Staying Alive (1983)

Disco-Startänzer Tony Manero, vor fünf Jahren von Brooklyn nach Manhattan gezogen, jobbt als Kellner und Tanzlehrer, wartet auf die Chance am Broadway. Tänzerin Jackie ermuntert ihn. Als er bei einer ihrer Shows Tänzerin Laura, Star des Ensembles. kennenlernt, beginnen die beiden eine Affäre. Jackie ist verletzt. Als Laura Tony fallen lässt, trainiert er härter, versöhnt sich mit Jackie, ersetzt den überforderten männlichen Star und liefert trotz Feindseligkeit mit Tanzpartnerin Laura eine brillante Leistung ab, die zum sensationellen Broadway-Triumph wird.

 

In den 70er Jahren stieg John Travolta durch seine Rollen in „Grease“ und natürlich in „Saturday Night Fever“ zum Superstar auf. Doch als die Karriere des einstigen Tanzgottes in den 80ern langsam versiebte, startete er den Versuch mit einer Fortsetzung seines Disco Kult-Films, seinem Starsein einen neuen Schub zu geben. Auch wenn der 1983 erschiene und von SYLVESTER STALLONE inszinierte „Staying Alive“ ein erbärmlich schlechter Tanzfilm ist, so ist er im Kern doch ein extrem unfreiwillig komisches Meisterwerk der, ich denke mal, ungewollten Homoerotik.

 

„Whether you’re a brother or whether you’re a mother,You’re stayin’ alive, stayin’ alive
Feel the city breakin’ and everybody shakin’And we’re stayin’ alive, stayin’ alive
Ah, ha, ha, ha, stayin’ alive, stayin’ alive
Ah, ha, ha, ha, stayin’ alive“

Wer bei diesen Zeilen zumindest nicht mit dem Bein wippt, hat definitiv Popkultur verpennt. Der 1977 veröffentlichte „Saturday Night Fever“ gilt heute, nicht zu Unrecht, als Klassiker und ist definitiv ein Film, der, wie kein zweiter, ein ganzes Jahrzehnt wiederspiegelt. Wer denkt bei 70’s und Disco nicht an John Travolta im weißen Polyacryl Anzug, wenn er zu dem Sound der „Bee Gees“ die Hüften schwingt? Umso verwunderlicher war es wohl, als man sich Anfang der 80er daran machte, eine Fortsetzung zu produzieren, weil ja auch so viele Fragen offen blieben. Nun sehen wir Travolta als Tony Manero, der am Broadway unterzukommen versucht. Die Story an sich, folgt gängigen Klischees und ist an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten. Im Zentrum, neben Tonys Versuch ein großer Tänzer auf der Bühne zu werden, steht der Beziehungskonflikt mit seiner, ziemlich naiven Freundin Jackie und der ziemlich bitchigen Laura. Als Zuschauer kann man damit herzlich wenig anfangen, da Travolta sich hier als absolutes Oberarschloch in Szene setzt, der alles anbaggert was Titten hat und dabei so subtil vorgeht, wie ein Presslufthammer. Nur wenn er direkt „Ficken?“ fragen würde, wären seine Intentionen noch deutlicher. Man wünscht sich die ganze Zeit über, dass irgendjemand dem guten Mr. Manero oder Macccaroni, wie auch immer, ordentlich eins auf die 12 gibt. Vor allem da er ständig seine Freundin hintergeht und auch mit Laura in die Federn hüpft, aber auf der anderen Seite Jackie eine Szene macht, wenn sie dem Gitarristen ihrer mitteltalentierten Cover-Band zu freundlich „Auf Wiedersehen“ sagt. Somit dümpelt dieses Storyelement unaufregend und unsympathisch vor sich hin, was nicht gerade förderlich für den Unterhaltungswert ist aber zumindest immer mal schmunzeln lässt, weil man sich doch irgendwie fremdschämt. Der Rest der „Rising Star“ Story ist nicht nur lückenhaft, sondern auch unfassbar schwul. Angefangen bei den rosafarbenen Neon-Credits im Vorspann bis zu den sehr bizarren Tanzszenen, die wirken als hätte Regisseur Stallone einfach mal Musik angemacht und die Akteure wild drauf lostanzen lassen. Mehrere Szenen lassen, trotz seines Machogehabe, ernsthaft an John Travoltas Sexualität zweifeln. Wenn er zum Beispiel in einem schlecht beleuchteten Flur mit dem Regisseur dieser ominösen Broadwayproduktion, in der Manero die Hauptrolle haben will, diskutiert, zudem ist der Regisseur auffällig oft in Leder gekleidet, und nach einer Abblende unser Tony den Part klar gemacht hat, erwachen in einem gewisse Gedanken, die sich darum drehen welche Dienstleistungen Mr. Manero wohl erbracht haben muss. Diese schwulen Tendenzen gipfeln in einem unglaublich seltsamen aber auch faszinierenden Finale. Wo schon die vorherigen Tanzszenen nicht sonderlich gut verortbar waren, sehen wir nun das fertige Broadwaystück, welches ein Erlebnis darstellt. Das Ganze wirkt wie ein Mix aus „Mad Max“, verschollenem Workprint Material aus „Cruising“, sowie Dantes „Im siebten Kreis der Hölle“. Ich war absolut fassungslos und trotzdem finde ich, passt es perfekt zur homosexuellen Ausstrahlung des Films, da hier ein extrem eingeölter John Travolta, der in diesem Stück fortlaufend immer weniger an hat, versucht vor, sich am Boden windenden, Frauen weg zu tanzen, um dann schließlich von, in schwarzem Leder gekleideten Männern, man könnte sagen, gerettet zu werden, die ihn schlussendlich auspeitschen und versuchen an ein Andreaskreuz zu binden. Quasi „Siebter Kreis der Hölle“ meets schwuler SM-Keller. Allein dieser letzte Akt des Films ist so „What the Fuck“ das es die vollen 90 Minuten rechtfertigt. Das muss man einfach gesehen haben!

