denn eines ist der Film sicher nicht: Langweilig!

Craven legt ordentlich Tempo vor. Spätestens wenn Pinker anfängt von Körper zu Körper zu wechseln, bietet „Shocker“ ordentliche Action und besitzt nur wenig Leerlauf. So wird unsere Hauptfigur ziemlich gefordert und muss sich ständig neuen Angriffen erwehren. Craven spart auch nicht an Skurrilität und streut immer wieder schwarzen Humor ein. Wenn sich Pinker, weil er gerade keine andere Möglichkeit hat, in einem kleinen süßen Mädchen einnistet, welches dann Jonathan mit einem Bagger nach dem Leben trachtet, dann ist das schon witzig. Doch Cravens Einfälle ziehen auch immer wieder die Horror-Atmosphäre in Mitleidenschaft, wenn er zu viel will, wie im Finale. Dort hüpfen Pinker und Jonathan durch die Fernsehprogramme. Das wirkt nicht nur albern, sondern gestaltet sich auch als sehr unübersichtlich. So chargiert „Shocker“ zwischen actionreichem Fantasy-Horror und albernen Gaga-Ideen. Hier wollte Wes wohl etwas zu viel. Weniger meisterhaft, aber immer noch gut, fällt auch die Inszenierung aus. Craven setzt seinen Film wieder gekonnt in Szene, baut Spannung auf und liefert coole Momente, jedoch ohne wirklich geile Bilder zu liefern, wie er es in „Nightmare on Elm Street“ tat. Gerade die übernatürlichen Sequenzen kommen nicht an die „Vorlage“ heran. Sie sind zwar unterhaltsam aber auch etwas schwach getrickst, sogar für das Jahr 1989. Dafür bekommen wir aber auch handgemachte Gore-Effekte, die zwar nicht als Splatter zu verstehen sind aber trotzdem überzeugen. Trotz diverser Schwächen hat Craven sein Tempo im Griff und gestaltet „Shocker“ rasant, abwechslungsreich und überraschend.  Etwas weniger überraschend sind die Darsteller. Die Hauptrolle des Jonathans wird von Peter Berg gespielt. Richtig, genau der Peter Berg, der heutzutage eher als Regisseur von Filmen, wie „Hancock“ (2008) oder „Battleship“ (2012) in Erscheinung tritt. Berg funktioniert als etwas tollpatschiger Teenager, auch wenn er schauspielerisch keine Bäume ausreist. Michael Murphy, den man vielleicht aus Woody Allens „Manhatten“ (1979) oder Tim Burtons „Batmans Rückkehr“ (1992) kennt, überzeugt als hartnäckiger Cop, der um seine Familie trauert aber auch gleichzeitig Jonathan schützen und Pinker aus dem Verkehr ziehen will. Camille Cooper sieht zwar schnuckelig aus, spielt aber recht schlecht. Der wahre Star des Films ist Mitch Pileggi, der als Horace Pinker alle Register zieht und den absoluten Wahnsinn entfesselt. Der Mann ist wirklich eine Erscheinung und spielt sich den Wolf, um seine Figur als wahres Monster darzustellen. In einer kleinen Nebenrolle ist noch Ted Raimi, der Bruder von Sam Raimi, zu entdecken, während man in einem kleinen Auftritt Heather Langenkamp, die Hauptdarstellerin aus „Nightmare“, erspähen kann. Der Soundtrack gestaltet sich sehr rocklastig und bietet neben Original-Musik von William Goldstein Hard-Rock Nummern der deutschen Band „Bonfire“, sowie der „Dudes of Wrath“ bei. Prominent ist der Song „No more Mr. Nice Guy“, der hier von der Band „Megadeath“ interpretiert wird. Sie ist eine Coverversion des gleichnamigen Songs von Alice Cooper. Die neue Blu-Ray von „StudioCanal“ kommt ungekürzt daher und bietet ein solides Bild. Die Schärfe ist gut, jedoch sind die Farben etwas zu kräftig und die Effekte kommen nicht ganz so gut hervor. Trotz allem liegt hier ein durchaus gelungener Transfer vor, der dem Zuschauer eine angemessene HD-Qualität bietet. Der Ton ist als DTS-HD MA 2.0-Fassung, in Englisch, als auch in Deutsch, vorhanden und wirkt dynamisch und klar, zudem sind Dialoge in chaotischen Szenen immer verständlich, was man nicht bei jedem Film behaupten kann. Als Bonusmaterial gibt es drei Interviews, eine Dokumentation über die Musik, die Storyboards, sowie einen Audiokommentar von Wes Craven.

„Shocker“ (1989) ist nicht der beste Film von Wes Craven, denn an Glanztaten des Horror-Meisters kommt der Fantasy-Horror nicht heran. Das Drehbuch ist oftmals ungelenk und auch auf optischer Ebene war er schon besser. Trotzdem macht „Shocker“ Spaß und bietet abgefahrene Ideen, reichlich Action, schwarzen Humor und einen guten Bösewicht. Somit bleibt ein sehenswerter und wilder Genre-Mix, der trotz seiner Schwächen nie langweilig wird. Die solide Blu-Ray Umsetzung rundet das Paket ab und so können Craven-Fans, 80er-Nostalgiker und auch die reinen Genre-Konsumenten beherzt zugreifen.