Sklavenmarkt der weißen Mädchen (1978)

Italien 1978
mit Laura Gemser, Gota Gobert, Gabriele Tinti, Elly Galleani…
Drehbuch: Joe D’Amato, Romano Scandariato
Regie: Joe D’Amato
Länge: 79 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Die Journalistin Emanuelle (Laura Gemser)  wartet an einem Flughafen auf einen stadtbekannten Gangster für eine Recherche, während sie mit ansehen muss, wie eine Frau im Rollstuhl gegen einen Koffer getauscht wird. Später trifft sie diese Frau wieder, jedoch diesmal nicht im Rollstuhl. Emanuelle stellt Nachforschungen über die Person an und deckt einen Mädchenhändlerring auf. Sie unterwandert die kriminelle Organisation um Beweise zu sammeln, wird jedoch enttarnt.

Laura Gemser, der feuchtfröhliche Traum der 70er Jahre, zeigte immer gern das was sie hatte. Mit makellosem Körper und ihrer exotischen Schönheit, bescherte sie zu ihrer Glanzzeit dem, an nackten Tatsachen interessierten, Publikum diverse emotionale Freuden, ihr wisst schon was ich meine. Mit dem 1978 entstandenen „Sklavenmarkt der weißen Mädchen“ versucht sie, wieder unter der federführenden Hand von Schmuddel-Spezialist Joe D’Amato, mit ihren Reizen zu punkten. Doch der sechste Teil, und auch letzte, der offiziellen „Black Emanuelle“ Reihe lässt interessante Ideen ungeniert am Wegesrand liegen, um mit willkürlichem Softcore die dauergeilen Zuschauer bei Laune zu halten.

 

 

Anfang der 70er, genauer gesagt 1974, war der französische Erotik-Film „Emmanuelle“ mit Sylvia Kristel ein großer kommerzieller Erfolg, welcher viele Fortsetzungen nach sich zog. Natürlich, und wie soll es auch anders sein, entwickelten findige italienische Produzenten eine Konkurrenzreihe, um selbst mit schmierigen Erotik-Filmen ein Stück vom Kuchen abzugreifen. Man erschuf „Black Emanuelle“ und unterschlug dabei ein M, um Rechtsstreitigkeiten gekonnt aus dem Weg zu gehen. Mit Laura Gemser war die passende Schönheit gefunden, die in sechs offiziellen Filmen als sexuell aufgeschlossene Reporterin diverse Abenteuer erlebte. Nach dem letzten Streich „Nackt unter Kannibalen“ ging man wieder etwas gemäßigtere Wege und drehte mit „Sklavenmarkt der weißen Mädchen“ einen standardisierten Sexploitationfilm nach Schema F(icken)! Dabei ist der Plot gar nicht mal so uninteressant, denn „Emanuelle“ macht sich daran einen Mädchenhändlerring, der seine „Schützlinge“ zur Prostitution nötigt, auszuheben und zu unterwandern. Eigentlich ganz netter Stoff für einen reißerischen Thriller, doch Schmierfink D’Amato scheint das Potential nur wenig zu interessieren. Die Ermittlungsarbeit unserer Protagonistin und die Gefahren, die diese birgt, werden nur ansatzweise bearbeitet. Die Handlung plätschert uninteressant vor sich hin und Szenen, die wirklich etwas Spannung beinhalten könnten, werden gänzlich vernachlässigt, zu Gunsten von erotischen Scharmützeln. Somit dient der ganze Verlauf lediglich als Legitimation, diverse Sex-Szenen zu zeigen und selbst diese sind recht, nun ja, lahm und unaufregend. Das fängt schon zu Beginn an, wenn das Auto von „Emanuelle“ und ihrer Freundin in die Werkstatt muss und sich die Freundin gleich vom Mechaniker knattern lässt, während unsere exotische Hauptfigur sich selbst die Pflaume rubbelt. Danach wollen sie, so will uns der Film das suggerieren, einem Gangsterboss auf die Pelle rücken und ihn, so nehme ich an, durch investigativen Journalismus seiner Taten und Machenschaften entlarven. Doch die beiden Früchtchen gehen mit ihm und seinem Geschäftspartner erstmal auf Safari und lassen sich…richtig, kräftig durchhauen. Diese komische Anfangshandlung verläuft dann auch im Sande und es wird nie wieder darüber gesprochen.