Ich mag ja Sylvester Stallone und er ist auch kein absolut schlechter Regisseur. Die „Rocky“-Filme waren alle ok und auch „John Rambo“ und „The Expendables“ waren solide gemacht aber was Sly nicht kann, sind Tanzszenen inszenieren. Ohne jegliches Gespür für Rhythmus lässt er die strammen Jungs und knackigen Weiber, die alles Schlechte der 80er Jahre repräsentieren, von Klamotten bis zu Frisuren, durch die Gegend springen und extatische Bewegungen durchführen. Das mag vieles sein, jedoch hat es mit Tanzen oft wenig zu tun. Zudem ist das Ganze auch beschissen geschnitten, was vor allem im Intro erkennbar ist. Zudem hat Stallone auch einen Gastauftritt, in dem er Travolta auf dem Gehweg anrempelt und, nun ja, beide sich gegenseitig auschecken.

Die Darsteller nudeln ihre Parts hölzern herunter, besonders Finola Hughes als Laura hat anscheinend noch nie etwas von Schauspiel gehört, so blass und einschläfernd führt sie belanglose Dialoge mit John Travolta, zu dem ich ja schon einiges gesagt habe. Der Tanzgott, der hier wie eine schwule Sexpuppe aus der Wäsche guckt und von dem oftmals sein Schritt und sein Hintern im Bild zu sehen sind, spielt seine Rolle ebenso hölzern. Einzig in den seltsamen Tanzszenen blüht er, nun ja, auf! Ich verstehe nicht, wie damals Menschen Zweifel daran hatten, dass der Mann homosexuell ist. Das ist wie, als wenn man das „Club Tropicana“ Musikvideo von „Wham!“ schaut und sich fragt, wie irgendjemand jemals Zweifel daran hatte, dass George Michael gerne Männer vernascht. Ich weiss es wirklich nicht. Wenn man einen Film, wie „Staying Alive“ guckt, erwartet man aber zumindest coole Musik, da ja auch die „Bee Gees“ im Vorspann genannt werden. Anders als in „Saturday Night Fever“ gestaltet sich der Soundtrack enttäuschend. Die „Bee Gees“ hatten wahrscheinlich nicht wirklich Bock und haben einfach ein paar alte B-Seiten, die sie selbst nicht veröffentlichen wollten, für ein paar Dollar Stallone zu Verfügung gestellt. Das Pop-Trio war den Kram los und Sly konnte sie im Vorspann nennen und den Film damit bewerben. Lediglich zum Abspann ertönt dann noch mal der Kult-Song, dazu gibt es einen interessanten Schnittwechsel zwischen Travoltas Gesicht, Arsch und Schritt, der auch Namensgeber für den Film war und zeigt, wie gut die Falsett-Sänger eigentlich sein können. Der Rest des Scores ist belanglose 80er Jahre Popmusik, größtenteils komponiert von Stallones Bruder Frank, der auch einen kleinen Auftritt hat. Als einziger Song bleibt wohl sein „Far from Over“ im Ohr, aber nur weil er auch gefühlt 10-mal gespielt wird. Schon 1982 wurde der Streifen von den Kritikern verrissen, spielte aber dennoch solide Geld ein. Trotz allem bleibt „Staying Alive“ ein nicht gerade rühmliches Projekt in Travoltas und Stallones Filmographien.

Sylverster Stallones „Staying Alive“ ist weniger ein guter Film, als eine belanglose Fortsetzung eines runden Films, die mit uninteressanten Handlungselementen und kruden Szenen in einen schwulen Fiebertraum mündet. Normalerweise würde ich davon abraten aber allein der homosexuelle Content des Films und das Finale, machen es auch wieder so sehenswert und unfreiwillig komisch, so dass dieses Machwerk eher als Trashfilm für lustige Abende geeignet ist. Gesehen haben sollte man den auf jeden Fall mal.