Es ist gerade dieses Stückwerk, was sich durch den Film zieht. Nie ist etwas bedrohlich oder gefährlich. Selbst der Mädchenhändlerring wirkt, wie ein Vergnügungsdomizil für sexhungrige Damen im besten Alter. Somit geht der Thriller-Aspekt gänzlich verloren. Selbst die, für D’Amato bekannten, Sexeinlagen wirken schnell runtergedreht. In vielen seiner Arbeiten drehte Joe D’Amato noch Hardcore-Szenen mit Bodydoubles nach, um sie später noch in den Film einzufügen. Bei diesem Film allerdings verzichtete man darauf und verließ sich gekonnt auf die Ausstrahlung seiner Hauptdarstellerin. Lediglich eine Szene lässt mich an diesem Umstand zweifeln. Noch vor der „Haupthandlung“ bekommen wir einen flotten Dreier zwischen „Emanuelle“, dem komischen Gangsterboss und „Emanuelles“ Freundin geboten, bei dem immer wieder Schwarzbild erscheint und die Sexeinlagen in Ausschnitten präsentiert wird. Ob an dieser Stelle wirklich mal explizite Darstellungen zu sehen waren, werden wir aber wohl nicht mehr erfahren. Es muss ja nicht explizit sein, jedoch versprühen diese Szenen oftmals nur mittelgeile Erotik. Auch die Schauspieler sind nur so mittelgeil aber für einen Joe D’Amato Sexploitationfilm werden nun mal eher andere Talente und Vorzüge benötigt als gutes Schauspiel. Lediglich Laura Gemser versprüht einfach etwas Faszinierendes. Sie ist, trotz ihrer Schönheit, immer etwas natürlicher als ihre Gespielinnen und wirkt nie so dauergeil, sondern zurückhaltend. Dieses Gefühl wird dann zum Beispiel aber durch die Endszene torpediert, wenn sie sich, für eine Überfahrt im Boot, von den ruppigen Seemännern vernaschen lässt, quasi als Bezahlung. Die steht dann auch in Konflikt mit den emanzipierten Charakterzügen, die die Figur ansonsten an den Tag legt. Wenigstens der Soundtrack von Nico Fidenco ist ganz nett und amüsant, denn dieser chargiert zwischen Porno-Klischee Klängen und flachem Italo-Disco Gedudel. Der Theme-Song bleibt dabei ganz gut im Ohr, was auch daran liegen mag, dass er c.a. 1000 Mal gespielt wird. Man muss schon sagen, dass „Sklavenmarkt der weißen Mädchen“ ein schnell zusammengeschustertes Werk darstellt. Nicht nur die Handlung erzeugt diesen Eindruck, sondern auch die Tatsache, dass D’Amato viel Füllmaterial aus anderen Filmen, wie „Black Emanuelle – Stunden wilder Lust“ und dem schon erwähnten „Nackt unter Kannibalen“ einfach hier hinein kopiert und neu synchronisiert hat. Zumindest gibt es ein paar nette Tieraufnahmen aus Afrika, das muss man schon mal erwähnt haben.

 

„Sklavenmarkt der weißen Mädchen“ ist ein weiterer schmuddeliger Sexploitationfilm von Euro-Grindhouse Papst Joe D’Amato, in dem die schöne Laura Gemser wieder zeigen darf, was sie hat. Allerdings verkommt der sechste Teil der bekannten Plagiatsreihe zu einer sich immer wiederholenden Nummernrevue lauer Softcore-Einlagen, was nicht schlimm wäre, wenn D’Amato nicht so viel Potential links liegen lassen würde. Alles in allem ein uninteressanter Film, der keinem weh tut, jedoch nur Gemser-Fetischisten wirkliche Begeisterung entlocken dürfte.